Komiker Günter Willumeit im Jahr 2005 bei einem Auftritt in der Aktuellen Schaubude des NDR. © picture alliance / rtn - radio tele nord Foto: rtn Peter Wuest

Günter Willumeit: Immer einen Witz auf Lager

Stand: 22.11.2021 13:30 Uhr

Ob albern oder derbe: Der Komiker Günter Willumeit brachte seine Fans stets zum Lachen, zum Beispiel als "Bauer Piepenbrink". Dabei war sein eigenes Leben nicht immer heiter. Nun wäre er 80 Jahre alt geworden.

von Nicola Millies

Einem Millionen-Publikum wurde Günter Willumeit als "Bauer Piepenbrink" bekannt - in dieser Rolle hatte er unzählige Auftritte unter anderem im NDR Hörfunk und Fernsehen. Als Vierjähriger war Günter Willumeit mit seiner Mutter und seiner Schwester Erika von Memel, dem heutigen Klaipėda in Litauen, nach Bühnsdorf bei Bad Segeberg. Bereits in der Schulzeit machte sich sein humoristisches Talent bemerkbar: Seine Lehrer-Parodien waren der Höhepunkt manch einer Schulstunde. Doch eine Komiker-Karriere war damals überhaupt keine Alternative zu Günter Willumeits Berufswunsch: Zahnarzt wollte er werden.

Willumeit startet Berufsleben als Zahnarzt in Bad Segeberg

Sein Studium finanzierte sich Günter Willumeit mit dem Soldatensold beim Militär. Nach abgeschlossener Ausbildung eröffnete er eine Zahnarztpraxis in Bad Segeberg. Sein Talent zur Komik konnte er in der Praxis allerdings nur selten anwenden. Mitte der 60er-Jahre zog es Günter Willumeit bei einem feucht-fröhlichen Abend spontan ins Hotel "Germania" in Bad Segeberg, wo 50 Mark für die beste Büttenrede des Abends ausgelobt waren. Gefühlte 500 Kalauer später war Günter Willumeit nicht nur um das Preisgeld reicher, sondern zog auch mit einem zweiten Standbein weiter nach Hause.

Mit dem Onkel Pö zu Dr. Spaß

Weitere kleine Auftritte folgten, seine Recherche betrieb er vor allem in den dörflichen Gaststätten. Mitte der 70er-Jahre reifte auch sein Alter Ego in ihm: "Bauer Piepenbrink". Der schnodderige Treckerfahrer mit dem plattdeutschen Zungenschlag wurde schnell zur Lieblingsfigur der Willumeit-Fans. Dabei beherrschte der Komiker mehr als 50 weitere Dialekte oder Stimmen, darunter Imitationen von Theodor Heuss, Walter Ulbricht, Heinz Rühmann, Willy Millowitsch oder Theo Lingen. Bei einem Auftritt im legendären "Onkel Pö" in Hamburg wurde Willumeit entdeckt. Ein Produzent verhalf ihm zum ersten Plattenvertrag. Lange Zeit funktionierte dieses Doppelleben zwischen Bühne und Zahnarzt-Kittel.

Manchmal ist das Leben nicht komisch

1995 verkaufte Günter Willumeit seine Praxis. Nicht nur sein Rückenleiden trieb ihn zu diesem Schritt. "Auch der Tod meiner ersten Frau hat dazu beigetragen. Für wen hätte ich mich noch so abbuckeln sollen?", sagte er damals. Was viele seiner Fans nämlich nicht wussten: Seine erste Frau Heike erkrankte an Krebs, er begleitete sie bis zu ihrem Tod - nach 32 glücklichen Ehejahren. "Es gibt Schicksalsschläge im Leben, da hilft dir auch der Piepenbrink nichts. Da muss der Willumeit mit ganzem Herzen dabei sein und helfen."

Ein Tag, zwei Feiern

Nachdem er seine Praxis aufgegeben hatte, widmete sich Günter Willumeit nun immer mehr der Bühne und auch seinen TV-Auftritten. Als Kneipenwirt Lüder in "Lachen in Lüders Krug" erfreute er sich vor allem beim NDR Publikum großer Beliebtheit. Bei einem seiner Gastspiele auf der Nordseeinsel Sylt lernte er Karin kennen und lieben. Mit ihr wagte er sich noch einmal vor den Traualtar. Probleme, sich den Hochzeitstag zu merken, hatte er nicht. Die beiden heirateten an Günter Willumeits 55. Geburtstag, dem 10. Dezember 1996.

Trautes Heim mit zweiter Ehefrau

Günter Willumeit streichelt einen Porzellandackel. © picture alliance / dpa
Ob Porzellan-Dackel oder Teddybär: Bei Günter Willumeit fand fast alles ein Zuhause.

Zusammen lebten sie in ihrem Zuhause in Bad Segeberg. In dem gemütlichen Häuschen mit großem Garten gab es nicht nur immer etwas zu tun, sondern auch viel zu gucken. Denn Günter Willumeit war ein Sammler skurriler Andenken. Am Teich stand ein Kunstfrosch und speite Wasser, im Haus gab es ein Zimmer für die mehr als 600 Teddys, im Keller stand ein lederner Zahnarztstuhl - ein Geschenk von Otto Waalkes. Ein historischer Kinderschlitten diente als Hausbar. Weitere Objekte der Begierde waren Uhren, Feuerzeuge, Kopfbedeckungen und auch die über 60 karierten Westen - das Markenzeichen von "Bauer Piepenbrink" - mussten irgendwo untergebracht werden. Loslassen war ihm immer schwer gefallen.

"Sterben - das will ich noch nicht"

Im November 2008 sorgte Willumeit für einen Schock bei seiner Familie, seinen Freunden und seinen Fans. Der Komiker war bereits auf dem Flughafen von Mallorca, um den Heimweg anzutreten, als er anfing, Blut zu spucken. Der Pilot weigerte sich, seinen prominenten Gast an Bord zu lassen. Vermutlich die Lebensrettung für Günter Willumeit: In der Klinik in Palma stellte man einen Magendurchbruch fest. Auf dem Flug wäre er mit hoher Wahrscheinlichkeit innerlich verblutet. Nur sehr langsam verlief der Heilungsprozess. "Mein Leben hing an einem seidenen Faden", erinnerte sich Willumeit später. "Die Ärzte hatten meiner Frau bereits signalisiert, dass sie vermutlich als Witwe nach Hause fliegen würde."

Doch nach drei Wochen künstlichem Koma hatte sich Günter Willumeit weitestgehend erholt. Er trat den Rückflug an und kam in Deutschland in die Reha. Erst Monate später konnte er wieder auf der Bühne stehen. Seine Fans hatten ihn sehr vermisst. Ihn selbst hatte die Erfahrung demütiger werden lassen: "Ich bin dankbarer, habe eine gewisse Gelassenheit entwickelt", sagte er in einem Interview mit den "Kieler Nachrichten". "Ich liebe das Leben. Sterben will ich noch nicht, habe ich gemerkt."

Einige Jahre später holte ihn allerdings eine weitere Krankheit ein. Im Alter von 71 Jahren erlag der norddeutsche Humorist, Parodist und Entertainer Günter Willumeit am 17. Oktober 2013 einem Krebsleiden.

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 18.10.2013 | 18:45 Uhr

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