Stand: 05.04.2017 14:17 Uhr

Wirbel um Hayalis "Junge Freiheit"-Interview

von Caroline Schmidt
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Dunja Hayali gewann die Goldene Kamera 2016 in der Kategorie "Beste Information" - und hielt eine emotionale Rede gegen Hass und Rassismus.

ZDF-Reporterin Dunja Hayali sucht den Dialog. Dafür steht sie, dafür bekommt sie viel Anerkennung. Sie hat mit Pegidisten und AfD-Anhängern in Erfurt und Dresden gesprochen, sie hat sich mit Wutbürgern getroffen, die ihr Hassmails geschrieben haben. Hayali will verstehen. Sie will begreifen, was die Menschen bewegt. Sie will Fragen stellen, denn die Antworten könnten das Land weiter bringen. Dafür ist sie im Februar 2016 mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet worden. Das hat Begeisterung in großen Teilen der Branche ausgelöst, ebenso wie ihr letzter Schritt nun für viel Unverständnis gesorgt hat: Das Interview mit der "Jungen Freiheit". Das Blatt hob Hayali mit einem großen Foto und der Zeile "Wir müssen reden" auf den Titel.

Eine Ausgabe der Zeitung "Junge Freiheit"

Wirbel um Hayalis "Junge Freiheit"-Interview

ZAPP -

"ZDF Morgenmagazin"-Moderatorin Dunja Hayali geht offen auf Kritiker zu, sucht den Dialog. Darf sie auch der "Jungen Freiheit" ein Interview geben? Die Meinungen gehen auseinander.

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Über 1.000 Kommentare auf Hayalis Facebook-Post

Ein Shitstorm brach los. Und selbst glühende Hayali-Fans fragten sich im Netz und in den Redaktionen, wie sie das tun konnte. Durfte Dunja Hayali der "Jungen Freiheit" ein Interview geben? Einer Zeitung, die einen rechtsradikalen, ja rechtsextremistischen Ruf hat? Hayali selbst hat sich auf Twitter und Facebook dazu geäußert, möchte zu ihrem Interview kein weiteres Interview geben.

Streitgespräch zwischen Prantl und Fleischhauer

ZAPP hat nun diese Fragen zwei prominenten Journalisten gestellt, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Heribert Prantl und Jan Fleischhauer.

Heribert Prantl ist Innenpolitikchef der "Süddeutschen Zeitung" und bekannt für seinen klaren liberalen Kurs. Er sagt, das Interview war ein Fehler. "Jemand, der sich eigentlich nicht unbedingt Rechtsaußen beheimatet fühlt und normalerweise ja nicht das Blatt lesen würde, sieht: 'Da geben ja ganz ordentliche Menschen, die ich mag, ein Interview. So ein Rechtsaußen-Blatt kann es nicht sein.' Ich ebne dem Blatt, das ich ablehne, dessen Inhalte ich für heikel halte, einen Weg zu einer neuen Leserschaft. Und das will ich nicht", so Prantl.

Fehler vs. kein Fehler

Jan Fleischhauer, der jede Woche in seiner Kolumne "Der schwarze Kanal" im "Spiegel" das Zeitgeschehen in provozierend konservativer Weise kommentiert, ist da anderer Meinung: "Ich bin kein Politiker. Ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich das Geschäft der 'Jungen Freiheit' befördere, ob ich deren Auflagenzahlen in die Höhe treibe. Die machen ihr Ding. Die fragen mich, ich gebe denen eine Antwort."

Es ist ein Streitgespräch zwischen zwei Journalisten, die nicht nur konträre Auffassungen bezüglich des Interviews haben. Es zeigen sich hier auch zwei unterschiedliche Haltungen und Selbstverständnisse - und hinter allem steht die Frage: Wie politisch sollte eine Journalist heute sein?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Was halten Sie von dem Schritt Dunja Hayalis, der "Jungen Freiheit" ein Interview zu geben - war er richtig oder falsch? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in die Kommentare.

 

Weitere Informationen
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Link

Goldene Kamera: Hayalis Dankesrede

Dunja Hayalis emotionale Dankesrede bei der "Goldenen Kamera". extern

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 05.04.2017 | 23:20 Uhr