Sendedatum: 10.10.2010 18:45 Uhr  | Archiv

Franziska Gräfin zu Reventlow

Sie wurde 1871 in Husum geboren, genau in dem Jahr, in dem das deutsche Kaiserreich gegründet wurde. Als das Kaiserreich 1918 unterging, starb auch Franziska zu Reventlow. Dabei verkörperte sie das genaue Gegenteil von dem, wofür das Kaiserreich stand. Eine Ausstellung in Lübeck zeigt erstmalig das außergewöhnliche Leben der Künstlerin.

Franziska zu Reventlow, Atelier: Therese © Deutsches Literaturarchiv Marbach
Die Gräfin verfasste äußerst geistreiche und ironische Romane. Machte sich aber auch als Malerin einen Namen.

Die Gräfin selbst war von Gegensätzen geprägt: Als Aristokratin geboren, verließ sie ihre Familie und wurde Bohemienne. Sie war der Meinung, Frauen könnten keine Kunstwerke erschaffen. Doch sie verfasste äußerst geistreiche und ironische Romane und Aufsätze. Sie meinte, dass Frauen es gut haben sollten. Sie selbst aber wollte nicht nur Ehefrau sein, sondern zog ihre Freiheit vor - und musste selbst ihren Lebensunterhalt verdienen. "Alles möchte ich immer" - diesen Satz notiert sie in ihrem Tagebuch - ihre Wünsche waren einfach unvereinbar.

Ihre Familie

Sie war das fünfte Kind des preußischen Landrats Ludwig Graf zu Reventlow (1824-1893). Ihre Mutter Emilie, war eine geborene Gräfin zu Rantzau (1834-1905). Ihre Familie war unter anderem mit Theodor Storm befreundet, damit gehörte Fanny zum schleswig-holsteinischen Uradel, und zu den Familien, die die Geschichte des Landes und damit auch Dänemarks bestimmt haben.

Ihre Lebensstationen

Franziska Gräfin zu Reventlow wuchs in Husum auf. Auch wenn sie ihre Kindheit als düster beschrieb, hatte sie ihr ganzes Leben lang Sehnsucht nach der Nordsee. Als ihr Vater in Pension ging, zog die Familie nach Lübeck um. Fanny kam mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten in Kontakt, las viel, vor allen auch sozial-kritische Literatur. Es verfestigte sich der Wunsch, Malerin zu werden. Schließlich ging sie nach München, um ein Malstudium aufzunehmen. Dort lebte sie das Leben einer Bohemienne und wurde zum Mittelpunkt der Schwabinger Kunstszene.

Fanny zu Reventlow, nach 1892 © Otto Koch, Husum/Privatbesitz
Zu Reventlow wächst als fünftes Kind des preussischen Landrats Ludwig Graf zu Reventlow (1824-1893) in Husum auf.

Sie bekam einen Sohn, deren Vater sie jedoch nicht preisgab. In Künstlerkreisen wurde die allein erziehende Mutter verehrt. Doch ihr Leben gestaltete sich nicht einfach: Sie litt an permanentem Geldmangel, musste diverse Male umziehen, versuchte sich mit unterschiedlichen Jobs durchzuschlagen. Sie war oft krank, musste operiert werden. Außerdem erkrankte sie an Depressionen. Als Malerin konnte sie nur wenig Erfolg vorweisen, aber als Autorin machte sie sich einen Namen. Es entstanden Romane wie "Ellen Olestjerne", "Von Paul zu Pedro". Sie zog nach Ascona, später dann in die Schweiz. Weitere Romane folgten, wie "Der Geldkomplex". In der Schweiz starb Franziska zu Reventlow an den Folgen eines Fahrradunfalls.

"Alles möchte ich immer" ist der Titel einer Ausstellung die 2010/11 in Lübeck, Kiel, Husum, Berlin und München gezeigt wird. Bis zum 21.11.2010 ist die Ausstellung noch in Lübeck zu sehen.

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 10.10.2010 | 18:45 Uhr

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