Stand: 06.09.2017 22:30 Uhr

YouTube: Droht harten Inhalten das Aus?

Bild vergrößern
Die YouTube-Werbeeinnahmen von Journalist Tilo Jung sind um 80 Prozent eingebrochen.

YouTube ist eine Videoplattform, die sich über Werbung finanziert. Insofern logisch, dass sich auch die meisten YouTuber durch Werbung finanzieren - das war zumindest in der Vergangenheit so, doch das können inzwischen nicht mehr alle. Einer der bekanntesten deutschen YouTuber, LeFloid, ärgert sich darüber, dass YouTuber wie er, die auch über harte, unbequeme Themen berichten, nicht weiter unterstützt werden. Schuld sind die Richtlinien, die der Videoriese inzwischen konsequent umsetzt. In denen heißt es:

"Bei Videoinhalten rund um sensible Themen oder Ereignisse - unter anderem Krieg, politische Konflikte, Terrorismus oder Extremismus, Tod und tragische Vorfälle sowie sexueller Missbrauch - wird keine Werbung eingeblendet, auch wenn die Inhalte keine grausamen Bilder umfassen."

 

Diverse Youtube-Channels sind auf einem Bildschirm gemeinsam geschaltet.

YouTube: Droht harten Inhalten das Aus?

ZAPP -

Gestoppte Werbebuchungen von Firmen haben dazu geführt, dass YouTube nur noch Werbung in unproblematischen Videos schaltet - ein Problem für journalistische Inhalte.

4,29 bei 7 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Richtlinie gefährdet kritischen Journalismus

Seit April sorgt das harte Durchgreifen in der Szene für Unmut, da die Werbeeinnahmen vieler YouTuber in der Folge massiv eingebrochen sind. Unter #Adpocalypse und #Demonetized ließen diese ihrem Ärger freien Lauf. Grund für das harte Vorgehen YouTubes ist die Tatsache, dass einige Firmen ihre Werbebuchung auf der Plattform stoppten, da sie nicht im Umfeld von Hass- und Gewaltvideos auftauchen wollen. So weit, so nachvollziehbar. YouTube musste reagieren, um die Werbekunden nicht zu verlieren. Wenn aber nun LeFloid oder andere in ihren Channel über Terror oder andere harte Themen journalistisch berichten, bekommen sie auch keine Werbeschaltungen mehr - und somit kein Geld. Ein Problem.

Der Social-Media-Experte Felix Beilharz sieht in dieser Entwicklung eine Gefahr: Harte Inhalte würden zunehmend von der Plattform verschwinden. "Dieser Schritt ist durchaus kritisch zu betrachten. Das kann schon heißen, dass nur noch spaßige Inhalte hochgeladen werden. Katzenvideos, statt Videos mit kritischen Inhalten", erklärt er im Interview mit ZAPP.

YouTuber mit Einbruch der Werbeeinnahmen um 80 Prozent

Auch Tilo Jung, YouTuber mit politischer Mission, verdient kaum noch Geld durch Werbung bei YouTube. "Wir hatten gerade einen erfolgreichen Monat, doppelt so viele Views wie sonst - und gleichzeitig sind unsere Werbeeinnahmen um 80 Prozent zurückgegangen." Der Journalist stellt Politikern und Pressesprechern unbequeme und ungewöhnliche Fragen. "Das ist unser Job. Die Realität zu beschreiben. Und die Realität ist halt: Das ist Terrorismus. Und Krieg und Bomben. Das gibt es: Bomben und Krieg in der Welt. Und wenn YouTube die Realität als werbeunfreundlich ansieht, dann sieht die Realität für YouTube vielleicht bald schlimm aus."

Die Umsetzung der neuen Richtlinien mag eine gute Nachricht für Werbetreibende sein, sie ist aber eine schlechte für den Journalismus.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 06.09.2017 | 23:20 Uhr