Stand: 06.06.2016 05:00 Uhr  | Archiv

"Der Schimmelreiter" - eine urfriesische Novelle?

Mythen, Traditionen und Legenden - die schleswig-holsteinische Geschichte bietet viele Märchen. Am Sonnabend wollen Historiker in Rendsburg den Besuchern die Mythen des nördlichsten Bundeslandes näherbringen - und ihnen auf den Grund gehen. Wir stellen in einer fünfteiligen Serie einige von ihnen vor. Heute beschäftigen wir uns mit der Frage, ob "Der Schimmelreiter" wirklich ein kerniger Friese war.

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"Der Schimmelreiter" ist die berühmteste Erzählung von Theodor Storm.

1888, im Todesjahr Theodor Storms, kam sein Meisterwerk heraus: "Der Schimmelreiter". Die Novelle gilt als urfriesische Geschichte und wurde zu einem Stück Weltliteratur. Mehr Nordfriesland als im Schimmelreiter geht eigentlich nicht. Die Spielorte der "Deich-Gespenster-Sage" Storms lassen sich heute noch nördlich von Husum etwa in der Hattstedter Marsch wiedererkennen.

Orte aus Nordfriesland

Deichgraf Hauke Haien ist zwar eine erfundene Figur, doch finden sich in ihm Andeutungen und Wesenszüge bekannter Nordfriesen. Das meiste erinnert an Hans Momsen (1735-1811), einen Landwirt aus Fahretoft, der sich aber auch als Mathematiker und Mechaniker betätigte. Auch Jean-Henri Desmercieres (1687-1778) inspirierte Storm. Der gebürtige Franzose machte als Kaufmann und Banker in Kopenhagen Karriere und bedeichte die Bredstedter Bucht. In den Jahren 1741/42 ließ er den Deich des Elisabeth-Sophien-Kooges bauen. Zum ersten Mal wurden dabei die Deichprofile so flach angelegt, dass die Wellen bei Sturmflut aufliefen - und nicht mehr gegen den Deich schlugen.

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Die Menschen und die Spielorte nahm Storm damit unmittelbar aus Nordfriesland - doch die Geschichte nicht. Die begleitete sein Denken schon seit 1838. Damals hatte er bei seiner Großmutter in einer Lesemappe vom 18. April 1838 eine Geschichte aus dem "Danziger Dampfboot" gelesen. Sie wurde 50 Jahre später die Grundgeschichte des Schimmelreiters. Die Vorlage spielte jedoch nicht an der Nordsee, sondern hinter den Flussdeichen der Weichsel. Während diese Geschichte in Vergessenheit geriet, wurde die nach Nordfriesland übertragene Novelle zu einem Stück Weltliteratur.

Ehre für Deichgraf Hauke Haien

In Nordfriesland ehrte man Deichgraf Hauke Haien auf besondere Weise. Er ist die einzige fiktive Person, die zum Namensgeber für einen Koog wurde. Der 1.200 Hektar große Koog entstand von 1958 bis 1960 und bedeutete eine Wende im Küstenschutz. Bis dahin wurden neue Köge immer komplett landwirtschaftlich genutzt. Im Hauke-Haien-Koog entstanden nur 500 Hektar Ackerland. Den Rest nehmen Speicherbecken für die Binnenentwässerung ein, die schon lange auch als Schutzgebiete für Seevögel fungieren. Damit wurde mit dem Koog etwas Neues geschaffen - und das ganz im Geist des fiktiven Deichgrafen Hauke Haien. Auch in "seiner" Geschichte geht es um neuen, innovativen Küstenschutz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 06.06.2016 | 20:10 Uhr

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