Stand: 08.03.2017 16:38 Uhr

Syrien: Journalisten auf Fahndungsliste

von Volkmar Kabisch und Amir Musawy
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Auf der geheimen Fahndungsliste des Assad-Regimes stehen über 500 Deutsche, darunter Politiker, Wissenschaftler und Journalisten.

Seit 2011 herrscht in Syrien Bürgerkrieg. Spätestens seit dem gilt: Wer nicht für Assad ist, landet schnell auf einer geheimen Fahndungsdatei, so wie Hunderte Deutsche. In einer Datenbank, die der NDR gemeinsam mit der syrischen Oppositionsplattform Zaman al-Wasl ausgewertet hat, werden Politiker, Wissenschaftler und Journalisten gelistet. Für sie hat das Regime einen Beobachtungsvermerk angelegt, eine Einreisesperre oder gar Haftbefehle erlassen. Der überwiegende Teil der Einträge stammt von den diversen Geheimdiensten des Landes.

Formular mit dem Text: Entry ban.

Syrien: Journalisten auf Fahndungsliste

ZAPP -

Über 500 Deutsche befinden sich auf einer geheimen, syrischen Fahndungsliste, darunter viele Journalisten. Offensichtlich sollen so kritische Stimmen mundtot gemacht werden.

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Journalisten im Fokus

Besonderes Augenmerk legen die Geheimdienste des Assad-Regimes auf Journalisten. So wurden im Jahr 2013 gegen den Schweizer Journalist Kurt Pelda, der auch mehrfach für die ARD aus dem Bürgerkriegsland Syrien berichtete, gleich zwei Haftbefehle erlassen. Der "Arrest Warrant" wurde der Liste zufolge vom syrischen Militärgeheimdienst ausgestellt, der für unzählige Menschenrechtsverbrechen verantwortlich gemacht wird und eigene Gefängnisse im Land unterhält.

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"Das zeigt das Gesicht oder besser gesagt die Fratze dieses Regimes. Das ist ein brutales, totalitäres Regime. Das zeigen diese Papiere ganz eindeutig. So viele Journalisten, die ja niemandem weh tun. Das sind ja keine Verbrecher. Die findet man auf dieser Liste und die sollen festgenommen werden oder dürfen nicht mehr ins Land", sagte Pelda in einer ersten Reaktion auf die Fahndungsdatei gegenüber dem NDR.

Auch Marcel Mettelsiefen, der für den Oscar nominiert war ("Watani - My Homeland"), steht auf der Liste und wurde mit einem "Entry Ban" belegt - er darf nicht mehr nach Syrien einreisen. Kritische Journalisten sollten auf diese Weise ferngehalten werden, glaubt Mettelsiefen. Dies bedeute, dass "die einzigen Bilder, die noch herauskommen, die Bilder sind, die auch rauskommen sollen. Und zwar politisch gefärbte Bilder."

Riesige Datenbank mit 1,6 Millionen Einträge

Insgesamt umfasst die Datenbank rund 1,6 Millionen Einträge mit Personen aus 152 Nationen. Es gibt Einträge zu vielen deutschen Journalisten wie zum Beispiel Wolfgang Bauer von der Wochenzeitung "Die Zeit" oder Daniel Gerlach, dem Chefredakteur der Zeitschrift "Zenith". Dem Investigativ-Ressort des NDR liegen die Listen der deutschen, britischen und französischen Staatsangehörigen vor. Die syrische Regierung will sich zu der Datenbank gegenüber ZAPP nicht äußern. Sie ließ eine Bitte um Stellungnahme unbeantwortet. Über den Inhalt der Liste berichtet ZAPP am Mittwoch, 8. März, um 23.15 Uhr im NDR Fernsehen.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 08.03.2017 | 23:15 Uhr