Stand: 18.08.2014 10:25 Uhr Archiv

NS-Zwangsarbeit in Rüstungsfirma der Welfen

Zweite geheime Produktionsstätte der FMW entdeckt

Auch in der geheimen Produktionsstätte in Grein wurden wahrscheinlich Arbeiter eingesetzt, die für den Flugzeugbau gebraucht wurden.

Der Stollen war nicht die einzige geheime Produktionsstätte, an der die FMW der Welfen beteiligt war. Im Archiv entdeckte Sabine Loitfellner Hinweise, dass KZ-Häftlinge in eine weitere unterirdische Fabrik der Welfen geschickt wurden. Auf einer Liste des KZ-Außenlagers Grein mit Arbeitern fand sie unter anderem Elektroschweißer, aber auch einen Aeromechaniker. Für die Wissenschaftlerin ein deutlicher Hinweis darauf, dass auch in Grein an der Donau Flugzeugteile produziert wurden.

Dort betrieben die FMW ihre eigene unterirdische Produktionsstätte in einem ausgebauten Sandstollen. Die Welfen-Firma ließ Tankdeckel für die Me 262 fertigen. Wieder werden Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ausgebeutet. Wie viele es sind, ist nicht bekannt. Einer von ihnen ist der Flugzeugmechaniker Carlo Sesti, der auch schon im Werk in Wels für die FMW als Zwangsarbeiter arbeiten musste.

Die Leidensgeschichte von Carlo Sesti

Der Flugzeugmechaniker wurde als Zwangsarbeiter nach Österreich verschleppt. Dort hat er für die Welfen-Firma FMW geschuftet. 1987 hat er seine Erinnerungen zu Protokoll gegeben.

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Der Italiener hat seine Erinnerungen vor seinem Tod zu Protokoll gegeben: "Am 26. November 1944 wurde ich nach Grein geschickt. Dort auf dem Berg waren Tunnel abgebaggert worden. Dorthin waren die Arbeitsgeräte der Fabrik geschickt worden, in der ich arbeitete. Wir blieben drei bis vier Monate dort, um den Menschen aus Mauthausen - oder ich weiß nicht aus welchem anderen Lager sonst auch - beizubringen, wie man mit solchen Geräten umgeht."

Opfer kämpfen bis heute um Anerkennung und Wiedergutmachung

Allein in den Stollen von Gusen, der ausgebauten Brauerei-Lagerstätte, wurden Tausende Menschen bei den Arbeiten für die unterirdische Rüstungsproduktion getötet. Viele Opfer des Konzentrationslagers Gusen kämpfen bis heute um Anerkennung und Wiedergutmachung. Noch immer sind nicht alle entschädigt. Auch nicht die Opfer der Welfen. "Eine Firma, die hier so massiv verstrickt ist in die Rüstungsindustrie und in die NS-Zwangsarbeit, trägt natürlich auch Mitschuld an diesen Verbrechen und Ernst August als Eigentümer und als Gesellschafter der FMW hat natürlich auch hier seinen Anteil zu tragen", betont Historikerin Sabine Loitfellner.

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