Stand: 06.02.2009 10:36 Uhr Archiv

"Weststars" singen in der DDR

von Christin Nax

Udo Lindenberg, Peter Maffay und Roland Kaiser traten als sogenannte Weststars in der DDR auf. Auch Schlagersänger, darunter Mireille Mathieu und Nana Mouskouri, sowie die Weltstars Bob Dylan und Bruce Springsteen, gaben dort Konzerte. Die DDR-Führung stellte die Auftritte stets in einen politischen Zusammenhang und kontrollierte den Ablauf der Veranstaltungen.

Udo Lindenberg und der "Oberindianer"

Udo Lindenberg während seines Auftritts am 25. Oktober 1983 im Palast der Republik in Ost-Berlin © BStU
1983 darf Udo Lindenberg bei einer Veranstaltung in Ost-Berlin auftreten.

In den 80er-Jahren bemühte sich Udo Lindenberg vergebens um einen Auftritt in der DDR. 1983 reagiert er mit dem Lied "Sonderzug nach Pankow" auf das Verbot und singt: "Ey, Honey, ich sing' für wenig Money im Republik-Palast, wenn ihr mich lasst". Die Staatsmacht verbietet das Lied, weil der Rockmusiker Erich Honecker unter anderem als "Oberindianer" bezeichnet. Doch die Regierung kann den Sänger nicht mehr ignorieren, da die Fans in der DDR von seiner Musik begeistert sind. Am 25. Oktober 1983 passiert das Unglaubliche: Udo Lindenberg singt gemeinsam mit anderen Künstlern im "Palast der Republik" in Ost-Berlin. Unter dem Titel "Frieden für die Welt" stellt die DDR-Regierung die Veranstaltung in einen politischen Zusammenhang.

VIDEO: Tagesthemen: Udo Lindenberg in Ost-Berlin (5 Min)

Furcht vor offenen Worten

SED-Generalsekretär Erich Honecker erhält 1987 in Wuppertal von Udo Lindenberg eine Gitarre mit der Aufschrift: "Gitarren statt Knarren". © dpa/ Picture-Alliance Foto: Franz-Peter Tschauner
1987 überreicht Udo Lindenberg in Wuppertal Erich Honecker eine Gitarre mit der Aufschrift: "Gitarren statt Knarren".

Das Konzert findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und vor ausgesuchtem Publikum sowie mit ausgewählten Liedern statt. Die Veranstaltung wird nur zeitversetzt im DDR-Fernsehen übertragen, um mögliche Provokationen von Udo Lindenberg vor Ausstrahlung unter Umständen entfernen zu können. Nach dem Konzert plant Lindenberg eine Tournee durch die DDR. Doch dafür erhält der Künstler keine Erlaubnis, da er sich nach Ansicht der SED-Regierung während des Konzertes unpassend geäußert habe.

Lederjacke für "Honey"

Udo Lindenberg schickt Erich Honecker am 10. Juni 1987 anlässlich der Vorkommnisse am Brandenburger Tor einen offenen Brief und eine Lederjacke. © dpa - Bildarchiv
Udo Lindenberg schickt Erich Honecker einen offenen Brief und eine Lederjacke.

Anlässlich der Ausschreitungen in Ostberlin während der Feier zum 750. Jubiläum der Stadt schickt Lindenberg Erich Honecker 1987 eine Lederjacke und einen offenen Brief. Der SED-Chef bedankt sich mit einer Schalmei, doch das Auftrittsverbot bleibt bestehen. Im September 1987 kommt Honecker zu Besuch in die Bundesrepublik und trifft Udo Lindenberg, der ihm eine Gitarre mit der legendären Aufschrift "Gitarren statt Knarren" als Zeichen der gemeinsamen Friedensbemühungen schenkt. Aber erst nach der Maueröffnung kann sich Lindenberg seinen Wunsch erfüllen und startet eine Tournee durch die ehemalige DDR. 2006 verarbeitet der Popsänger Auszüge seiner Stasiakten zu Kunst, die er in einer Ausstellung am ehemaligen Grenzübergang "Checkpoint Charlie" zeigt. Unter anderem zeichnet er den "Sonderzug nach Pankow" und den "Palast der Republik". Auf den Bildern kann der Betrachter lesen, dass die DDR-Spitzel ihn als "Vertreter anarchistischer Grundpositionen" beschrieben.

Peter Maffay in Rostock

Peter Maffay bei seinem Konzert in der Ostberliner Werner-Seelenbinder-Halle im Jahr 1987. © dpa - Report Foto: Reinhard Kaufhold
Peter Maffay war nur zu einem Konzert in der DDR willkommen.

1986 tritt Peter Maffay erstmals in der DDR auf und begeistert die Fans in der Rostocker Stadthalle mit dem Lied "Über sieben Brücken musst du geht". Das Original stammt aus der Feder der DDR-Rockband "Karat". In einem Interview aus dem Jahre 2006 mit Eva Storrer von NDR 1 Radio MV erzählt der in Rumänien geborene Rocksänger über die Freundschaft mit dem Sänger von "Karat", Herbert Dreilich: "Daraus entstand dann auch die Absicht und der Wunsch, unsere Musik in den Osten zu tragen und zu sehen, was machen die Leute, wenn wir auf der Bühne stehen und spielen. Es war natürlich auch Neugier. Und gleichzeitig haben wir gedacht, wenn wir versteckt ein paar Inhalte und dazu sehr viele Emotionen austauschen, dann entwickelt sich eine Sprache zwischen den Zeilen. Und die schien uns sehr wichtig."

10.000 Karten für 400.000 Fans

Für das Konzert gibt es nur 10.000 Eintrittskarten, doch die Nachfrage ist groß: 400.000 Fans wollen ihn sehen. Die meisten Karten werden jedoch an Vertreter der Partei, der Massenorganisationen und der Stasi verteilt, nur wenige sind frei erhältlich. Zudem schränkt die DDR-Regierung die Auswahl der Lieder für das Konzert erheblich ein, und Peter Maffay muss sich kompromissbereit zeigen. Nach dem Konzert versucht der Sänger erneut in der DDR aufzutreten, doch als er den kritischen Liedermacher und Schriftsteller Stephan Krawczyk, der gegen seine Ausreise kämpft, unterstützt, bekommt er Auftrittsverbot.

Roland Kaiser: Zwei Konzerte in der DDR

Roland Kaiser gibt am 31. März 1989 ein Konzert in der Rostocker Kongresshalle. © dpa - Bildarchiv Foto: dpa
1989 gibt Roland Kaiser ein Konzert in der Rostocker Kongresshalle.

Roland Kaiser war der erste West-Berliner, der in der DDR auftreten durfte. Die Fans umjubelten ihn 1987 in Ost-Berlin und 1989 in Rostock bei seinen einzigen Konzerten in der DDR. Auch heute tritt der Schlagerstar noch gerne in den neuen Bundesländern auf.

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Udo Lindenberg steht bei einem Auftritt in Hamburg auf der Bühne. © picture alliance / dpa Foto: Britta Pedersen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Die Akte Lindenberg | 02.10.2013 | 00:00 Uhr

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