Stand: 18.01.2017 15:51 Uhr  | Archiv

Ernst Moritz Arndt: Patriot oder Antisemit?

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Ernst Moritz Arndt wurde 1769 in Groß Schoritz auf Rügen geboren.

War Ernst Moritz Arndt als Sohn seiner Zeit ein verkanntes Genie oder doch ein Wegbereiter des Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit folgender Jahrzehnte? Seit geraumer Zeit streiten in Greifswald darüber Wissenschaftler, Studenten und Bürger, auch deshalb, weil es die Nationalsozialisten waren, die die Universität in Greifswald nach Arndt benannten. Er habe "als Student und Hochschulprofessor stets für die Freiheit, die Ehre und die Macht des Deutschen Vaterlandes an erster Front gekämpft", hieß es damals.

Nationale und antisemitische Schriften

Arndt, dessen Vater sich aus der Leibeigenschaft freigekauft hatte, studierte in Greifswald und Jena. Als Historiker, Völkerkundler, Sprach- und Naturwissenschaftler widmete er sich der Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern. Es folgten Schriften gegen Napoleon, wie etwa "Geist der Zeit". Darin beschreibt Arndt auch Wege aus der fremdherrschaftlichen Bevormundung Deutschlands.

In Arndts politischen Schriften finden sich teilweise antisemitische Töne, vor allem aber nationale. "Der Germane und die von ihm durchschwängerten und befruchteten Romanen sind die einzigen, welche den Himmelskeim durch Theologie und Philosophie zum rechten Sprießen und Blühen gebracht haben und welche die Reste der alten eingeschlafenen und wenig theilnehmenden Welt und die an- und umwohnenden Völker fremder Art als Allherrscher beleben und leiten", schreibt er in in seinem Werk "Versuch in vergleichender Völkergeschichte".

In einem seiner Briefe schreibt er, deutsches und jüdisches Blut dürften sich nicht vermischen: "[Wir) würden am Ende mit unseren Israeliten wohl fertig, da so viele durch den Übergang zum Christentum sich allmählich in unserem Volke verlieren; aber die Tausende, welche die russische Tyrannei uns nun noch wimmelnder jährlich aus Polen auf den Hals jagen wird, das ist eine sehr ernste Frage und unsere Regierung müßte gegen solche Eindränge und Einschliche viel strengere und härtere Maßregeln ergreifen, als sie thut."

Liederdichter und Vordenker der Demokratie

Doch in Arndts Werk finden sich auch skeptische Töne gegen das Deutsche. In seinen spannenden Reiseberichten, aus Schweden, Frankreich, Ungarn schildert er begeistert den Blick in fremde Kulturen. Bekannt ist Ernst Moritz Arndt auch als Liederdichter, von denen einige im Evangelischen Gesangbuch zu finden sind.

Im Jahr 1800 wird Arndt Privatdozent für Geschichte in Greifswald, verfasst Schriften über Demokratie, Bildungswesen und zahlreiche Gedichte. 1841 wurde er zum Rektor der Bonner Universität berufen, sieben Jahre später zog er als Abgeordneter der Nationalversammlung in die Frankfurter Paulskirche ein. Er stirbt am 29. Januar 1860, wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.01.2017 | 19:00 Uhr

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