Stand: 29.06.2020 06:34 Uhr  - Hamburg Journal

Hamburg Damals: 30 Jahre "Neue Flora"

Die "Neue Flora" wird 30 Jahre alt. Mit der Hamburg-Premiere von Andrew Lloyd Webbers "Das Phantom der Oper" geht es am 29. Juni 1990 los. Aktuell ist das Hamburger Musical-Theater wegen der Corona-Krise geschlossen. Ansonsten ist es heutzutage ein Erfolg. Doch das ist nicht immer so, am Anfang steht vor allem der Protest.

Seit 30 Jahren werden in der "Neuen Flora" Musicals aufgeführt. Jetzt ist es wegen der Corona-Krise gerade geschlossen.

Im Juni 1990 feiert die "Neue Flora" in der Stresemannstraße in Hamburg-Altona Eröffnung. Doch längst nicht alle feiern mit: Es gibt massiven Widerstand gegen das neue Haus, etwa 4.000 Polizistinnen und Polizisten müssen die Feierlichkeiten mit Wasserwerfern schützen. Einige der Premierengäste werden sogar von Demonstrierenden attackiert.

Aus den Protesten entsteht "Rote Flora"

Doch nicht nur die Eröffnung der "Neuen Flora" erregt Aufsehen. Für Furore sorgen auch die Musicals mit Star-Besetzung und Stücken wie "Das Phantom der Oper". Der Sänger Hardy Rudolz ist von Anfang an dabei, überzeugt jahrelang als Liebhaber: Er vertritt Peter Hofmann, den ersten Darsteller des Phantoms und singt abwechselnd beide Hauptpartien. "Für mich war das der Anfang meiner Karriere", sagt Rudolz. "Ich wurde das Hamburger Phantom und in der Presse stand später: 'Die Nummer 2 ist in Hamburg die Nummer 1'." Darauf ist er besonders stolz.

Eigentlich soll Hamburgs neue Musical-Bühne Ende der 1980er-Jahre in der Sternschanze entstehen. Doch dagegen gibt es massiven Protest, das marode Theater-Gebäude am Schulterblatt wird besetzt und so zur "Roten Flora".

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Proteste gegen die "Neue Flora"

Auch gegen den alternativen Standort in Altona klagen Anwohnerinnen und Anwohner - vergebens. In nur 22 Monaten steht der Neubau, trotz vieler Herausforderungen. "Der ganze Planungsprozess wurde von Demonstrationen begleitet", sagt Uwe Köhnholt, einer der Architekten der "Neuen Flora".

Er erinnert sich noch gut an Farbbeutelanschläge gegen den Finanzsenator. Außerdem seien Flugblätter verteilt und auch die Architekten persönlich angegriffen worden. "Wir haben jeden Abend die Pläne aus dem Büro herausgetragen, weil wir Angst vor Vandalismus hatten."

Musical-Premieren wie in New York und London

Die "Neue Flora" etabliert sich schnell als Touristenmagnet. Aus ganz Deutschland reisen Menschen mit Bussen an. Die vielen Besucherinnen und Besucher lockt vor allem die innovative Technik, wie der bewegliche Riesen-Kronleuchter und das fahrende Boot auf der Bühne bei der Aufführung "Phantom der Oper". "Wir hatten ein Premierenpublikum in großen Roben, Scheinwerfer und Prominente", sagt Nataly Bombeck, die damalige Sprecherin der "Neuen Flora". "Das war ein bisschen wie New York und London, so etwas hatten wir vorher nicht in Hamburg."

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Eine Produktion in der "Neuen Flora" ist "Liebe stirbt nie - Das Phantom kehrt zurück".

Hinter den Kulissen fertigen kreative Mitarbeiter elegante Kostüme und Requisiten, auch für Folgeproduktionen wie "Mozart" oder "Titanic". Die "Neue Flora" entwickelt sich von Musical zu Musical. Doch unternehmensintern gibt es Schwierigkeiten. 2002 übernimmt Stage Entertainment die insolvente Stella AG. Strukturell und baulich saniert, sorgen wieder vor allem grandiose Tanzszenen wie in "Dirty Dancing" für neues Publikumsinteresse.

Hardy Rudolz macht in Hamburg Karriere

Sänger Hardy Rudolz war auch bei "Dirty Dancing" dabei. "Das war für mich eine besondere Herausforderung, weil ich ein sogenannter Walk-in-Cover war, das heißt, man wird bis 13 Uhr angerufen und muss dann spielen", erzählt Rudolz. "Dummerweise hatte ich noch einen Vertrag in München. Das heißt, um 13 Uhr ging das Telefon und ich flog von München nach Hamburg, um hier auf der Bühne in einer Rolle zu stehen, von der ich nicht wusste, welche ich spiele. Denn ich musste drei Männerrollen bedienen." Doch auch das gelang Hardy Rudolz.

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Sänger Hardy Rudolz begann seine Karriere in der "Neuen Flora" - und beendete sie dort auch.

Weitere Musicals wie "Tarzan" oder "Aladdin" verfolgte er nur noch als Zuschauer, fühlt sich aber bis heute mit der Bühne verbunden. "Die 'Neue Flora' hat für meine Karriere sehr viel bewegt und in Gang gesetzt", sagt er. Und als Hanseat, Rudolz kommt aus Bergedorf, sei es natürlich traumhaft, in seiner Stadt zu Hause zu sein, zu spielen und auch Karriere zu machen und zu beenden.

Corona-bedingt ist das Musical-Theater geschlossen

Momentan warten alle darauf, dass sich in der "Neuen Flora" bald wieder die Türen öffnen. Ihr Erfolg ist unbestritten. Das Theater hat Hamburg mit zu Deutschlands Musical-Hauptstadt gemacht.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 28.06.2020 | 19:30 Uhr

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