Stand: 17.01.2018 20:31 Uhr

MDR-Sportmoderatoren organisieren Sport-Event

von Daniel Bouhs
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Die Sportmoderatoren René Kindermann und Torsten Püschel haben den "Ski World Cup Dresden 2018" organisiert.

Investigative Sportjournalisten bezeichnen Kollegen, die Wettkämpfe übertragen, gerne als "Fans, die es hinter die Absperrung geschafft haben". Dass zumindest einige Sportjournalisten auch fleißig Veranstaltungen im Auftrag der Sportverbände moderieren und sich dafür auch von all denen bezahlen lassen, über die sie sonst berichten, ist für ZAPP immer wieder ein Thema (Die Nebenjobs der Sportmoderatoren). In Dresden findet sich nun aber eine neue Konstellation: Die Journalisten René Kindermann und Torsten Püschel - bekannt aus "Sportschau live" und MDR-Fernsehen - sind selbst unter die Sportveranstalter gegangen. Sie haben eine Station des Ski-Weltcups am vergangenen Wochenende organisiert.

Zwei Moderatoren halten ein Mikro in der Hand.

MDR-Sportmoderatoren organisieren Sport-Event

ZAPP -

Zwei Sportmoderatoren organisieren eine Station des Ski-Weltcups - klingt erst mal gut, ist aber problematisch. Dürfen sie dann noch Wintersport moderieren? Die Meinungen gehen auseinander.

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Sportmoderatoren organisieren Sportevent

"Ich kenne nichts Vergleichbares", sagt MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi im Interview mit ZAPP und spricht von einem "Sonderfall". Der frühere Sportchef des Leipziger Sender war früh in die Pläne seiner Moderatoren eingeweiht, mit dem Langlauf-Event die von Pegida-Demonstrationen gebeutelte Stadt Dresden endlich wieder mit einem positiven Ereignis in die Schlagzeilen zu bringen. Jacobi musste dann aber auch eine Entscheidung treffen: Wo verläuft für die beiden nun die Grenze? Was dürfen seine Sportmoderatoren, die nun auch selbst Sportveranstalter sind, noch im Programm moderieren oder kommentieren? Vor allem: Was nicht mehr?

Was dürfen die Moderatoren noch moderieren?

Jacobi zieht die Grenze so großzügig es geht: Ausschließlich Ski-Langlauf sei für die beiden nun im Programm tabu. Genauso handhabt es ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky für die künftigen Einsätze der beiden im Ersten. Balkausky erklärt ZAPP, "ausreichend Distanz" sei "natürlich" wichtig. "René Kindermann und Torsten Püschel arbeiten für die ARD im Rahmen der Übertragungen von der Nordischen Kombination", sagt der Sportkoordinator. "Die Langlauf-Weltcups werden von anderen Kolleginnen und Kollegen im Wintersportteam betreut." Die Wettkämpfe der Nordischen Kombination werden tatsächlich in einem separaten Weltcup ausgetragen. Allein: Die Kombination besteht neben Skispringen auch aus Skilanglauf. Außerdem richtet beide Weltcups - Nordische Kombination und Ski-Langlauf - ein und derselbe Verband aus: der internationale Ski-Verband FIS.

Kruse: Wintersport sollte für diese Moderatoren "tabu" sein

"Es ist natürlich schwierig, wenn ich auf der einen Seite Journalist und auf der anderen Seite mit meinem Berichterstattungsgegenstand geschäftlich verbandelt bin, was auch der Welt-Ski-Verband ist", mahnt wiederum Jürn Kruse, der das Gesellschaftsressort der "taz" leitet. "Eigentlich müsste ich mich entscheiden für das eine oder das andere", sagt Kurse. Er wünscht sich, dass zumindest Wintersport in Gänze für Mitarbeiter der ARD tabu seien, die Wintersport-Events organisieren. Am Ende gehe es schließlich um Glaubwürdigkeit öffentlich-rechtlicher Sender.

ARD-Dilemma durch freie Mitarbeiterschaft

Die Programmverantwortlichen stecken wiederum in einem Dilemma: Moderatoren und Kommentatoren wie Kindermann und Püschel sind oft freie Mitarbeiter. "Das bedeutet für Kindermann und Püschel gleichzeitig auch, verschiedene Arbeitgeber vorweisen zu müssen, um nicht in die Scheinselbstständigkeit zu geraten", sagt Balkausky. Zu Nebentätigkeiten sagt der Sportkoordinator aber auch: "Meiner Kenntnis nach tritt kein anderer ARD-Mitarbeiter im Sport als Veranstalter auf."

Die Moderatoren äußern sich nicht

Wo sehen sich Kindermann und Püschel selbst in diesem Spannungsverhältnis? Wie wollen sie es künftig halten - mit Organisation und Moderation? Die beiden schweigen auch auf mehrfache Nachfrage. Der MDR-Programmdirektor steht unterdessen auf dem Standpunkt, seine freien Mitarbeiter müssten sich auch auf einem anderen Feld ausprobieren dürfen - parallel zu anderen Engagements. "Wir haben es jetzt in dem Fall so entschieden. Und man muss schauen, wie es sich weiterentwickelt", sagt Jacobi. Und lässt durchblicken, dass er sich auf einer Gratwanderung befindet: "In dem Fall hoffe ich, dass wir auch mit der Entscheidung richtigliegen."

Problem bleibt wohl auch in Zukunft bestehen

Den ersten Ski-Weltcup in Dresden hat dieses Mal (ohnehin) das ZDF übertragen, ARD und ZDF wechseln sich im Wintersport ab. Der internationale Ski-Verband FIS plant indes bereits bis 2021 mit diesem Event, das wurde den Besuchern des Weltcups über die Stadionbeschallung stolz mitgeteilt. Damit dürfte auch die ARD in den kommenden Jahren in die Verlegenheit kommen, ein Event übertragen zu müssen, den hauseigene Sportjournalisten auf die Beine gestellt haben - wenn die beiden nicht noch abspringen. Und dann? "Darüber würde ich nachdenken, wenn es so käme", sagt MDR-Programmdirektor Jacobi. "Im Moment ist es spekulativ."

 

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Jacobi: Sportjournalisten sollten "nicht hypen"

ZAPP -

Sportjournalisten sollten "Ereignisse nicht hypen", sondern angemessen berichten, so MDR-Programmdirektor Jacobi. Wenn Journalisten Veranstalter werden, dürfen sie natürlich nicht über das Event berichten.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 17.01.2018 | 23:20 Uhr