Stand: 06.05.2020 19:32 Uhr

TV-Millionen für das Fußballgeschäft

von Sebastian Asmus, Andrea Brack Peña

Die Fußball-Bundesliga darf wieder starten, das haben Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch entschieden. Die Fußball-Lobby hat es geschafft. Allen voran Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga DFL. Er war demütig gegenüber der Politik und hat gekämpft für Vereine und Fans - oder doch eher um das Geld der TV-Sender? Für die Antwort auf diese Frage braucht Spiegel-Sportjournalist Peter Ahrens keine drei Sekunden: "Das ist natürlich für das Geld. Da macht auch die DFL mittlerweile keinen Hehl mehr draus. Es geht darum, das Geschäftsmodell zu retten." Ein Geschäftsmodell, dass sich bis zur Krise gut rentiert hat. Die Sender zahlen Millionen für die TV-Übertragungsrechte, die Vereine profitieren davon, um etwa die hohen Transfersummen für neue Spieler zu zahlen.   

TV-Millionen für das Fußballgeschäft

ZAPP -

Der Fußball darf wieder rollen. Die Vereine sind gerettet, sie können weiter mit Millionen-Einnahmen aus den TV-Rechten rechnen. Was heißt das aber für Sport und Fans?

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Sicherheitskonzept mit Schwachstellen

Der Weg zurück auf den Rasen wurde von der DFL genau geplant. Mit dem eigenen Sicherheits- und Hygiene-Konzept hat die Liga wohl die Politik überzeugt. Die Spiele sollen ohne Zuschauer - also ohne die Fans - stattfinden. Maximal 300 Personen dürfen sich im Stadion aufhalten. Spieler und Mannschaftsbetreuer sollen regelmäßig auf Corona getestet werden. Im Falle eines positiven Ergebnisses sollen aber nur einzelne Spieler in Quarantäne und nicht die ganze Mannschaft. Ein Konzept mit Schwachstellen. Schon vor der Entscheidung wurden zehn Spieler positiv auf Corona getestet. Auch ein Video von Herthas Stürmer Salomon Kalou offenbarte: So genau nehmen es die Profis mit den Regeln nicht. Kalou streamte live auf Facebook, wie er in die Kabine kommt, wo Abstandsregeln offensichtlich nicht gelten, und er Mitspieler per Handschlag begrüßt. Ahrens spricht von einem "Pokerspiel", einem "Experiment unter freiem Himmel".

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Rechte-Kampf um Free-TV-Übertragung

Ein Experiment wollen auch einige Politiker und Fußballmanager wagen, wenn es um die Übertragung der Spiele geht. Sie fordern: Bundesliga im Free-TV. Auch um gemeinsames Fußballgucken bei Sky-Abonnenten und damit eine weitere Verbreitung des Corona-Virus zu vermeiden. Die Rechte für die Live-Übertragung liegen allerdings bei den Pay-TV Sendern Sky, das 900 Millionen dafür gezahlt hat und DAZN, das ein Rechte-Paket im Wert von 40 Millionen Euro von Eurosport erworben hat. Die Zahlen sind nicht offiziell, werden aber auch nicht dementiert.

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Für Gespräche offen: Axel Balkausky.

Ist es für die Öffentlich-Rechtlichen realistisch, die letzten Spiele der Saison ins Free-TV zu holen? ARD-Sportchef Axel Balkausky ist für Gespräche mit der DFL, Sky und DAZN bereit. Die größte Hürde dürfte die Finanzierung sein. "Wir sind für Ideen offen, wie man Spiele öffentlich machen kann, ohne dass wir jetzt glauben, dass wir große Flächen live spielen können." Peter Ahrens sieht darin eine Chance für die Öffentlich-Rechtlichen, aber auch für die Pay-TV-Anbieter:  "Da sollten sowohl Sky als auch ARD und ZDF über ihren Schatten springen und sagen: Wir geben uns jetzt mal fünf Wochen als diejenigen, die so ein bisschen die Wohltäter fürs Fußball-Fernsehvolk sein könnten. Ich glaube, dass es in der Öffentlichkeit gut ankommen würde."

Unbeliebte Geisterspiele

Die Geisterspiele dürften allerdings bei den Fans auf wenig Begeisterung stoßen. Das Fußball-Geschäft ist zwar gerettet - doch um welchen Preis? "In den nächsten Wochen wird man sehen, was das für eine freudlose Angelegenheit ohne Fans wird", fürchtet Sportjournalist Peter Ahrens. "Viele werden dann sagen: Dieses Produkt soll ich mir anschauen, was so stimmungslos ist, wo man jedes Kommando hört? Da wird natürlich auch das Produkt Fußball entwertet, weil es sich entzaubert."

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 06.05.2020 | 23:20 Uhr