Stand: 30.12.2019 21:34 Uhr  - NDR 90,3

Wer war Silvester? Und warum "Guter Rutsch"?

von Daniel Kaiser

Der 31. Dezember heißt auch Silvester. Und tatsächlich gab es einst einen Herrn Silvester: einen frommen Mann, einen Papst, der vor rund 1.700 Jahren lebte. Es war eine besonders spannende Zeit: Silvester (deutsch: Waldmann) hatte die letzte große Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian überlebt, wie Gudrun Sailer von Radio Vatikan erklärt. "Vor Papst Silvester wurden die Christen verfolgt. Viele starben auch für ihren Glauben als Märtyrer. Nach Papst Silvester waren die Christen geduldet, ja sogar gern gesehen im Römischen Reich", sagt Sailer.

Papst Silvester: Legende einer wundersamen Heilung

Ein Fresco in der Silvester-Kapelle der Basilika Santi Quattro Coronati in Rom zeigt die Taufe des Kaisers Konstantin durch Papst Silvester I. © picture-alliance / akg
Nicht nur Raffael griff die Taufe Konstantins auf: Auch dieses Fresko in der Silvester-Kapelle in Rom von 1246 zeigt die Szene.

Wie es dazu kam, erzählt eine Legende: in den Hauptrollen Papst Silvester I. und Kaiser Konstantin. "Kaiser Konstantin, ein passionierter Christen-Verfolger, soll vom Aussatz (Lepra) heimgesucht worden sein", erzählt Sailer. "Davon soll Papst Silvester ihn mit Gottes Hilfe und einem einfachen Handauflegen geheilt haben. Daraufhin bekannte sich Konstantin zum Christentum und ließ den Päpsten großzügige Schenkungen zukommen."

Schwere Krankheit und wundersame Heilung - das kann sein, aber Strategie spielte wohl auch eine Rolle. Konstantin setzte machtpolitisch auf die neue Religion. Es war die Wende für das Christentum und die Weltgeschichte: die berühmte konstantinische Wende - das Christentum auf dem Weg zur Staatsreligion.

Silvester I. starb am 31. Dezember 335

"In den vatikanischen Museen, in den sogenannten Raffael-Stanzen, gibt es ein wunderbares Fresko von Raffael, das zeigt, wie Papst Silvester den Kaiser Konstantin eigenhändig tauft", erklärt Sailer. "Wahrscheinlich ist das eine erfundene Szene, aber eine sehr hübsch erfundene." Handfest sind dagegen die Lateranbasilika und der Petersdom in seiner ältesten Form. Beide Kirchen entstanden zu Silvesters Zeiten.

Der Wende-Papst starb am 31. Dezember 335 und nach katholischem Brauch wurde dieses Datum zu seinem Gedenktag. Heute ist Silvester der Schutzheilige für Haustiere und für ein gutes neues Jahr.

 "Guter Rutsch!": Könnte aus dem Jiddischen kommen

Leere Sektflasche steht auf einem Poller an den Landungsbrücken in Hamburg. © dpa - Bildfunk Foto: Daniel Bockwoldt
Mit dem jiddischen Gruß "Gut Rosch" wird ein "guter Anfang" oder ein "guter Start" gewünscht.

Ob es glatt ist oder nicht - klimaunabhängig wünscht man sich bei uns am Silvester-Tag einen guten Rutsch. Aber warum eigentlich? Mit Schlittern und Rutschen hat es wahrscheinlich nichts zu tun. Das mit dem "guten Rutsch" könnte aus dem Jiddischen - der Sprache der osteuropäischen Juden - kommen. Das jüdische Neujahrsfest heißt auf Hebräisch "Rosch ha-Schana". "Rosch" bedeutet "Kopf" oder "Anfang" und "ha-Schana" meint "Jahr". Der jiddische Gruß "Gut Rosch" heißt also nichts anderes als "guter Anfang" oder "guter Start". Das haben die Menschen, die damals kein Jiddisch verstanden, vermutlich aufgeschnappt und aus dem "Rosch" einen "Rutsch" gemacht. Das passierte häufiger bei jiddischen Redewendungen: "Hals- und Beinbruch" zum Beispiel hieß eigentlich mal "hazloche und broche", was "Glück und Segen" bedeutet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 28.12.2018 | 19:00 Uhr

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