Stand: 14.11.2016 22:00 Uhr  | Archiv

300. Todestag: Leibniz-Festakt in Hannover

Mit einem Festakt haben am Montag Vertreter aus Politik, Kirche und Wissenschaft des Universalgenies Gottfried Wilhelm Leibniz gedacht. Anlass war der 300. Todestag jenes Mannes, der sich nicht nur einen Namen als Mathematiker und Philosoph gemacht hatte, sondern sich auch in der Juristerei bestens auskannte. "Leibniz ist wahrscheinlich der bedeutendste Gelehrte, der jemals in Niedersachsen gewirkt hat", sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Rande der Feier in der evangelischen Neustädter Hof- und Stadtkirche in Hannovers Stadtteil Calenberger Neustadt. Dort fand Leibniz, der mehr als 40 Jahre in Hannover lebte und wirkte, seine letzte Ruhe. Zwei Studenten der Leibniz Universität Hannover legten einen Kranz nieder.

Ein Forscher für das Gemeinwohl

Grundlegend und flächendeckend habe Leibniz, der 1646 in Leipzig geboren worden war, geforscht, sagte Weil. Ohne seine Einsichten zum binären Zahlensystem aus 0 und 1 sei die heutige Computertechnik nicht denkbar gewesen. Unter den geladenen Gästen war auch Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD), der anschließend im Galeriegebäude Herrenhausen wie Ministerpräsident Weil eine Rede hielt. "Leibniz ist ein Glücksfall für unsere Stadt." Der Gelehrte habe zahlreiche Spuren in Hannover hinterlassen. Er habe seine Tätigkeit als Forscher immer für das Gemeinwohl eingesetzt.

Kehlmann hält die Festrede

Auch Erich Barke, Präsident der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft, ergriff das Wort: Leibniz sei ein ausgesprochen europäischer politischer Denker gewesen, "der zugleich weit über Europa hinausblickte." Er habe international, interkulturell und mehrsprachig geforscht. Die Festansprache an diesem 300. Todestag aber sprach der deutsch-österreichische Schriftsteller Daniel Kehlmann. Zu Beginn seiner Rede erinnerte er an das Ende von Leibniz, seinen Tod, seine schlichte Beisetzung - aber auch an das, was Leibniz zu Lebzeiten und weit darüber hinaus erreichte.

Der Weg zum Binärcode

Leibniz gilt für viele Menschen als das wohl letzte Universalgenie. Schon früh in seinem Leben interessierte sich der 1646 geborene Leibniz für Griechisch und Latein, griff in der Bibliothek seiner Eltern - sein Vater ein Jurist und Professor für Moralphilosophie, seine Mutter die Tochter eines Rechtsgelehrten - zu Büchern. Über die Jahre korrespondierte er mit den führenden Geistern seiner Zeit - etwa 15.000 Briefe sind überliefert. In einem seiner Schriftstücke, gerichtet an Herzog Rudolph August im Jahr 1697, beschrieb Leibniz eben jene Entdeckung des Binärcodes - das Rechnen mit 1 und 0, die Grundlage für den digitalen Code, die Sprache des Computers. Jahre zuvor erfand er die erste Rechenmaschine, mit der die vier Grundrechenarten möglich waren. Sie gilt als Urahn des heutigen Computers.

Hannover feiert den Gelehrten

Der Universalgelehrte habe "in Hannover sicherlich einen Wirkungsort gefunden, wo er glaubte, seine Fähigkeiten entfalten zu können", erklärte Wenchao Li, ein chinesischer Leibnizforscher und Schriftführer der Leibniz-Gesellschaft vor dem Todestag. "Leibniz hat zwei Bibliotheken geleitet, die in Hannover und später die in Wolfenbüttel. Und hier hat er auch das weltweite Netz aufgebaut." Wie groß das weltweite Interesse am Gelehrten ist, zeigte sich im Sommer beim X. Internationalen Leibniz-Kongress, zu dem 300 Gelehrte nach Hannover kamen. Doch in diesem Jahr wird nicht nur die Person Leibniz gefeiert, gewürdigt werden auch Institutionen: Die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft begeht ihren 50. Gründungstag und die Universität Hannover trägt seit zehn Jahren den Namen des Universalgelehrten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hallo Niedersachsen | 14.11.2016 | 19:30 Uhr

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