Sendedatum: 23.08.2017 23:20 Uhr

Matschig - Maschmeyer und Journalisten mit Dreck beworfen

von Stefanie Groth & Sabine Schaper

Der "Drückerkönig" und "Abzocker", dessen AWD viele Kleinsparer um ihre Rente brachte - mit dem Ruf von Carsten Maschmeyer ging es seit Ende der 90er Jahren so steil bergab, wie sein Reichtum dank des AWD wuchs. Unzählige Medienartikel beschäftigten sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit den umstrittenen Methoden des Finanzdienstleisters, sprachen mit enttäuschten Mitarbeitern und holten geschädigte Kunden vor die Kamera. Hinter all diesen Artikeln will jetzt er stecken: Stefan Schabirosky behauptet in seinem Buch "Mein Auftrag: Rufmord", von der Konkurrenz für eine jahrelange Schmutzkampagne bezahlt worden zu sein.

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer © dpa Fotograf: Frank May

Maschmeyer und Journalisten

ZAPP -

Der Informant Stefan Schabirosky behauptet, von der Konkurrenz für eine Schmutzkampagne gegen den Finanzdienstleister AWD und Carsten Maschmeyer bezahlt worden zu sein.

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Nach seinem selbstverschuldeten Rausschmiss beim AWD habe er Kontakt mit der Deutschen Vermögensberater AG (DVAG) aufgenommen und ihnen Interna angeboten, mit denen er Maschmeyer und seinen AWD "fertigmachen" wollte - ein Rachefeldzug. Seinen Schilderungen nach ließ sich die DVAG darauf ein, beschäftigte ihn über einen Beratervertrag und zahlte ihm insgesamt eine halbe Million Euro. Die DVAG prüft die Vorwürfe - weitere Fragen will sie auf ZAPP-Anfrage vorerst nicht beantworten. Inzwischen hat Schabirosky erneut die Seiten gewechselt und ist in den Maschmeyer’schen Schoß zurückgekehrt. Maschmeyer habe ihm die Absolution für das Buch erteilt, gibt er an, und sei bei der Beschaffung eines Verlegers behilflich gewesen, liest man ihm "Spiegel".

Sind alle auf Schabirosky hereingefallen?

Im Buch schildert Schabirosky detailliert, wie er Journalisten für seine Zwecke eingespannt und mit teils falschen Informationen bedient habe: "Die Presse stieg auf meine Story ein. Was einige dann druckten, waren in großen Teilen bloße Verdächtigungen. Bewiesen war nichts. Hauptsache, der Ruf des AWD und der seines Gründers Carsten Maschmeyer waren ramponiert." (S. 90/91) Dabei wirft er Journalisten von u.a. "Spiegel", "Süddeutscher Zeitung" ("SZ"), "Stern" und "Panorama" vor, auf ihn hereingefallen zu sein und sich von ihm leiten haben zu lassen. Er allein stecke hinter der negativen Berichterstattung gegen Maschmeyer.

Das Buch war noch nicht auf dem Markt, da sorgten diese Vorwürfe bereits für eine Schlammschlacht in der Branche. "Handelsblatt" und "Welt am Sonntag" druckten Auszüge des Buches ab, im "Handelsblatt" erschien außerdem ein großes Interview mit dem vermeintlichen Rufmörder Schabirosky: "Hat es Sie selbst überrascht, wie leicht man demnach Fake News einspeisen konnte? - Durchaus, gerade bei den seriösen Medien, auf die ich es abgesehen hatte - von der 'Süddeutschen' bis zum NDR. (…) Die Journalisten haben oft auch nicht so genau hingeschaut. Es passte ja ins Bild."

