Verpackungen der Köllnflocken aus den 1930er-Jahren © Peter Kölln GmbH & Co. KGaA

Mit Haferflocken auf (fast) jedem Frühstückstisch zu Hause

Stand: 10.11.2020 11:22 Uhr

Ob Müsli oder Haferflocken: Kölln-Produkte finden sich auf fast jedem Frühstückstisch. Seit 200 Jahren produziert die Firma in Elmshorn und ist bis heute in Familienhand.

Wohl jedem bekannt sein dürfte der Klassiker aus der Produktpalette, die "Blütenzarten Köllnflocken": Die charakteristische hellblau-dunkelblaue Verpackung mit Haferflocken hat sich seit etlichen Jahrzehnten kaum verändert.

Mit Schiffszwieback und Viehfutter fing alles an

Das Firmengelände von "Kölln" in Elmshorn auf einer Aufnahme aus den 1930er-Jahren. © imago/Arkivi
Das Unternehmen in den 1930er-Jahren. Damals wurde ein Großteil des Getreides noch per Schiff angeliefert.

Doch die Anfänge des Unternehmens Peter Kölln, das offiziell seit dem 10. November 1820 in Elmshorn Haferflocken produziert, reichen sogar bis ins späte 18. Jahrhundert zurück: Im Jahr 1795 kauft Hans Hinrich Kölln in Elmshorn eine pferdebetriebene Grützmühle und versorgt vor allem Seeleute mit Schiffszwieback. Nach seinem Tod führt zunächst seine Frau das Geschäft weiter, später übernimmt Sohn Peter. Er gründet vor 200 Jahren das heutige Unternehmen. Peter Kölln setzt auf den technischen Fortschritt und ersetzt schon bald den Pferdeantrieb durch eine Dampfmaschine. 

Per Schiff über Elbe und Krückau nach Elmshorn

Frühere Verladung von Hafer für die Produktion von Köllflocken © Peter Kölln GmbH & Co. KGaA
In früheren Tagen wurde das Getreide noch per Pferdewagen transportiert.

Der Standort des Unternehmens ist günstig: Per Schiff wird das Importgetreide über den Fluss Krückau aus dem Hamburger Hafen nach Elmshorn angeliefert, dort zu Schrot gemahlen und unter anderem als Tierfutter an die Viehzüchter in der Region geliefert. Noch bis ins 21. Jahrhundert kommt das Getreide für die Kölln-Produkte größtenteils per Binnenschiff, zeitweise besitzt das Unternehmen vier eigene Schiffe. Erst 2001 stellt Kölln endgültig auf Lkw um: Die zunehmend verschlickte Krückau ist nicht mehr schiffbar.

1938: "Blütenzarte Haferflocken" werden zur Marke

Eine Hand hgält eine Packung "Kölln"-Flocken vor einem Supermarktregal. © imago Foto: Rüdiger Wölk
Die blaue "Köllnflocken"-Verpackung ist längst ein Klassiker. Seit rund 90 Jahren hat sie sich kaum verändert.

Im 19. Jahrhundert wächst das Unternehmen, neben der Haferverarbeitung ist der Getreidegroßhandel ein Schwerpunkt des Geschäfts. Zur Marke werden die Haferflocken aus Elmshorn aber erst in den 1930er-Jahren: Peter Kölln, Ur-Enkel des Firmengründers, hat die Idee, die Flocken nicht lose, sondern fertig verpackt in kleinen Haushaltsmengen zu verkaufen. Da die Preise für lose Haferflocken reguliert sind, entwickelt er auf diese Weise ein Produkt, das sich außerhalb der festgelegten Preise verkaufen lässt. Zugleich lässt er die "Blütenzarten Köllnflocken" als Markenzeichen eintragen und schafft mit der hellblau-dunkelblauen Packung eine Markenikone.

Beliebte Sammelbilder

Auch ein Werbetrick lässt die Menschen zu Kölln-Produkten greifen: Jede Packung enthält kleine Sammelbildchen mit Märchenmotiven, besonders beliebt sind die Serien der Künstlerin Roswitha Bitterlich. Bis in die 1950er-Jahre verkauft das Unternehmen Sammelalben und unterhält eine Tauschzentrale. Die kleinen Haferflockenbilder finden noch heute Sammler.

Kölln während der NS-Zeit

Die NS-Zeit geht an dem Elmshorner Unternehmen nicht spurlos vorüber. Inhaber Peter Kölln tritt 1937 in die NSDAP ein, schon vorher ist er Mitglied des antidemokratisch gesinnten "Stahlhelm"-Bundes. Den Akten zufolge ist die NSDAP-Mitgliedschaft allerdings nicht ganz freiwillig: Zuvor war Kölln von überzeugten Nazis in seiner Belegschaft angeschwärzt worden, weil er ein Nicht-Parteimitglied befördert hatte. Man hatte ihn durch die Straßen geschleift, bespuckt und beschimpft, wenig später ließ ihn die Gestapo verhaften.

Die Parteimitgliedschaft schützt ihn später vor weiteren Angriffen. Die Firma macht zugleich gute Geschäfte - unter anderem, weil Haferflocken zur Verpflegung beim Reichsarbeitsdienst und bei der Wehrmacht gehören. Die Firma profitiert zudem von der Arbeitskraft von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. 55 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs beteiligt sich das Unternehmen am Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter.

Speiseöle erweitern die Produktpalette

Die Peter Kölln Werke in Elmshorn © Peter Kölln GmbH & Co. KGaA
Die Peter Kölln Werke in Elmshorn heute - noch immer ist das Unternehmen in Familienbesitz.

In den 1970er-Jahren wird Müsli populär - Kölln erkennt die Zeichen der Zeit und produziert erste Fertigmüslis. Sie sind bis heute wichtiger Bestandteil der Produktpalette. Diese erweitert das Unternehmen im neuen Jahrtausend kräftig und kauft 2004 mehrere bekannte Marken dazu, darunter die Speiseölhersteller Biskin und Livio. Die Speiseölmarke Mazola folgt 2014 - das Traditionsunternehmen wächst.

"Haferland": Flagshipstore in Hamburg

Friederike Driftmann will die Firma Peter Kölln in die 7. Generation führen. © NDR/Manfred Uhlig
Unternehmenserbin Friederike Driftmann soll künftig die Geschäfte leiten.

Mittlerweile setzt Kölln aber auch auf andere Vertriebswege: Im "Haferland" in der Hamburger Innenstadt zum Beispiel, dem ersten Kölln-Flagshipstore, können Kunden die Produkte kennenlernen und sich eigene Müslis zusammenstellen.

Noch immer ist Kölln in Familienbesitz, mittlerweile in siebter Generation. Die Geschäfte führt momentan noch der frühere CDU-Politiker Christian von Boetticher, in Zukunft soll Firmenerbin Friederike Driftmann die Unternehmensleitung übernehmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 10.11.2020 | 10:00 Uhr

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