Leben und Liebe der Legende Hans Albers

Stand: 06.01.2021 13:44 Uhr

Hans Albers verkörperte den liebenswerten Seebären wie kein zweiter. Lieder wie "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" und Filme wie "Große Freiheit Nr. 7" machten den Hamburger unsterblich. Im Dokudrama "Die Liebe des Hans Albers" ist seine Beziehung zur Jüdin Hansi Burg verfilmt.

Bis zum 7. April ist "Die Liebe des Hans Albers" in der ARD Mediathek zu sehen.

Hans Philipp August Albers wird am 22. September 1891 als jüngstes von sechs Kindern in Hamburg geboren. Sein Vater hat es als Schlachtermeister zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht. Der blonde Hans wächst in St. Georg auf, nahe der Alster.

Hans Albers und seine frühe Liebe fürs Theater

Hans Albers auf der Bühne, um 1925. © picture-alliance / akg-images Foto: akg-images
Schon früh gibt Albers, hier um 1925 auf der Bühne, seinen Beruf als Kaufmann auf und geht zum Theater.

Dort schrubbt er als Schuljunge Ausflugsboote, um sich seine wachsende Leidenschaft zu finanzieren: das Theater. So oft wie möglich besucht er das Deutsche Schauspielhaus und träumt von einer Schauspielkarriere. Auf Wunsch des Vaters beginnt er in Hamburg jedoch zunächst eine Kaufmannslehre und arbeitet in Frankfurt in einer Seidenfirma. Nebenher nimmt er heimlich Schauspielunterricht. Mit 20 hängt Hans Albers den Kaufmannsberuf an den Nagel, um seinen Traum zu realisieren.

Warten und schuften für die große Chance

Doch Ein- und Aufstieg als Schauspieler erweisen sich als nicht leicht. Hans Albers sammelt erste Bühnenerfahrungen in Provinztheatern, malocht als Kulissenschieber. Kleinere Engagements führen ihn nach Frankfurt, Köln und zurück in die Heimatstadt: Am Hamburger Thalia Theater spielt er einen Leutnant. Er ergreift jede Chance, die sich ihm bietet, der junge Mann mit den blassblauen Augen, dem hypnotischen Blick und den blonden Haaren. Da Letztere jedoch immer spärlicher werden, zeigt sich Hans Albers in der Öffentlichkeit mit der Zeit kaum noch ohne Toupet.

1915 wird Hans Albers zur Armee eingezogen. Im Ersten Weltkrieg dient er an der Ost- und Westfront, bis er verwundet wird und heimkehrt. Noch vor Kriegsende geht er, wieder gesund, nach Berlin, um in der quirligen Weltmetropole als einer von Tausenden namenlosen Schauspielern sein Glück zu versuchen. Er spielt alles, was er bekommen kann, mimt schmierige Frauenhelden und Schurken in Komödien, Operetten und Revues. Den erhofften Durchbruch bringt das nicht. "Ich musste 20 Jahre warten und schuften, bis meine große Chance kam", erinnerte sich Hans Albers einst an diese Zeit. Der junge Mann arbeitet unermüdlich, tagsüber wirkt er in Stummfilmen mit Titeln wie "Der falsche Dimitri" und "Saxophon-Susi" mit, abends steht er auf der Bühne.

Hansi Burg - die Liebe seines Lebens

Hans Albers mit seiner Frau Hansi Burg 1952. © picture alliance / kpa Foto: 90061
Die Jüdin Hansi Burg lebt während der Herrschaft der Nationalsozialisten acht Jahre im Exil. Nach Kriegsende findet das Paar wieder zueinander.

Hans Albers liebt nicht nur die Frauen, sondern auch den Alkohol, doch trotz vieler nächtlicher Exzesse treibt er seine Karriere diszipliniert voran. Nach einer Liaison mit der gefeierten Opernsängerin Claire Dux trifft er Anfang der 1920er-Jahre die Liebe seines Lebens: Hansi Burg, die Tochter seines Freundes und Mentors Eugen Burg. Sie wird seine wichtigste Vertraute und Managerin.

"Die Verbrecher" beschert Hans Albers den Durchbruch

Im Oktober 1928, im Alter von 37 Jahren, wird Hans Albers über Nacht berühmt. Weil kurz vor der Premiere ein Schauspieler abspringt, erhält er eine Rolle in dem Stück "Die Verbrecher" am renommierten Deutschen Theater unter dem Intendanten Max Reinhardt. Als skrupelloser Kellner avanciert Hans Albers zum Star des Stücks. Berlin liegt ihm zu Füßen. Jetzt hagelt es plötzlich Angebote. Bedeutende Regisseure wie Erwin Piscator und Gustaf Gründgens reißen sich um den Mann mit der außergewöhnlichen Ausstrahlung. "Hinreißend leuchtet dieser Mensch von innerer, mutwilliger Freude, scheint zu jeglicher Tollheit bereit, scheint zu allem fähig, was fröhlich, überschäumend und dabei leise selbstparodistisch ist", formuliert es der Schriftsteller Felix Salten.

"Hoppla, jetzt komm ich" wird zum Gassenhauer

Hans Albers (l.) und Heinz Rühmann 1937 in einer Szene des Films "Der Mann, der Sherlock Holmes war". © picture alliance / akg Foto: akg-images / Hans Schaller
1937 spielt Albers (l.) mit Heinz Rühmann in "Der Mann, der Sherlock Holmes war".

