Stand: 01.04.2015 18:02 Uhr

Draufhalten: Medien in Montabaur

Ab Donnerstagmittag verbreiteten die Nachrichtenagenturen, was der Marseiller Staatsanwalt gerade auf einer Pressekonferenz verkündet hatte: "Es sieht so aus, als ob der Copilot das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht hat." Der Startschuss für Medien aus aller Welt für einen Besuch im in Montabaur. In diesem Ort steht das Elternhaus von Andreas L., dessen Namen der Marseiller Staatsanwalt der Welt gerade komplett mitgeteilt hat. Um spätestens 18 Uhr sind dann fast alle da: Reporter aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, ebenso wie aus Österreich oder den Niederlanden.

Presserummel in Montabaur. © NDR

Draufhalten: Medien in Montabaur

ZAPP -

Was hat der Medienrummel am Wohnort des Copiloten der verunglückten Germanwings-Maschine gebracht? ZAPP war vor Ort und hat sich umgesehen.

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"Das gehört zum Job"

Zwischen 80 und 100 Reporter, Journalisten, Kameraleute und Fotografen verwandeln die Straße in ein Pressezentrum. Die Sprache, in der die meisten Anwohner des Elternhauses angesprochen werden ist Englisch. Eine Mitarbeiterin von "France 2" bemerkt: "Das gehört zum Job und ich mag das nicht besonders, aber wir machen diesen Job. Unser Chef wollte, dass wir herfahren und wir machen das -  ich weiß nicht genau, wie ich das sagen soll - mit so viel Respekt wie möglich.“ Wer etwas sagen will, wird sofort umringt.

Die Tatsache, ob die Person den Copiloten persönlich kannte oder nicht, scheint dabei eine untergeordnete Rolle zu spielen. Ein Anwohner berichtet, er habe mit 60 oder 70 Journalisten gesprochen, kenne die Familie aber nicht näher. Er ergänzt: "Bei mir war das französische Fernsehen sogar im Haus und die haben da einen längeren Film gedreht. An und für sich habe ich mit der Sache ja gar nichts zu tun. Aber gut." Als andere Journalisten das französische TV-Team aus dem Haus gehen sehen, beschließen sie offenbar, dies sei eine gute Adresse. Die Türklingel des auskunftsfreudigen, aber in Bezug auf die Familie recht ahnungslosen Anwohners steht danach nicht mehr still.

"Er ist mal an mir vorbei gelaufen"

Ein zweites Pressezentrum bildet sich am nächsten Morgen mehr in Richtung Westerwald am Segelflugplatz des LSC. Hier soll der Copilot angefangen haben mit dem Fliegen. Ein älterer Herr scheint mit Reparaturarbeiten beschäftigt, als er gefragt wird: "Did You know Andreas L.?" Gekannt habe er ihn nur flüchtig antwortet der Mann freundlich, dennoch wird er gefragt, wie er denn so war, der Andreas L.? Wie es sich anfühle Andreas L. gekannt zu haben, jetzt wo das passiert sei? Ob es Anzeichen für Depressionen gegeben habe, fragen die Journalisten weiter.

Der Interviewte wiederholt, er sei 50 Jahre älter als Andreas L. und habe ihn kaum gekannt. Die Frage nach der Depression wiederholt dennoch ein anderer Reporter und die Fragestunde dreht sich weiter im Kreis bis der Mann endlich Details rausrückt: "Vielleicht habe ich ihn vor zehn Jahren mal gesehen. Da ist er mal am Sonntag an mir vorbei gelaufen. Aber das kann ich nicht mehr sagen." Danach kann der 74-jährige ehemalige Segelflugsportler seine Reparatur fortsetzen.

Hinweis der Redaktion: Der Sender n-tv hat nicht, wie von uns im Fernsehbeitrag am 1.4.2015 dargestellt, in Live-Schalten vom Haus der Eltern von Andreas L. berichtet, sondern nur aufgezeichnete Bilder vom Haus in den Nachrichten veröffentlicht.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 01.04.2015 | 23:20 Uhr