Sendedatum: 28.01.2015 00:00 Uhr  | Archiv

Stolperstein 8: "Stehend haben wir die Nacht verbracht"

VIDEO: (1 Min)

Die Zeitzeugin: Irmgard Konrad

Irmgard Konrad, geboren am 14. November 1915 in Breslau, hatte durch ihren ältesten Bruder Georg schon früh Kontakt mit der Arbeiterbewegung. Mit 14 Jahren lernte sie bei der Jugendorganisation der Sozialistischen Arbeiterpartei ihren späteren Ehemann Fritz Konrad kennen. Gemeinsam mit anderen versuchten sie schon Anfang der 30er-Jahre mit Flugblättern über den sich ausbreitenden Nationalsozialismus aufzuklären und setzten auch nach der Machtergreifung 1933 ihre Arbeit fort.
Nach mehreren Festnahmen mussten sie ab 1941 den Judenstern tragen und fortan auch Zwangsarbeit leisten. Nach erneuter Untersuchungshaft kam sie 1942 direkt nach Auschwitz und später nach Ravensbrück, um in den dortigen Siemens-Werken zu arbeiten. 1945 konnte sie auf dem Todesmarsch in einem kleinen Dorf in Mecklenburg befreit werden.
Nach dem Krieg musste sie feststellen, dass aus ihrer Familie nur ihr Bruder und ihre Schwester Helen die NS-Zeit überlebt hatten. Ihren Freund Fritz fand sie erst zwei Jahre später, 1947, in Frankreich wieder - ihr letzter Kuss lag bereits fünf Jahre zurück. Sie heirateten kurze Zeit später und gründeten eine Familie in Leipzig.

Irmgard Konrad hat Zeit ihres Lebens viel über den Nationalsozialsmus und ihre Gefangenschaft berichtet, wollte aber nie auf den Status als Überlebende reduziert werden, um auch dem Leben danach genügend Raum zu geben. Sie starb am 8. November 2003 mit 87 Jahren.

Die Künstlerin: Pia Stüvecke

Ein Beispiel aus der Fotostrecke "Meine Stadt gespiegelt" von Pia Stüvecke zeigt die Silhouette des Hamburger Wasserträgers und eines jungen Mädchens. © Pia Stüvecke
Ein Teil aus einer Fotostrecke der Künstlerin namens "Meine Stadt gespiegelt"

Veranlasst durch einen Besuch der Gedenkstätte während ihrer Schulzeit beschäftigt sich Pia Stüvecke schon seit 2007 intensiv mit dem Thema Auschwitz.
Ihr Video entwickelte sie ausgehend von einem ganz zentralen Gedanken in Irmgard Konrads Geschichte: der Hoffnung. Sie sieht die Kraft, die daraus entstehen konnte als Grund für das Überleben der Frau. Ein Lebenswille, der die Gefangene auf die Idee brachte, den Judenstern zu entfernen und die Aufseher so zu täuschen. Dieses Motiv des Hoffnungsschimmers im Dunkeln findet eine direkte visuelle Entsprechung in der sehr konzentrierten Arbeit der Künstlerin.

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Ein Screenshot aus dem Video von Ronnie Karfiol zeigt ein Bild aus der SS-Baudokumentation des KZ Auschwitz. © NDR/ Lorenz Vetter

Eine Brücke ins YouTube-Zeitalter

In einem crossmedialen Projekt haben Hamburger Design-Studenten in Zusammenarbeit mit der jungen NDR Welle N-JOY Berichte Auschwitz-Überlebender in künstlerische Videos umgesetzt. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

7 Tage | 28.01.2015 | 00:00 Uhr

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