Stand: 31.01.2018 12:29 Uhr

Schweiz: Privatfernsehmacher für öffentlichen Rundfunk

von Ben Bolz und Caroline Schmidt

Der bekannte Schweizer Moderator Roger Schawinski kämpft seit Monaten einen für einen privaten Medienunternehmer ungewöhnlichen Kampf: Er setzt sich ein für den öffentlichen Rundfunk in der Schweiz. Er hat deswegen sogar ein Buch geschrieben - eine Streitschrift. 176 Seiten, warum die Schweizerinnen und Schweizer die Rundfunkgebühren bei der Volksabstimmung Anfang März keinesfalls abschaffen dürfen. Warum die Medien diese Gebühren brauchen - nicht nur die öffentlichen, sondern auch die privaten. Und warum die Demokratie eben diese alten Schweizer Medien dringend braucht.

Roger Schawinski © NDR Foto: Screenshot

Schweiz: Ex-Sat.1-Chef für öffentlichen Rundfunk

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Einer der härtesten Kritiker des öffentlichen Rundfunks setzt sich nun für ihn ein: Die Demokratie in der Schweiz braucht diese alten Medien, sagt Roger Schawinski in seinem Buch.

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Medienmacht begrenzen, nicht Gebühren komplett abschaffen

Dabei gilt Schawinski in der Schweiz als einer der härtesten Kritiker des öffentlichen Rundfunks. Er hat das dortige Privatradio erfunden und mit Tele Züri den ersten privaten Fernsehsender in der Schweiz gegründet. "Ich war immer der Meinung, Monopole sind etwas Negatives, vor allem im Medienbereich. Sie machen träge und nicht effizient. Niemand würde denken, es sollte nur eine Zeitung in der Schweiz geben. Wieso sollte es dann nur ein Fernsehen geben oder ein Radio?", sagt Schawinski.

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Schawinski wollte die Medienmacht der Öffentlichen immer begrenzen - aber nie die Gebühren komplett abschaffen. Denn so würde nicht nur der öffentliche Rundfunk wegfallen. Auch die privaten Medien bekämen massive Probleme, die meisten müssten ihre Arbeit einstellen, meint Schawinski. Der Schweizer Markt ist viel zu klein - allein durch Werbeeinnahmen kann sich hier fast kein Medium finanzieren.

Einige Privatsender bekommen daher ebenfalls Mittel aus dem Gebührentopf. Zumal, wenn sie vor allem Nachrichten senden und Dokumentationen, die man auch nicht über Bezahlschranken finanzieren kann. Wer etwas anderes behauptet, der irrt, so Schawinski: "Pay TV funktioniert weltweit nur in drei Bereichen, nämlich Film, Sport, und Porno. Und sicher nicht bei Information. Das heißt die Leute, die darüber reden, haben sich überhaupt keine Gedanken gemacht. Sie schwatzen einfach daher."

"Russisches Roulette mit dem Mediensystem"

Schawinskis Befürchtung: Wenn die Rundfunkgebühren wegfallen, werden sich nur noch die großen, ausländischen Medienkonzerne halten können. Aber werden die überhaupt noch politische Sendungen für die Schweiz anbieten? Nachrichten? Hintergrundberichte aus dem Parlament? Investigative Stücke über Missstände in der Wirtschaft? Schawinski fragt sich, wie unter diesen Umständen die Schweizer Demokratie noch funktionieren soll, die Meinungsbildung.

Nach aktuellen Umfragen wollen 60 Prozent der Bürger die Rundfunkgebühren erhalten. Klingt einigermaßen beruhigend, doch noch sind es viereinhalb Wochen bis zum Abstimmungsende. Viel Zeit, in der sich die Stimmung jederzeit drehen kann. Schawinski weiß das. Er ärgert sich, dass es diesen Entscheid überhaupt gibt: "Das ist russisches Roulette mit dem Mediensystem. Weil man ja nie weiß - vielleicht gibt es drei Tage vor der Abstimmung noch eine tolle Skandalgeschichte, und dann geht es nachher noch in die andere Richtung."

 

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