Stand: 30.08.2017 21:00 Uhr

Weinert-Brothers: "New Journalism"

von Sugárka Sielaff
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Die Weinert-Brüder versuchen, mit ihren Dokus junge Menschen für harte Themen zu begeistern.

Sie fotografierten schon in den Slums von Manila, gerieten in Gefechte der Rebellen im Ost-Kongo und filmten verdeckt in illegalen Bordellen: Dennis und Patrick Weinert, beide Anfang Zwanzig. Eine journalistische Ausbildung haben sie nie gemacht. "Als Kinder hatten wir schon immer eine gewisse Abenteuerlust, die wir ausleben wollten", sagt Patrick Weinert. "Und als wir uns dann selbstständig gemacht haben, dachten wir, lass uns doch einfach mal etwas Dokumentarisches ausprobieren."  

Dennis (rechts) und Patrick Weinert.

Weinert-Brothers: "New Journalism"

ZAPP -

Dennis und Patrick Weinert sind Anfang Zwanzig. Eine journalistische Ausbildung haben sie nie gemacht, doch sie wagen sich an große Doku-Geschichten. Mit Erfolg.

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Doku im afrikanischen Kriegsgebiet

Ihre Abenteuerlust führte sie 2014 in den Ost-Kongo. Kaum eine Redaktion schickt dort Journalisten hin. Zu gefährlich. Denn die Lage ist unübersichtlich: Etwa 50 verschiedene Rebellengruppen kämpfen dort. Während die Brüder in einem Rebellendorf waren, gab es dann plötzlich eine Offensive der kongolesischen Armee. "Da wurde wirklich ordentlich gekämpft. Das war etwas total Neues für uns und hat uns auch noch einmal verdeutlicht, dass dort wirklich Krieg herrscht", erinnert sich Patrick Weinert.

Harte Themen statt seichte Kost

Ihre Filme werden im Internet tausendfach geklickt - gerade von jungen Menschen. Mit ihrer Art zu berichten, versuchen sie Jugendliche für schwerverdauliche Themen zu begeistern, wie den andauernden Krieg im Kongo, Zwangsprostitution oder die Diskriminierung von Homosexuellen in Indien.

Der Zuschauer ist immer unmittelbar dabei, kann ihnen beim Recherchieren zuschauen, auch wenn die Aufnahmen einmal nicht klappen. "Das kann doch nicht sein", wütet Dennis Weinert in einer Szene. "Wir riskieren unser Leben für diesen Dreck und dann funktioniert das nicht." Da sind sie in Dubai. Ihre Speicherkarte ist kaputt gegangen und sie müssen noch einmal verdeckt im Bordell filmen.

"Journalismus ist ein Stück weit Entertainment"

Es sind diese Pannen, dieses Mitfiebern, die ihre Filme spannend machen. "Gerade in den Zeiten von sozialen Medien ist Journalismus auch ein Stück weit Entertainment. Da erreicht man auf jeden Fall viel mehr Leute, als wenn man einfach nur Fakten rausballert, das interessiert dann keine Sau", sagt Patrick Weinert. Einen Teil ihrer Einnahmen spenden sie an Hilfsorganisationen, die sie bei ihren Reisen kennen lernen.

Journalist oder Aktivist?

Mit der Unterscheidung "Journalist oder Aktivist" können sie wenig anfangen. "Zumindest als sozial-dokumentarischer Journalist kann man nicht nicht Aktivist sein", findet Dennis Weinert. "Allein schon dadurch, dass ich mit dem Finger auf ein Thema zeige, dass ich mir das Thema aussuche. Das ist schon der Akt. Da habe ich schon angefangen, in dem Moment. Von daher muss man sich von diesem Konstrukt frei sprechen: Ich bin hier nur zum Angucken. Ich bin hier nur, um objektiv zu dokumentieren. Das existiert nicht. Wir sind vielleicht nur die Generation, die das eher zugibt."

Selbstbewusst sind sie und durchaus erfolgreich. Inzwischen zeigt beispielsweise auch funk, der Jugendkanal von ARD und ZDF, ihre Filme. Schon bald wollen sie zur nächsten Reise aufbrechen. Ihr nächstes Ziel ist Vorderasien.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 30.08.2017 | 23:20 Uhr