Stand: 02.01.2020 10:37 Uhr

Ernst Barlach - Visionär des 20. Jahrhunderts

Der Bildhauer, Grafiker und Dichter Ernst Barlach (1870-1938) in einer Aufnahme aus dem Jahr 1928.

Der Sieg des Geistigen über das Irdische - ein Grundmotiv im bildnerischen und dichterischen Schaffen Ernst Barlachs. Vor 150 Jahren wurde der Künstler in Wedel geboren. Seine Kunst, die zwischen Realismus und Expressionismus angesiedelt ist, verkündetet die Botschaft von der Geburt eines neuen Menschen. Neben Skulpturen aus Holz und Bronze umfasst sein Werk Druckgrafiken, Zeichnungen sowie Theaterstücke und Romane.

Barlach entdeckt seinen Stil in Russland

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Inspiration für Skulpturen wie die "Russische Bettlerin mit Schale" bekam Barlach bei seiner Russland-Reise 1906.

Geboren wird Ernst Barlach am 2. Januar 1870 in Wedel bei Hamburg als Sohn eines Arztes. In Hamburg besucht er die Allgemeine Gewerbeschule und in Dresden bis 1895 die Königliche Akademie der Bildenden Künste.

Nach Aufenthalten in Paris und Berlin bringt eine Russlandreise im Jahre 1906 die entscheidenden Anstöße für Barlachs bildhauerische Arbeit. Schon bei seinen ersten Arbeiten nach diesem künstlerischen Erlebnis, dem sitzenden "Steppenhirten", dem "Sitzenden Weib" oder der "Russischen Bettlerin", wird deutlich, dass er seinen eigenen Stil, seine eigene Form gefunden hat.

Hamburg damals: Der 150. Geburtstag von Ernst Barlach

Hamburg Journal -

Der Maler, Bildhauer und Schriftsteller Ernst Barlach wurde vor 150 Jahren in Wedel geboren. Auch Hamburg hat ihn geprägt. Noch heute erinnern einige Objekte an den Künstler.

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Den Norddeutschen zog es nach Mecklenburg

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Das Atelierhaus des Bildhauers Ernst Barlach in Güstrow. Seit 1978 werden in dem als Museum eingerichteten Haus Arbeiten Barlachs gezeigt.

1907 schließt Barlach mit dem Kunsthändler Paul Cassirer einen Vertrag ab, der ihm ein gesichertes Leben ermöglicht. 1909 geht er als Stipendiat des Deutschen Künstlerbundes nach Florenz. Neun Monate lang hält sich Barlach im dortigen deutschen Künstlerhaus auf. Zu Barlachs Hauptwerken aus seiner Italien-Zeit gehören "Der Zecher" sowie die "Sternendeuter" I und II (stehend und sitzend).

Weitere Informationen

Sondermarke und Sonderstempel zu Barlachs 150. Geburtstag

Der Künstler Ernst Barlach hat die Bildhauerszene des 20. Jahrhunderts geprägt. Zu seinem 150. Geburtstag ist in Güstrow ein Sonderstempel zur Sonderbriefmarke erhältlich. mehr

Aber der Norddeutsche fühlt sich in der Mecklenburgischen Landschaft, in Güstrow, wohler. 1910 geht er nach Güstrow, wo er 28 erfüllte, aber zuletzt auch leidvolle Jahre verbringt. Hier entstehen Holzarbeiten, wie etwa "Der Wanderer im Wind", "Lesende Klosterschüler", der "Fries der Lauschenden" und der berühmte "Schwebende Engel" - eine bronzene Skulptur, deren Erstguss verloren ist und von der heute drei Nachgüsse existieren.

Barlach schreibt auch Theaterstücke, die eine Botschaft transportieren: die Verzweiflung über die Degradierung des Menschen, das Verbannen in die Hölle des Lebens, wo Freiheit zumindest fraglich ist. Diese Stücke, etwa "Der blaue Boll", "Die gute Zeit", "Der tote Tag" oder "Der arme Vetter", erweisen sich auf der Bühne jedoch als zu sperrig, als dass sich Theater ihrer angenommen hätten.

Barlachs Darstellungen menschlichen Leids

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Der "Geistkämpfer" - die weltberühmte Skulptur von Ernst Barlach vor der Kieler Nikolaikirche.

1924 wird Barlach - inzwischen einer der etabliertesten Künstler in Deutschland - mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet. Bei der Umsetzung von Krieger-Ehrenmalen hatte er einen ganz neuen Weg beschritten: weg von der Heroisierung des Soldatentodes hin zur Darstellung von Leid, Tod und Unterdrückung. Die berühmten Ehrenmale in Hamburg, Magdeburg und Güstrow aus den 1920er-Jahren zeigen deshalb auch keine Helden, sondern leidende Menschen.

"Entartet" - Nazis entfernen Barlach-Arbeiten aus Museen

Genau das passt den erstarkenden Nationalsozialisten nicht. Anfang der 30er-Jahre beginnt für den Künstler eine schlimme Zeit. Die Werke Barlachs geraten zunehmend in die Kritik. Rechte Kreise greifen sie als "entartet" an. 1937 werden 381 seiner Arbeiten aus Museen und öffentlichen Räumen in Deutschland entfernt, darunter auch der "Schwebende Engel" aus dem Güstrower Dom und der "Geistkämpfer" in Kiel. Ernst Barlach zieht sich zunehmend zurück.

Collage mit Bildern des Künstlers Ernst Barlach  Foto: Axel Seitz

Ernst Barlach und die Nazis

NDR Info -

Sieben Tage vor Hitlers Machtantritt 1933 hält Barlach die Rundfunkrede gegen den Faschismus "Künstler zur Zeit". Eine Dokumentation des NDR vom 16.11.1986.

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Am 24. Oktober 1938 stirbt der Bildhauer, Schriftsteller und Zeichner nach einem Herzinfarkt in einer Rostocker Klinik. Die Stadt Güstrow, die sich seit 2007 offiziell Barlachstadt nennt, macht ihn 2010 posthum zum Ehrenbürger. Die Ernst Barlach Stiftung präsentiert in verschiedenen Häusern in Güstrow - etwa in der Gertrudenkapelle, im Atelierhaus und im Graphikkabinett- den künstlerischen Nachlass des Bildhauers, Graphikers und Schriftstellers.

Interview
NDR Kultur

"Barlachs Kunst ist modern und berührt"

NDR Kultur

Zum 150. Geburtstag von Ernst Barlach erscheinen seine Briefe in einer vierbändigen Ausgabe. Der Autor Ingo Schulze trägt daraus auf einer Lesereise vor - und spricht auf NDR Kultur über den Künstler. mehr

Vorschaubild für den Podcast Kultur auf NDR 1 Radio MV © ndr.de Foto: ndr.de

Kunstkaten: Ernst Barlach zum 150. Geburtstag

NDR 1 Radio MV - Kunstkaten -

"Zu jeder Kunst gehören zwei", hat der große Bildhauer Ernst Barlach einmal gesagt: "Einer der sie macht und einer der sie braucht." Wie zeitgemäß ist das Werk Barlachs heute?

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Ernst Barlach im Jahr 1934. © picture-alliance / akg Foto: akg-images

Aus der Alltäglichkeit meines Lebens in Güstrow

Ernst Barlach liest eigene Dichtungen. Eine Aufnahme der RRG Hamburg aus dem Jahr 1932.

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 02.01.2020 | 19:30 Uhr

Geschichte in Video und Audio

03:58
Hamburg Journal
02:49
NDR Fernsehen
44:01
Unsere Geschichte

Mein erstes Auto

Unsere Geschichte