Stand: 30.11.2009 14:38 Uhr  | Archiv

Das Ende der "Todesautomaten" in der DDR

Warum baut die DDR die "Todesminen" ab?

Der Abbau der Selbstschussanlagen Anfang der 80er-Jahre erfolgt zu einer Zeit, als die DDR vor dem finanziellen Ruin steht und von Krediten aus dem Westen abhängig ist. Ende Juni 1983 gewährt die Bundesrepublik der DDR eine Bundesbürgschaft für einen Kredit in Höhe von einer Milliarde D-Mark. Einige Monate später, im Oktober 1983, verkündet dann Honecker den Abbau der Selbstschussanlagen.

Ein Junktim zwischen Milliarden-Kredit und dem Aus für die Splitterminen habe es aber nicht gegeben, wie Hans-Hermann Hertle vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam meint. Franz Josef Strauß, der die Vergabe des Kredites eingefädelt hatte, habe nie davon gesprochen, dass die Bundesregierung den Abbau der Splitterminen zur Bedingung gemacht habe. "Wenn es so gewesen wäre, hätte sich Strauß ja mit dem Erfolg geschmückt", sagte Hertle im Gespräch mit NDR.de.

Bedacht auf den internationalen Ruf

Hertle verweist stattdessen auf einen anderen Zusammenhang. Die DDR sei zu dem Zeitpunkt sehr auf ihren internationalen Ruf bedacht gewesen, eben wegen der akuten Finanznot. Deshalb habe die DDR Zugeständnisse in Sachen Splittermine gemacht. Zumal Anfang Dezember 1983 für den ostdeutschen Staat eine UN-Konvention in Kraft trat, die die Anwendung von Minen gegen die Zivilbevölkerung unter allen Umständen verbietet. Für die DDR habe die Gefahr bestanden, auf internationalem Parkett weiter an Glaubwürdigkeit zu verlieren, so der Zeithistoriker.

Zahl der Opfer ist ungewiss

Die DDR vertuschte die Spuren von Fluchtversuchen, so gut es ging. Eine genaue Zahl über die DDR-Bürger, die bis Ende 1984 durch Selbstschussanlagen ums Leben kamen, gibt es nicht. Nachgewiesen sind nach Angaben der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn neun Fälle. Experten vermuten, dass die tatsächliche Zahl wesentlich höher liegt. Auch über die Gesamtzahl der Todesopfer an der Grenze von DDR und Bundesrepublik gibt es nur Schätzungen. Meist ist die Rede von mehr als 900 Toten.

Die Berliner Staatsanwaltschaft als zentrale Behörde zur Verfolgung von DDR-Regierungskriminalität ermittelt insgesamt 270 nachweisbare Todesfälle an der innerdeutschen Grenze. Davon entfallen 237 auf Schusswaffen-Gebrauch oder sonstige Gewaltakte durch Angehörige der DDR-Grenztruppen und 33 auf Detonationen von Erd- und Splitterminen.

Dieses Thema im Programm:

21.10.2009 | 19:30 Uhr

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