Stand: 20.01.2015 16:36 Uhr

USA: Investigative Journalisten unter Verdacht

Bild vergrößern
Der US-Gefreite Bradley Manning (inzwischen Chelsea Manning) informierte die Öffentlichkeit über Kriegsverbrechen - wurde aber wegen Weitergabe von US-Geheimdokumenten zu 35 Jahren Haft verurteilt.

Die Aufdeckung der Watergate-Affäre durch Journalisten war nur durch einen Whistleblower möglich und führte 1974 zum Rücktritt von Richard Nixon. Die Motive des Whistleblower von damals, FBI-Agent Mark Felt, wurden auch in den USA als patriotisch und moralisch anerkannt. Nun hat sich die Uhr zurück gedreht. Gegen unbequeme Journalisten und ihre Whistleblower wird Jagd gemacht - mit einem Gesetz.

Newsroom einer großen Zeitungsredaktion. © NDR

USA: Investigative Journalisten unter Verdacht

ZAPP -

Vier Jahrzehnte nach "Deep Throat": Investigative Journalisten in den USA versiegen nach und nach die Quellen. Verfolgung und Überwachung behindern ihre Arbeit.

4,91 bei 33 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Aggressive Informationskontrolle

Links
Link

"Die Heldin kommt frei"

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet über die Freilassung von Chelsea Manning. extern

Gegen Whistleblower wird das härteste Gesetz angewandt, das man gegen einen US-Bürger anwenden kann: Spionage. Keine Regierung seit Richard Nixon bemühe sich so aggressiv um "Informationskontrolle" wie die Obama-Regierung, kritisiert der Verband "Comittee to Protect Journalists". An Whistleblowern wurden Exempel statuiert und harte Urteile gegen sie vollstreckt. So verbüßt Chelsea Manning (früher Bradley Manning) 35 Jahre Haft für die Weitergabe von Informationen, darunter das unter dem Titel "Collateral Murder" bekannt gewordene Video. Es zeigt die Bilder der Bordkamera eines US-Militärhubschraubers im Irak. Piloten schießen auf eine Gruppe Männer. Mehrere Menschen werden getötet, darunter ein Journalist und sein Assistent, beide Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

Zurück zu Notizzetteln und Bleistift?

Bild vergrößern
Der Sitz des britischen Geheimdienstes GCHQ (Government Communications Headquarters) in Cheltenham.

Edward Snowden gilt als Staatsfeind Nummer eins und seine Enthüllungen erschüttern nach wie vor den Glauben an die Moral der Geheimdienste. Gerade erst veröffentlichte der Guardian eine Geschichte darüber, dass der britische Geheimdienst GCHQ E-Mails von Journalisten bei der "BBC", "Reuters", dem "Guardian", "The Sun", aber auch der "New York Times", "Washington Post", "Le Monde" und "NBC" im Jahr 2008 abgefangen hat. Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass investigative Journalisten neben Terroristen und Hackern als Sicherheitsrisiko angesehen werden. Die Überwachung durch die Dienste, die Sorge vor abgehörten und georteten Telefonen führt zu einer Rückbesinnung auf Methoden, die Journalisten schon zur Aufdeckung der Watergate-Affäre gebrauchten: geheime Treffen ohne Telefon - mit Notizzettel und Bleistift. Eine Zeitreise zurück aus Angst.

Interviews und weitere Informationen
mit Video

US-Angriff - Ein Video und seine Wirkung

07.04.2010 23:05 Uhr

Fast alle Medien berichten über den US-Angriff auf zwei Journalisten vor drei Jahren. Das Wikileaks-Video scheint wie gemacht fürs Fernsehen. Dennoch haben die Redaktionen zunächst gezögert, die Bilder zu veröffentlichen. mehr

mit Video

Wikileaks: Todesschützen frei, Enthüller in Haft

10.02.2011 23:00 Uhr
Das Erste: Panorama

Bradley Manning, der mutmaßliche Wikileaks-Whistleblower, sitzt mittlerweile seit sieben Monaten in Einzelhaft. Panorama fragt: Wer hat wirklich Schuld auf sich geladen? mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 21.01.2015 | 23:20 Uhr