Stand: 30.07.2016 17:11 Uhr  | Archiv

Klein, dick und sexy wird 60

von Daniel Kaiser
Gustav Peter Wöhler © picture alliance Foto: Breuel-Bild/ABB
Gustav Peter Wöhler wird am 31. Juli 60 Jahre alt. Sein vielseitiges Talent brachte ihn mit großem Erfolg in zahlreiche Fernseh-, Film- und Theaterproduktionen.

"Klein, dick und sexy!" Das steht bei Gustav-Peter Wöhler oft auf dem T-Shirt, wenn er mit seiner Band auftritt. Der Mann ist eine Rampensau aus dem Bilderbuch und hat als Musiker schon lange einen eingeschworenen Fan-Kreis um sich versammelt. Aber auch als Theater- und Fernsehschauspieler ist sein Gesicht vielen bekannt - unter anderem aus Doris Dörrie-Filmen und seiner Zeit am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Am 31. Juli wird der Wahl-Hamburger Gustav-Peter Wöhler 60 Jahre alt.

Er singt und lacht und schwitzt und tanzt Tango mit dem Mikrofonständer. Lustvoll und rauschaft nimmt Gustav-Peter Wöhler mit weltbekannten Songs die Bühne ein.

"Das ist Doping! Ich liebe zu singen. Und ich liebe es vor allem, live zu singen. Und wenn ich dann ein Publikum habe, das mich unterstützt  - dass diesen ganzen Blödsinn mitmacht, - dann ist es, als wenn mir jemand einen Nadel in den Arsch steckt und dann kann man mich auch schlecht stoppen, " so Wöhler.

Verteidigungsstrategie: Zum Lachen bringen

Wenn man ihn so sieht, glaubt man ihm sofort, dass er schon als Kind Klassenclown war. "Wenn man schon als Kind klein und dick ist, wird man gehänselt. Man muss sich verteidigen. Und ich war kein Schläger. Ich habe mich nicht durch Boxhiebe verteidigt sondern durch Humor. Ich habe die Leute zum Lachen gebracht," berichtet er.

Gustav Peter Wöhler bei Hörspielproduktion von "Alles Hamburg - Musik von hier" © Marco Maas Foto: Marco Maas
Multitalent Gustav Peter Wöhler bei der Hörspielproduktion von "Alles Hamburg - Musik von hier".

Abseits der Bühne ist Wöhler ruhig und besonnen. Er meditiert oft und ist ein Beobachter. Schon damals in der Gaststätte, die seine Eltern in der Nähe von Herford in Westfalen betrieben haben, war das so.

"Ich bin von der Schule gekommen, bin rein in die Kneipe und habe geguckt: Wer ist da? Das war eine Dorfkneipe - man kannte eigentlich jeden. Da schaut man: Was treiben die, was sagen die und wie bewegen die sich. Das war eine gute Schule," sagt der Schauspieler.

"Sie müssen Schauspieler werden!"

Wöhlers Mutter stirbt, als er gerade acht ist. Sein Vater einige Jahre später. Er wächst bei seiner großen Schwester auf. Nach der Schule will er Sozialpädagogik studieren. Doch da schreitet sein Religionslehrer ein. Der sagte dann "Wöhler! Wöhler! Lassen Sie das mit der Sozialpädagogik. Sie müssen Schauspieler werden." Da habe ich gesagt: "Geht doch gar nicht. Guck‘ mich mal an: Kleiner Dicker." Da sagte er: Nein, das ist heute gar nicht mehr so wichtig."

Der Regie-Guru Peter Zadek entdeckt ihn und holt ihn ans Deutsche Schauspielhaus nach Hamburg. Eine tolle Zeit war das, schwärmt Wöhler: "Lernen! Lernen! Lernen! Und großartige Menschen kennenlernen. Ich hatte ja großartige Kollegen um mich herumgehabt: Ulrich Wildgruber, Eva Mattes, Angela Winkler - das war ja wirklich das Who is Who des Deutschen Theaters."

Als Zadek ihn einmal als "Entertainer" lobt, ist Wöhler enttäuscht: " Naja, ich war damals blöd, ich wollte das hohe Theater. Ich wollte so sein wie Ulrich Tukur und Gert Voss. Und das kann ich nicht so - jedenfalls nicht in der Qualität."

Mit Monika Bleibtreu am St. Pauli Theater

Am St. Pauli Theater feiert er später an der Seite von Monica Bleibtreu im Stück "Tanzstunden in sechs Wochen" als schwuler Lehrer einen Riesenerfolg. Im Fernsehen spielt Wöhler oft kleinere Rollen: Nachbarn, Finanzbeamte, Betriebsärzte, Langweiler von nebenan.

Mit seinem Lebenspartner Albert Wiederspiel lebt Wöhler in Hamburg und Berlin  - seit acht Jahren in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Und er blüht nicht nur bei Live-Musik auf der Bühne auf sondern auch zuhause: Beim Abwaschen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 31.07.2016 | 11:20 Uhr

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