Stand: 07.07.2009 11:54 Uhr  | Archiv

Als das Baden im Meer Mode wurde

von Stefanie Grossmann, NDR.de

Mit dem "Aalkasten" oder Badekarren ins Meer

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Wer es sich leisten konnte, ließ sich im Badekarren von einem Reiter ins Meer ziehen.

Anfangs baden die Gäste von kleinen Badeschiffen oder Schaluppen aus, die im flachen Wasser verankert sind. Die Badewilligen werden in einen Käfig im Rumpf des Schiffes, den sogenannten Aalkasten, gesteckt und untergetaucht. Der Nachteil daran: Diese Käfige taugen nicht bei stürmischem Wetter, Badegäste werden häufig darin seekrank und allzu korpulente Personen passen nicht hinein. Die Alternative sind Badekarren, die es ab 1797 auch in Deutschland gibt. Einer der berühmtesten Badegäste auf Föhr, der dänische Dichter Hans-Christian Andersen, schreibt 1844: "Ich hatte den ganzen Tag gebadet. Es ist vergnüglich arrangiert, man kommt in ein kleines Badehäuschen hinein, und während man sich auszieht, reitet ein Knecht ein Pferd, welches das ganze Haus weit ins Meer zieht."

Um Sitte und Moral nicht zu gefährden, baden Männer und Frauen stets getrennt voneinander. Schirme oder Bretterzäune sorgen für zusätzlichen Sichtschutz, denn auf Anraten der Ärzte baden die meisten Gäste nackt.

Beschwerliche Anreise mit Kutsche, Bahn und Schiff

Die Reisewege zu den Seebädern sind voller Hindernisse. So brauchen Reisende von Hamburg nach Föhr drei Tage. Zunächst geht es per Kutsche oder Bahn nach Niebüll, dann mit der Marschbahn nach Dagebüll und anschließend weiter mit dem Schiff. Diese Schiffe sind anfangs einfache Schuten oder auch offene Segelboote. Vielen Reisenden wird bei der Überfahrt übel.

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Kräftige Helgoländer packten zu, um Badegästen 1890 aus Booten auf die Insel zu helfen.

Auch die Ankunft ist des Öfteren beschwerlich: "Das Ausbooten auf schwankenden Planken vor Helgoland gab allen den Rest. Dass vor allem die Damen von den kräftigen Helgoländern Huckepack genommen und auf starken Armen von Bord getragen wurden, machte meist nur den Zuschauern Freude", schreibt Jutta Kürtz in ihrer "Kleinen Kulturgeschichte der Sommerfrische".

Ab 1829 gibt es einen Seebäderdienst zwischen Hamburg und Helgoland. Sommerfrischler nach Föhr fahren von dort weiter mit dem Dampfschiff. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts 1847 verkehrt ein Raddampfer zwischen Husum und Wyk auf Föhr. Bis in die 1930er-Jahre sind viele Inseln autofrei.

Um die Jahrhundertwende lockern sich die Badesitten

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts herrschen in den Badeorten strenge Moralvorstellungen. Doch um die Jahrhundertwende setzen sich die Gemeinden vermehrt für die Einrichtung von Familienbädern ein. 1902 entsteht auf Norderney das erste. Voraussetzung dafür: die richtige Bademode wie undurchsichtige Anzüge mit Beinkleid - bei Frauen auch gerne mit Schößchen. Jetzt dürfen Familien endlich zusammen am Strand spielen und baden.

Sommerfrische auch für einfache Bürger

Mit fortschreitender Industrialisierung suchen immer mehr Stadtbürger Erholung in den Seebädern - oft nur für ein Wochenende, da viele noch kein Recht auf Urlaub haben. Aber der Sommerurlaub ist nicht mehr ausschließlich Privileg der Reichen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich die Verkehrsverbindungen stark verbessert. Vor allem die Bäder an der Ostsee sind gut zu erreichen und begehrt. Die konkurrierenden Seebäder an der Nordsee reagieren auf den Wandel mit einem breiten Angebot. So haben Sommerfrischler auf den nordfriesischen Inseln die Wahl zwischen dem mondänen Westerland auf Sylt, dem gutsituierten Wyk auf Föhr und dem bodenständigen Norddorf auf Amrum.

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Dieses Thema im Programm:

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