In den frühen 30er-Jahren tritt der Tonfilm seinen Siegeszug an - und mit ihm Hans Albers. Seinen ersten Tonfilm "Die Nacht gehört uns" dreht er 1929, es folgen Dutzende weitere, darunter 1930 "Der blaue Engel" an der Seite von Marlene Dietrich, im selben Jahr "Hans in allen Gassen", 1931 "Bomben auf Monte Carlo" mit Heinz Rühmann sowie 1932 "Der Sieger". Der Schlager "Hoppla, jetzt komm ich", den Hans Albers darin singt, wird zum Gassenhauer. Er soll nicht der einzige sein: Ob "Flieger, grüß mir die Sonne" oder "Komm' auf die Schaukel, Luise": Mit seiner unverwechselbar schnodderigen Stimme gelingt Hans Albers ein Schallplatten-Hit nach dem anderen. Anfang der 30er-Jahre, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zieht er von Berlin nach Bayern, an den Starnberger See.

Hans Albers - "Staatsschauspieler" der Nationalsozialisten

Hans Albers und Hilde Hildebrand im Spielfilm "Große Freiheit Nr. 7" von 1944. © picture alliance / Keystone Foto: Keystone
Legendär: In "Große Freiheit Nr. 7" spielt Hans Albers an der Seite von Hilde Hildebrand.

"Dieser Albers ist ein Teufelskerl", notiert Joseph Goebbels bereits 1932. Die Nationalsozialisten, die kurze Zeit später in Deutschland an die Macht gelangen, kommen um den blonden, blauäugigen Mann, den "Vorzeige-Arier" und Kassenmagneten nicht herum. Sie ernennen ihm zum "Staatsschauspieler" und bewilligen ihm schwindelerregende Gagen. Doch Hans Albers lässt sich von den Nazis nicht vereinnahmen, geht demonstrativ auf Distanz. Trotzdem wirkt er in einigen Propaganda-Streifen mit. Zahlreiche seiner jüdischen Film- und Theaterkollegen werden verfolgt oder gar deportiert. Hans Albers schweigt darüber. Auch seine Partnerin, die Jüdin Hansi Burg, flüchtet 1939 vor den Nazis nach Großbritannien. 1946, ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, kehrt sie nach Deutschland und zu ihrem Lebensgefährten zurück.

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Vom Lügenbaron zum melancholischen Trinker

1943 wird mit großem Pomp der Farbfilm "Münchhausen" gedreht. Als aberwitziger Lügenbaron avanciert Hans Albers endgültig zum Publikumsliebling. 1944 dreht Helmut Käutner den legendären Reeperbahn-Film "Große Freiheit Nr. 7", entgegen den Plänen Goebbels' ein eher leiser, melancholischer Film. Hier brilliert Hans Albers als ehemaliger Matrose und Trinker. Aus diesem Film stammt auch sein wohl bekanntestes Lied: "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins".

Nach dem Krieg: Rollen als väterliche Typen

Szene aus dem Fim "Das Herz von St. Pauli" mit Hansjörg Felmy (l.), Hans Albers (Mitte) und Jürgen Wilke (r.). © picture alliance/United Archives Foto: United Archives/IFTN
In den 50er-Jahren spielt Albers meist väterliche Typen wie in "Das Herz von St. Pauli".

Politisch kaum belastet, kann Hans Albers seine Karriere nach dem Zusammenbruch Nazi-Deutschlands nahtlos weiterführen. 1945 ist er bereits 54 Jahre alt. Forsche Liebhaber und Draufgänger verkörpert er nun nicht mehr, jetzt spielt er eher liebenswerte, väterliche Typen. Mit Filmen wie "Nachts auf den Straßen" 1951 oder "Vor Sonnenuntergang" 1956 kann Hans Albers sein Schauspiel-Talent erneut beweisen und an alte Erfolge anknüpfen. Andere Filme und Rollen geraten hingegen zu Flops, darunter "Das Herz von St. Pauli" 1957, ein blasser Abklatsch des Seemannsfilms "Große Freiheit Nr. 7".

Hans Albers - Die wichtigsten Filme

Hans Albers wirkte in über 100 Stummfilmen und zahlreichen Tonfilmen mit. Eine Auswahl seiner wichtigsten Filme:

Die letzten Jahre - Albers spielt weiter

In den 50er-Jahren lässt der Erfolg langsam nach. Die Frauenschwärme und Filmidole sind inzwischen andere. Doch Hans Albers nimmt weiter Rollen an, auch im Theater. 1960 spielt er in Carl Zuckmayers Stück "Katharinas Knie" einen gealterten Zirkusdirektor. Hans Albers, der sich Zeit seines Lebens nie doubeln ließ und die waghalsigsten Sprünge stets selber durchführte, besteht auch hier, im Alter von 69 Jahren, auf artistische Nummern.

Hans Albers: "Heimat ist da, wo einer stirbt"

Das Grab von Hans Albers auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg. © dpa Foto: Ulrich Perrey
Eine schlichte Grabplatte erinnert auf dem Friedhof in Ohlsdorf an den legendären Hamburger Hans Albers.

Im März 1960 bricht er bei einer Aufführung zusammen. Am 24. Juli stirbt er - entgegen seines einstigen Wunsches - in einem Krankenhaus am Starnberger See. "Heimat ist da, wo einer stirbt, nicht da, wo einer lebt. Und wenn die Reihe mal an mir ist, dann soll es in Hamburg sein", hatte Hans Albers gesagt. Am 29. Juli wird er, geleitet von Tausenden Trauernden, auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf begraben.

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Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Reportage & Dokumentation | 06.01.2021 | 21:45 Uhr

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