Stand: 04.05.2015 11:04 Uhr  | Archiv

Der Frieden beginnt in einer Villa bei Lüneburg

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In der Möllering-Villa bei Lüneburg handeln Briten und Deutsche die Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordeuropa aus.

Am 3. Mai machen sich vier deutsche Militärs unter Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg auf nach Lüneburg: zu Vorverhandlungen über eine Teilkapitulation der im Nordwesten Europas stehenden deutschen Truppen. Das Treffen findet in der sogenannten Möllering-Villa statt. Hier hatten die britischen Einheiten der alliierten Streitmacht zum Kriegsende ihr Hauptquartier eingerichtet. Historiker Uwe Plath engagiert sich seit Jahren für die Aufarbeitung der Lüneburger Stadtgeschichte. Er sagt: "Als die deutsche Delegation unter von Friedeburg hier ankommt, ist ein erster Ansprechpartner General Miles Dempsey. Aber der Oberbefehlshaber, die entscheidende Figur, ist natürlich Feldmarschall Bernard L. Montgomery. Er war damals schon ein Mythos, er war der große Held."

Deutschland kapituliert in der Möllering-Villa

Heidehügel wird zum "Victory-Hill"

Der britische Feldmarschall Montgomery hatte mit der 8. Armee den als "Wüstenfuchs" bekannten deutschen Generalfeldmarschall Erwin Rommel und dessen deutschen Afrikakorps Ende 1942 unter anderem im ägyptischen El Alamein entscheidend geschlagen und die Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 mit vorbereitet. Nun befehligte er die auf dem Vormarsch befindlichen britischen Truppen in Norddeutschland. Sein Lager hat er wenige Kilometer östlich der Möllering-Villa am Ortsrand von Wendisch-Evern auf dem Timeloberg errichtet. Hier hat sich der eigenwillige Brite einen Wohnwagen und ein Zelt aufstellen lassen - mit Ausblick auf die alte Salzstadt. "Den Timeloberg erklärt Montgomery später zu seinem Victory-Hill", sagt Plath. "Man hätte erwarten können, dass er es komfortabler haben wolle. Aber Montgomery fand, das sei ein wunderbarer Ort, wo man ein großes historisches Ereignis stattfinden lassen kann."

Montgomery will die bedingungslose Kapitulation

Zweimal bestellt der britische Feldmarschall die Deutschen zu sich. Er macht klar, für die Briten kommt nur eine bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht infrage. Vier Tage vor der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation aller deutschen Streitkräfte im französischen Reims unterschreibt von Generaladmiral Friedeburg eine Teilkapitulation für Nordwesteuropa: Von Holland bis Skandinavien und für die gesamte nordwestdeutsche Region. "Lüneburg hat in der Tat Geschichte geschrieben. Nicht nur durch den Timeloberg, sondern auch durch diese Villa", sagt Plath.

Historiker wünscht sich Gedenkstätte

Heute ist die Möllering-Villa in Privatbesitz. Plath bedauert, dass sie langsam verfalle. Der Historiker könnte sich hier eine Gedenkstätte vorstellen. "Dann wäre vielleicht auch viel bekannter, dass der Krieg zuerst in Lüneburg zu Ende war", sagt er. Auf dem Timeloberg steht ein Gedenkstein mit der Aufschrift "Kapitulation auf dem Timeloberg. Nie wieder Krieg!" Früher soll es auch eine Gedenkplatte gegeben haben. Plath erzählt, die habe sich Montgomery aber nach England bringen lassen.

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