Stand: 17.02.2017 11:01 Uhr  | Archiv

Leben mit dem Wasser: So schützt sich Hamburg

Querschnitt durch einen modernen Deich (Illustration) © LSBG
Schematischer Schnitt durch einen modernen Deich mit Kleimantel, Deichverteidigungsstraße und flach ansteigender Außenböschung.

Wie viel Geld gibt die Stadt für den Hochwasserschutz aus?

Müller: Das jetzige Bauprogramm hat ein Volumen von mehr als 700 Millionen Euro. Derzeit sind wir dabei, im Bereich Johannisbollwerk die Hochwasserschutzanlagen auszubauen. Für diese Baustelle brauchen wir noch bis 2018.

Welchen Schutz gibt es für die neuen Wohnviertel in der Hafencity?

Müller: Die Hafencity befindet sich vor der Deichlinie. Hier haben wir ein besonderes Schutzkonzept benutzt, das Warftenkonzept. Dabei wird alles so weit aufgehöht, dass man hochwassersicher ist. Das Leben findet also auf Deichkronenhöhe statt. Das ganze Gebiet ist ein riesiger Deich – das nennt man Warft. Vorschrift ist, dass die Häuser grundsätzlich keine Öffnungen unterhalb der Mindestschutzhöhe von 7,50 Metern über NHN haben dürfen, Ausnahmen müssen beantragt werden. Die meisten Objekte liegen heute aber deutlich über dieser Höhe auf mindestens acht Metern, weil wir die Investoren darauf hingewiesen haben, was passieren könnte.

Das Warftenkonzept ist eines von insgesamt fünf Schutzkonzepten, die es in Hamburg gibt. Ein weiteres Konzept heißt "Leben mit dem Wasser" und ist beispielsweise am Fischmarkt zu sehen. Bei Sturmfluten steht der Markt unter Wasser. Hinterher müssen Sie die Gebäude wieder reinigen und haben einen entsprechenden Aufwand, aber es ist ein relativ stabiles Konzept. Das Wohnen ist in solchen Gebieten nicht erlaubt. Dann haben wir das Konzept der Polder, das insbesondere im Hafen vollzogen ist. Das ist nichts anderes als ein Deichring, wobei es in diesem Ring sehr viele Tore und mobile Schutzelemente gibt, weil die Hafenbetriebe ja sehr beweglich hantieren müssen. Auch dort ist kein Wohnen erlaubt.

Blick auf das Sandtorkai-Quartier von den Magellan-Terrassen aus © Panther Media Foto: Carl-Jürgen Bautsch
Auch für die Wohnhäuser am Sandtorkai in der Hafencitygilt die Schutzhöhe von mindestens 7,50 Metern.

Dann haben wir das Konzept des Objektschutzes, zum Beispiel im Bezirk Altona, wo Häuser sehr nah an der Wasserkante gebaut sind. Dort haben einzelne Häuser Panzerglas oder Hochwasserschutztüren oder -tore, die verschlossen werden können. Das beste Schutzkonzept aber ist unsere 103 Kilometer lange, geschlossene Deichschutzlinie. Dort gibt es nur wenige Tore und bewegliche Elemente.

Was kann ich als Bürger selbst tun, um gut vorbereitet zu sein?

Müller: In Hamburg wird sehr viel informiert. So werden alle zwei Jahre an 205.000 Haushalte Sturmflutmerkblätter verteilt, um die Menschen, die in deichgeschützten Gebieten wohnen, aufzuklären. Sie informieren beispielsweise darüber, wo Fluchtburgen sind, welche Bereiche überschwemmt werden könnten, wo man anrufen kann und welche Warnungen es gibt, zum Beispiel Böllerschüsse. Um die Sensibilität noch weiter zu erhöhen, gibt es das sogenannte KATWARN-System. Da können sich die Bürgerinnen und Bürger anmelden. Über SMS und E-Mail erhalten sie dann eine Nachricht, dass eine Sturmflut im angegebenen Postleitzahlenbereich aufläuft.

Der Selbstschutz ist, wie in jedem Bereich des Lebens, natürlich ein wunder Punkt. Obwohl Hamburg sehr viel informiert und in der Aufklärung sehr weit ist, werden jährlich mehrere Autos aus überschwemmten Gebieten in Neumühlen, der Speicherstadt oder auf dem Fischmarkt abgeschleppt. Auch Autos von Hamburgern stehen dort.

Das Interview führte Irene Altenmüller.

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