Stand: 22.08.2016 14:30 Uhr

Anne Will hat nicht geheiratet

von Matthias Stelte
Bild vergrößern
Fotos von der "heimlichen Hochzeit" präsentierte die "Bild" ihren Lesern.

Für die "Bild" war es die Schlagzeile des Tages, der Aufmacher im Blatt: Anne Will hat geheiratet. Auch viele andere Medien berichteten von der "heimlichen Hochzeit". "Es ist die große Überraschung: TV-Moderatorin Anne Will hat ihre Lebensgefährtin Miriam Meckel geheiratet!" schreibt "bunte.de" - und  "stern.de" berichtet: "Heimliche Hochzeit - Ja, Anne Will"!

Allein: Es stimmt nicht. Anne Will und Miriam Meckel haben nicht geheiratet, sie haben sich verpartnert. Das ist nach wie vor ein Unterschied in Deutschland, denn die Ehe für alle gibt es in Deutschland nicht. Lesben und Schwule dürfen in Deutschland nicht heiraten. Beim Berliner "Tagesspiegel" ist man sich dessen bewusst, der titelt auf seiner Homepage: "Anne Will und Miriam Meckel haben sich verpartnert".

Bestehende Diskriminierung

Bild vergrößern
Verpartnert klingt sperriger und weniger romantisch als geheiratet - doch es ist in diesem Fall die korrekte Bezeichnung.

Es gibt zwar mittlerweile nur noch wenige Unterschiede zwischen der Ehe und einer Lebenspartnerschaft, sie betreffen vor allem das Adoptionsrecht. Der wichtigste Punkt dabei ist und bleibt aber: Homosexuelle Paare dürfen in Deutschland nicht heiraten, es ist eine bestehende Diskriminierung - und darum sollten Medien auch bei lesbischen Paaren, die sich verpartnern, dies genauso benennen. Und nicht von Hochzeit schreiben.

In Europa gibt es die Ehe für alle mittlerweile in 14 Staaten, die Niederlande waren der erste Staat, der die Ehe im Jahre 2001 öffnete. Zuletzt stimmten die Iren in einem Referendum 2015 für die Öffnung der Ehe.

Der Autor des Textes hat im März einen Mann geheiratet – in Dänemark, weil es dort die Ehe für alle gibt.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 24.08.2016 | 23:20 Uhr