Stand: 01.10.2018 00:01 Uhr  | Archiv

Als Elvis nach Deutschland kam

von Ocke Bandixen

Elvis-Presley-Fans wissen natürlich genau Bescheid: Am 1. Oktober 1958, kam der King of Rock 'n' Roll nach Deutschland, um seinen Militärdienst abzuleisten. Für anderthalb Jahre blieb Elvis - ein Wendepunkt in vielerlei Hinsicht. Und eine immer noch kuriose Zeit.

Elvis Presley © picture alliance / united archiv
1958 trat Elvis Presley seinen Militärdienst in Deutschland an.

Gleich dreimal versicherte der King, wie glücklich er sei: endlich in Deutschland. Um 8.46 Uhr legte der Truppentransporter, die "USS General Randall", an der Columbuskaje in Bremerhaven an. Wenig später stapfte Rekrut Elvis Presley in Uniform die Gangway herunter. Schulmädchen, klassenweise, begrüßten den King. Ein Reporter von Radio Bremen wunderte sich: "Was ist denn nun so gut an Elvis?" Antwort: "Alles! Wie der sich bewegt, so vor und zurück", "Der singt das eben so, wie die Jugend das haben will", "Das bringt einen eben in Ekstase!"

Glücklich, hier zu sein

Elvis guckte, winkte. Und sang nicht. "Ich glaube, das wollen die gerade nicht", murmelte er dem Reporter zu. Macht nichts. Er war glücklich, hier zu sein. Und dann ging es weiter mit dem Zug Richtung Hessen, Zielort Friedberg. Auf den Zug hatte jemand "Wellcome to Germany, Elvis Presley" gepinselt. Welcome - peinlich, mit zwei l. Naja.

Elvis wird patriotisch, bescheiden und brav

Ein Jahr zuvor hatte Elvis Presley seinen Einberufungsbescheid bekommen. Für den aufgehenden Stern eigentlich eine Katastrophe: zwei Jahre Militärdienst? Und die Karriere? Sein Manager Colonel Parker schlug das Angebot aus, seinen Schützling wie andere Unterhalter irgendwo in einer nachrangigen Sondereinheit in den USA unterzubringen. Im Gegenteil: Er nutzte den Militärdienst, um aus dem wilden Mann, dem Jugendverderber Elvis für das konservative Amerika einen guten Jungen zu machen - patriotisch, bescheiden, brav. Sogar die Tolle musste ab.

Elvis Presley © dpa
In Deutschland diente Presley in einem Panzerbataillon.

Der Rock 'n' Roll war in dieser Zeit dem Tode nahe, so schien es: Die Zeit des Aufruhrs, des Aufbruchs - vorbei. Chuck Berry war im Knast, Little Richard ließ sich zum Priester weihen. Jerry Lee Lewis war fallen gelassen worden, weil er seine minderjährige Cousine geheiratet hatte. Buddy Holly stürzte ein Jahr später mit dem Flugzeug ab. Und Elvis diente bei einem Panzerbataillon.

Inszenierung für die Öffentlichkeit

Aber der clevere Colonel Parker schaukelte das Ding schon: Er fütterte eine hungrige Öffentlichkeit mit immer neuen Geschichten, Fotos, Begegnungen des jungen GIs Elvis. Vieles war geschönt und inszeniert. Tatsächlich wohnte Elvis erst in einem Hotel, dann in einer Villa in Bad Nauheim, gemeinsam mit Freunden, seinem Vater und seiner Großmutter. Er haute am Wochenende auf den Putz, wie sich zum Beispiel die Kessler-Zwillinge erinnern, die damals im Lido in Paris tanzten.

Elvis Presley und seine frisch angetraute Ehefrau Priscilla Beaulieu posieren nach der Trauung am 1. Mai 1967 in Las Vegas für das Hochzeitsfoto. © dpa - Bildarchiv
Am 1. Mai 1967 heiraten Priscilla und Elvis Presley in Las Vegas.

Und noch zwei Dinge traten in Elvis' Leben, die es nachhaltig änderten: Amphetamine, die er beim Militär bekam. Und Priscilla, seine spätere Frau, die damals allerdings erst 14 Jahre alt war, und deren Stiefvater ebenfalls in Deutschland stationiert war.

Abstieg oder Anfang?

Im Frühjahr 1960 kehrte der King dann zurück in die USA - und spielte jahrelang in Kinoschnulzen mit. Wild waren inzwischen andere. Begann also vor 60 Jahren sein Abstieg? Für die Mädchen am Kai in Bremerhaven fing erst alles an: Elvis, der King of Rock 'n' Roll. In Deutschland. Kaum zu glauben. "Aber von hier aus könnt ihr ihn ja gar nicht richtig sehen!", sagte der Reporter. "Ach, wenn ich nur seinen rechten Arm sehe, dann bin ich schon glücklich!"

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 01.10.2018 | 06:55 Uhr

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