Stand: 23.08.2017 15:00 Uhr

"Es geht alles darum, Klicks zu generieren"

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Publizist Evgeny Morozov kritisiert die Annahme, das Internet wäre per se demokratisch und bringe politischen und sozialen Wandel.

Schöne, neue Medienwelt: Per Google lässt sich alles im Internet finden, mit Produkten wie Kalender, Docs, Routenplaner und Co. das halbe Leben organisieren - scheinbar umsonst. Und per Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke bleiben wir mit Freunden in Kontakt, können unsere Meinung zu jedem Thema mitteilen, Demos organisieren, auf Missstände hinweisen und an der öffentlichen Diskussion teilhaben. Soweit die positive Sichtweise auf das Internetzeitalter. Medienkritiker Evgeny Morozov hält dagegen.

Internetkritiker Evgeny Morozov im Interview mit ZAPP © NDR

"Fake News": Die Mitschuld von Facebook & Co.

ZAPP -

Facebook und Co. sind mitverantwortlich für die "Fake News"-Verbreitung, so Netzkritiker Morozov. Und die User füttern mit jedem Klick die Netzgiganten, machen sie mächtiger.

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User bezahlen mit ihren Daten

Mit jeder Suche bei Google, mit jedem Klick füttern wir die Datenkrake und verschaffen ihr noch mehr Wissen und Macht. Umsonst ist die Nutzung dieser Dienste nicht, wir alle bezahlen mit unseren Daten und werden zu gläsernen Kunden, die knallhart vermarktet werden. Und zu gläsernen Staatsbürgern, denn auch die Geheimdienste greifen im Netz viele Daten ab, haben so Zugriff auf die Interessen, Freundeskreise und Geheimnisse der Menschen. Insgesamt ein schlechter Deal, so Morozov.

Geschäftsmodell der sozialen Netzwerke fördert "Fake News"-Verbreitung

Soziale Netzwerke wie Facebook und Co. haben zudem ihre Seiten zum Klicken und Teilen optimiert - unabhängig vom Inhalt und davon, ob wir die Inhalte wirklich konsumiert haben. Was zählt ist der Klick und somit die Werbeeinnahme. Dieser Fokus auf Klicks und Reichweite fördert die Verbreitung von "Fake News". Auch die Finanzierung von journalistischen Projekten durch Google hält er für bedenklich.

Einen einfachen Ausweg aus diesem Dilemma gibt es nicht, zu groß ist der Nutzen der neuen Technologien und Anbieter, als dass die User darauf verzichten würden. Aber sie sollten nicht zu sorglos mit ihren Daten umgehen. Und Europa ein technologisches Gegengewicht zu Amerika und Asien bilden.

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 30.08.2017 | 23:20 Uhr