Stand: 15.09.2019 11:31 Uhr

Enkelsohn auf den Spuren seiner jüdischen Familie

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Lior Oren hat acht Jahre lang nach dem Geburtshaus seiner Großmutter gesucht - nun hat er es gefunden.

Es ist ein sehr langer Weg, den Lior Oren in den vergangenen acht Jahren zurückgelegt hat, um hier in der Hamburger Wrangelstraße anzukommen. Dort steht das Geburtshaus seiner Großmutter Helga Baruch. Bisher kannte er das Haus nur von Fotografien - und nun steht er davor.

Spurensuche in Hamburg

"In diesem Wohnhaus lebte die Familie. Ein letztes Mal alle zusammen, zu fünft, glücklich. Und auch das letzte Mal frei und unbeschwert", sagt Oren und blickt auf den rot gestrichenen Altbau. "Dieses Haus hat eine Geschichte und es besteht auch noch im Hamburg von heute - in dem ich lebe. Es fällt mir schwer, mir diese dunklen Zeiten vorzustellen." Der 38-jährige IT-Entwickler hat sich daher auf Spurensuche durch die Stadt begeben.

Des IT-Entwicklers Lior Oren im Interviewgespräch.

Auf den Spuren einer jüdischen Familie in Hamburg

Hamburg Journal -

Vor der NS-Zeit lebten etwa 20.000 Juden in Hamburg. Viele wurden während des Nationalsozialismus ermordet, manche konnten fliehen - auch die Großmutter des IT-Entwicklers Lior Oren.

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Emigration nach Israel

Seit dem 16. Jahrhundert lebte Familie Baruch in Hamburg, integriert und weltlich - wie fast alle Juden aus Nordspanien und Portugal. Die Familie ist bildungsorientiert und wohlhabend. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ist der Beginn der Verfolgung und Entrechtung. Großmutter Helga, geboren 1915, entdeckt den Zionismus für sich und emigriert 1936 ins heutige Israel. Das rettet ihr das Leben.

Die Geschwister der Großmutter bleiben in Hamburg. Fast alle Dokumente dazu hat Lior Oren aus öffentlichen Archiven aufgespürt. Auch den letzten Wohnort seiner Großtante Marion und seines Urgroßvaters Georg hat er ausfindig gemacht: ein sogenanntes Judenhaus in Hamburg. Von dort wurden sie ins Konzentrationslager gebracht. Stolpersteine erinnern heute an ihr Schicksaal. Orens Großmutter kehrt in den 1950er-Jahren zurück nach Deutschland, in das Land der Täter. Sie wollte in ihre Stadt, heim nach Hamburg.

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Nach fast 80 wurden diese von den Nazis geraubten an ihren Besitzer zurückgegeben.
Geraubte Bücher zurückgegeben

Seit acht Jahren lebt nun auch Enkelsohn Lior Oren hier, mittlerweile hat er auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Und seit wenigen Tagen hat er einen ganz besonderen Schatz seiner Familie zurückerhalten. 2.000 Bücher wurden seiner Familie in der Nazizeit geraubt. 14 davon aus dem Besitz seiner Großeltern wurden in der Landesbibliothek in Stuttgart gefunden. "Auf diese Bücher hat meine Familie geschaut, wenn sie morgens vom Wohnzimmer in die Küche ging", sagt Oren. Nun werden sie ein Teil seines Lebens in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 10.09.2019 | 19:30 Uhr

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