Vor 60 Jahren: Erste "Gastarbeiter" aus Italien bei VW

Stand: 17.01.2022 17:32 Uhr

Am 17. Januar 1962, vor 60 Jahren, sind die ersten sogenannten Gastarbeiter aus Italien bei Volkswagen in Wolfsburg eingetroffen.

Das hat die Stadt im kleinen Kreis gewürdigt. Am Denkmal "L'Emigrante" (Der Auswanderer) vor dem Hauptbahnhof haben sich am Montagmittag Zeitzeuginnen und -zeugen, Vertreterinnen und Vertreter von Volkswagen und der IG Metall getroffen. Neben Oberbürgermeister Dennis Weilmann (CDU) hielten unter anderem VW-Personalchef Gunnar Kilian und Betriebsratschefin Daniela Cavallo Reden. "Deutschland war und ist schon immer durch Migration geprägt. Sie hat den Grundstein für den Erfolg unseres Landes gelegt - ob beim großen niedersächsischen Autobauer oder beim kleinen Handwerksbetrieb um die Ecke", sagte Thorsten Gröger, Bezirkschef der IG Metall in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

"Auch das kulturelle und gesellschaftliche Leben außergewöhnlich stark geprägt"

Dennis Weilmann, Oberbürgermeister von Wolfsburg, spricht während einer Pressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Ole Spata
Wolfsburgs OB Dennis Weilmann würdigte den Einsatz der italienischen Arbeitskräfte - für die Wirtschaft und für die Gesellschaft.

"Italienische Arbeitskräfte haben nicht nur dazu beigetragen, dass die Wirtschaft in Wolfsburg aufblühte", sagte OB Weilmann, "sondern auch das kulturelle und gesellschaftliche Leben außergewöhnlich stark geprägt." Auch wenn es aufgrund der Corona-Situation nicht möglich sei, den Jahrestag mit einer großen Feier zu würdigen, wolle er diesen Menschen seinen Dank und große Anerkennung aussprechen. Sie hätten sich fern ihrer Heimat in Wolfsburg ein neues Leben aufgebaut, so Weilmann. Auf dem Gelände der Designer-Outlets soll zudem eine Ausstellung einen fotografischen Blick auf die ersten italienischen "Gastarbeiter" richten.

Arbeitskräftemangel und Anwerbeabkommen

Italienische Gastarbeiter bei VW Wolfsburg © picture-alliance / dpa Foto: Hans Heckmann
1962 kam der erste Zug mit 100 italienischen Arbeitskräften in Wolfsburg an. Ende des Jahres waren es bereits 3.100 Arbeiter. (Archivbild)

Das erste deutsch-italienische Anwerbeabkommen wurde 1955 unterzeichnet. Ende 1961 gab Volkswagen bekannt, dass man "gezwungen sei, ausländische Arbeitskräfte anzuwerben", erläutert das Wolfsburger Institut für Zeitgeschichte. Als ein Grund dafür gilt, dass nach dem Mauerbau der Zuzug aus der DDR weitgehend zum Erliegen kam, wodurch sich der Arbeitskräftemangel in der Bundesrepublik verschärfte. Dem Institut zufolge arbeiteten bis Ende 1962 mehr als 3.100 Italiener im VW-Stammwerk. Insgesamt kamen mehr als 35.000 - einschließlich ihrer Familien waren es laut IG Metall rund 60.000 Menschen, die nach Wolfsburg zogen.

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Mit dem Anwerbeabkommen vom 30. Oktober 1961 fiel der Startschuss für die Migration türkischer Arbeitskräfte nach Deutschland.  mehr

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NDR Info | 17.01.2022 | 14:00 Uhr

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