Journalisten weisen Vorwürfe zurück

Die beschuldigten Medien reagierten prompt. "Von unseren Inhalten muss nichts zurückgenommen werden. Es wird in den Texten der 'SZ' aus internen Papieren zitiert, die wir von mehreren Informanten erhalten haben. Wir haben uns stets auf  verschiedene Quellen gestützt", hieß es in einem Statement der "SZ". "Die Fakten, die wir aufgedeckt haben, stehen nicht in Frage." Auch aus der Panorama-Redaktion hieß es, man habe stets mit einer Vielzahl von Informanten gearbeitet. Exemplarisch nahm die Redaktion außerdem Stellung zu weiteren Vorwürfen Schabiroskys. Und ebenso liest man es auch im aktuellen "Spiegel": "Diese Informationen waren nur ein Aspekt der jeweiligen Geschichte, in beiden Fällen wurde mit vielen weiteren Informanten gesprochen."

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Stefan Schabirosky behauptet im Buch "Mein Auftrag: Rufmord", er habe negative Berichte gegen den AWD und dessen Gründer Carsten Maschmeyer initiiert. Schabirosky war Informant von Panorama - aber nur einer von vielen. mehr

Die Motivation der Whistleblower

So wird nun auch über den Umgang mit Informanten und Whistleblowern diskutiert. Holger Stark hat alltäglich mit ihnen zu tun - er leitet das Investigativressort der "Zeit", zuvor hat er unter anderem die Wikileaks-Dokumente für den "Spiegel" aufbereitet. "Informanten sind essenziell für jede gute Recherche. Das heißt nicht notwendigerweise, dass dies ein Whistleblower sein muss, aber Kontakte in Institutionen, in die Regierung, in die Wirtschaft, aber auch Leute, die aus der Fußballszene berichten, die von kriminellen Machenschaften Kenntnis haben und dies kundtun, sind entscheidend."

Wichtig sei vor allem, dass die Informationen einer gründlichen Überprüfung standhielten. Die Motive des Informanten seien dann zweitrangig. "Es kann sehr wohl einen Fall geben, dass jemand aus niederen Beweggründen - persönlich gekränkte Eitelkeit, Rache oder ähnliches - mit Informationen kommt die trotz allem einen Missstand offenlegen. In einem solchen Fall würde ich erst einmal das Motiv von den Informationen an sich trennen. Es ergibt sich immer ein Gesamtbild."

ZAPP © NDR

Holger Stark: "Motiv von Informationen trennen"

ZAPP -

Für Holger Stark, Investigativ-Leiter der "ZEIT", können Motive von Informanten zweitrangig sein. Auch aus niederen Beweggründen könne jemand Missstände offenlegen.

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"Der Spiegel" ändert seine Bewertung

Im Nachhinein kommt beispielsweise der "Spiegel" jedoch zu einer anderen Bewertung, seitdem die Motive Schabiroskys bekannt sind: "Hätte man damals gewusst, auf wessen Seite Schabirosky steht, wären diese Geschichten sicher so nicht erschienen." Eine Problematik, für die es keine allgemeingültige Gebrauchsanweisung geben kann.

Holger Stark zieht seine rote Linie im Umgang mit Informanten beim Geld: "Ich finde, dass Journalismus nur in ganz großen Ausnahmefällen überhaupt Informationen kaufen sollte. Dies geht gar nicht, wenn es Informationen sind, die ein Bundesbediensteter besitzt und übergibt, weil es sich dann um Bestechung handelt."

Geld wollte Schabirosky von den Journalisten nicht. Sie waren für  ihn nur Mittel zum Zweck, um das große Geld für seine Rufmordkampagne zu kassieren. Dass der nach Selbstaussage wiederholte Lügner sie jetzt wieder benutzt und seine Geschichte zu einem Medienskandal aufbauscht, um sein Buch zu bewerben, scheint dabei nicht unwahrscheinlich.

Kommentar
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Monatelang hat die Redaktion Panorama vergebens versucht, Carsten Maschmeyer für ein Interview zu gewinnen. Diese Anfragen werden im Folgenden dokumentiert. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 23.08.2017 | 23:20 Uhr