Stand: 21.09.2016 21:00 Uhr

Prügelei in Bautzen: Wer trägt die Schuld?

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Wer provoziert wen? Rechte und Asylsuchende sind in Bautzen aneinander geraten.

"Rechte und Asylbewerber prügeln sich in Bautzen", titelt "Die Zeit". "Straßenschlacht zwischen Neonazis und Flüchtlingen", heißt es in der "Bild". 80 Personen des rechten Spektrums und 20 Flüchtlinge sind in der vergangenen Woche in Bautzen aufeinander losgegangen. Die Bilder aus der ostdeutschen Stadt haben die Republik aufgeschreckt. Wie konnte es dazu kommen?

Eine Handyaufnahme wie ein Mädchen einem Flüchtling verprügelt.

Prügelei in Bautzen: Wer trägt die Schuld?

ZAPP -

Flüchtlinge und Rechte haben sich in Bautzen geprügelt ¿ wer hat wen provoziert und trägt die Schuld? Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten.

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Schuldfrage wird anfangs den Flüchtlingen zugeschoben

In der Pressekonferenz der Polizei wird gesagt, die Flüchtlinge haben an dem Abend den Streit provoziert. "Die UMAs, von denen Steine als auch Bierflaschen in Richtung dieser Gruppierung geworfen wurden, wurden von der anderen Seite dann natürlich auch verbal attackiert und man hat versucht, sich dieser UMAs zu bemächtigen", so Polizeisprecher Uwe Kilz. UMA, das steht in der Polizeisprache als Abkürzung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Mit anderen Worten: Die Flüchtlinge haben angefangen.

Und diese Lesart findet sich dann in der Berichterstattung von Online-Medien wieder: "Gewalt ging von alkoholisierten Asylbewerbern aus" ("Die Zeit"), "Flüchtlinge griffen Rechte zuerst an" ("SZ"). Allerdings ist auf der Pressekonferenz auch die Rede von Deutschen, die "relativ eventbetont" in der Stadt unterwegs gewesen seien. Alkoholisierte rechte Provokateure?

Polizeichef Uwe Kilz spricht in der Pressekonferenz nicht ein Mal von Neonazis oder einem rechten Spektrum, als gäbe es solche Gruppen in Bautzen nicht. In der Pressekonferenz nach der Vorgeschichte befragt, lenkt der Polizeichef die Aufmerksamkeit wieder auf die Flüchtlinge: "... aus dem Bereich der UMAs gab es an diesem 9. November Tätlichkeiten."

Vorfall auch Schuld rechter Provokateure?

Dass die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge in Bautzen nie willkommen waren, wird medial zuerst nicht eingeordnet. Berichte über die Vorgeschichte kommen später. Es gab schon Bürger-Proteste, bevor die jugendlichen Flüchtlinge in Bautzen ankamen. Die NPD in Bautzen agitierte entsprechend.

Sophia Delan, Sozialarbeiterin, die sich in der Initiative "Bautzen bleibt bunt" engagiert, kritisiert an der Polizei-Pressekonferenz, dass dort nicht alles auf den Tisch gelegt worden sei: "Man hätte klar sagen müssen, Bautzen hat ein Problem mit den rechten Strukturen. Wir haben da eine rechte Struktur."

ZAPP hat in einer schriftlichen Anfrage an die Polizei nachgehakt.

  • Warum erwähnen Sie in der Pressekonferenz nicht Neonazis bzw. Gruppen aus dem rechten Spektrum, die in Bautzen Stimmung gegen Flüchtlinge machen?

    Antwort des Polizeisprechers Thomas Knaup: "Das wird Gegenstand der weiteren Ermittlungen sein, die gemeinsam von der Kriminalpolizeiinspektion Görlitz und dem Operativen Abwehrzentrum der sächsischen Polizei geführt werden."

  • Können Sie bestätigen, dass Gruppen aus dem rechten Spektrum seit Monaten in Bautzen unterwegs sind und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge provozieren?

    Knaup: "Das wird Gegenstand der weiteren Ermittlungen sein, die gemeinsam von der Kriminalpolizeiinspektion Görlitz und dem Operativen Abwehrzentrum der sächsischen Polizei geführt werden."

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Wird sind auf die Ergebnisse der Ermittlungen gespannt. Gestern Abend gingen Bautzener Bürger übrigens auf die Straße, um mit einer Lichterkette ein Zeichen gegen Fremdenhass zu setzen.

 

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 21.09.2016 | 23:20 Uhr