Stand: 22.02.2017 18:58 Uhr  | Archiv

Gyula Trebitsch: Der große Mann des Hamburger Films

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Ein Leben für den Film: Gyula Trebitsch.

Mit seinem Beruf erfüllte sich Gyula Trebitsch eigentlich nur seinen Kindertraum erfüllt: Schon als Junge erklärte er seinem Vater, dass er "Filmfabrikant" werden wolle. Der habe nichts dagegen gehabt, erzählte Trebitsch Jahrzehnte später. Er dürfe alles werden, so der Vater - nur kein Beamter. Im Nachkriegsdeutschland baute Gyula Trebitsch eine erfolgreiche Film- und Fernsehproduktion und prägte die Medienlandschaft über Jahrzehnte.

Ausbildung zum Kinovorführer

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Nach seinem Diplom erhält Trebitsch seinen Ausweis als "Königlich-Ungarischer Filmvorführer".

Geboren wird Gyula Trebitsch am 3. November 1914 in Budapest. 1932 beginnt er dort als Volontär bei der ungarischen UFA-Niederlassung und schließt 1937 seine Ausbildung zum Kinovorführer ab. Mit Bankkrediten dreht er im selben Jahr seinen ersten Film "Ich vertraue Dir meine Frau an", der später mit Heinz Rühmann in Deutschland neu verfilmt wird. Doch schon bald stoppen die Nazis Trebitschs vielversprechende Karriere: Seine erste Produktionsfirma, die  "Objektiv-Film", wird 1938 "arisiert". Als Jude verliert Trebitsch seinen Job bei der UFA.

Naziterror und Befreiung

Unbarmherzig verfolgt das Nazi-Regime Trebitsch und seine Familie. Einer seiner beiden Brüder kommt auf dem Weg in ein deutsches Konzentrationslager ums Leben, der zweite Bruder stirbt im KZ Mauthausen. Trebitschs Eltern überleben dank der Hilfe des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg und wandern später nach Israel aus. Gyula Trebitsch wird von den Nazis in den jüdischen Arbeitsdienst eingezogen und muss an der Ostfront Minen räumen. Später kommt er als Zwangsarbeiter in serbische Kupferminen. Das Kriegsende erlebt er im KZ Wöbbelin bei Ludwigslust. Die Befreiung des Lagers bezeichnet Trebitsch später als "schönsten Tag in meinem Leben. Alle Schrecken der vergangenen Zeit waren vorbei."

Die Briten bringen den bis auf die Knochen abgemagerten Häftling in ein Krankenhaus nach Itzehoe. Sobald er wieder bei Kräften ist, engagiert sich Trebitsch als zweiter Vorsitzender in der Ortsgruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Die Vereinigung erreicht 1946, dass in Itzehoe ein Mahnmal für die Opfer der Nationalsozialismus errichtet wird - das erste in Deutschland. Die aus Backstein gefertigte Säule stammt von dem Architekten Fritz Höger, der in den 1920er-Jahren das Hamburger Chilehaus entwarf.

"Leben muss man nach vorn"

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Trebitsch (l.) mit seinem Geschäftspartner Walter Koppel und Zarah Leander bei der Produktion des Films "Gabriela" 1949.

Über seine Erlebnisse in der NS-Zeit äußert sich Trebitsch jahrzehntelang nicht. "Das Leben verstehen kann man nur mit Blick auf die Vergangenheit, aber leben muss man nach vorn" - dieses Zitat des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard macht er sich zum Lebensmotto. Schon 1947 steigt Trebitsch wieder ins Filmgeschäft ein. Zusammen mit Walter Koppel gründet er in Hamburg die Produktionsfirma Real-Film. Im selben Jahr heiratet er die Kostümbildnerin Erna Sander, mit der er drei Kinder - Katharina, Markus und Ulrike - bekommt.

Mit Kinohits wie "Der Hauptmann von Köpenick" an die Spitze

Mit Filmen wie "Des Teufels General" oder "Der Hauptmann von Köpenick" macht sich die Produktionsfirma in wenigen Jahren einen Namen in der jungen Bundesrepublik. Es folgen weitere Kinohits wie "Die Zürcher Verlobung" mit Liselotte Pulver oder "Der Schinderhannes" mit Curd Jürgens. Die Erfolge sind stets auch seinen sachlich-rationalen Entscheidungen zu verdanken. Eigenen künstlerischen Ehrgeiz entwickelt er nicht. "Ich habe immer alle Geschäfte nach ökonomischen, kaufmännisch vernünftigen Gesetzen betrieben, nicht nach Showbusiness-Methoden", erklärt Trebitsch dazu 1974.

1959 verkauft Trebitsch 80 Prozent seiner Real-Film-Anteile an die Norddeutsche Werbefernsehen GmbH, die sich 1960 in Studio Hamburg umbenennt. Trebitsch bleibt Geschäftsführer. Schon früh erkennt der umtriebige Produzent auch die Bedeutung des Fernsehens: Mit der Serie "Hafenpolizei" landet er ab 1963 ein früher Fernseh-Hit. Es folgen zahlreiche weitere Film-, Serien- und Showproduktionen.

"Es waren schöne Zeiten - trotz grausamer Jahre zwischendurch"

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Gyula Trebitsch mit seiner Tochter Katharina, die wie ihr Vater als Filmproduzentin arbeitet.

Neben dem Studio Hamburg führt Trebitsch mehrere weitere Produktionsfirmen, so die 1963 gegründete "Polyphon" in Hamburg und die "Polytel" in Amsterdam. 1971 trennt er sich von seinem 20-prozentigen Anteil an Studio Hamburg, bleibt aber bis 1980 in der Geschäftsführung. Mit der Trebitsch Produktion Holding GmbH & Co. KG  ist er danach als freier Produzent tätig. Trebitsch erhält zahlreiche Ehrungen für sein Lebenswerk, darunter den Deutschen Filmpreis, den Deutschen Fernsehpreis, die Goldene Kamera und den Hamburger Bürgerpreis. Außerdem ist er Ehrenvorsitzender des Norddeutschen Filmhersteller-Verbandes sowie des Verbandes technischer Betriebe für Film und Fernsehen, Berlin. In einem Interview anlässlich seines 70. Geburtstags erklärt er sein Erfolgsrezept: "Ich glaube nicht an das Glück. Ich glaube an harte Arbeit, systematische Planung dessen, was man tut und an Leistungskonzentration. Von nichts kommt nichts."

Buchtipp

Gyula Trebitsch
von Michael Töteberg und Volker Reißmann
Verlag: Ellert & Richter 2014
Bestellnummer: 978-3831905850
Preis: 14,90 Euro

"Es waren sehr schöne Zeiten - trotz grausamer Jahre zwischendurch" - dieses Resümee zieht Trebitsch am Lebensabend. Im Alter von 91 Jahren stirbt er am 12. Dezember 2005 in Hamburg. Seit 2011 ist in Hamburg-Tonndorf eine Schule nach ihm benannt.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

DAS! | 27.01.2006 | 18:45 Uhr

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