Stand: 28.03.2020 16:00 Uhr

Coronakrise: Hauptstadtjournalist im Ausnahmemodus

von Caroline Schmidt

Am Beginn dieser historischen Woche sind die Straßen von Berlin wie ausgestorben. Eine fast surreale Stille liegt über dem Regierungsviertel. Nur ab und zu quietscht ein Zug. Auch auf den Gängen des ARD-Hauptstadtbüros sind kaum Menschen. Die Konferenzen halten die Korrespondenten in diesen Tagen in der Halle im Stehen ab, mit großem Sicherheitsabstand.

Coronakrise: ARD Berlin - Politik extrem

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Die Coronakrise ist für Politiker eine riesige Herausforderung. Und auch für Journalisten: Die Fülle an Themen ist atemberaubend, so Michael Stempfle.

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Milliardenschwere Hilfspakete gegen die Coronakrise

Michael Stempfle leitet das Ressort Innenpolitik. Er wird in dieser Woche über die Entwicklung der Ermittlungsverfahren im Bereich Islamismus, die neue Polizeiliche Kriminalstatistik und die Forderung des Bundesinnenministeriums nach einer Ausweitung der Corona-Tests berichten. An diesem Montag soll er sich um die Regierungspressekonferenz kümmern. Dort wird es um das milliardenschwere Hilfspaket gehen, das das Bundeskabinett am Morgen verabschiedet hat.

Journalismus soll Maßnahmen kritisch begleiten

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ARD-Journalist Michael Stempfle sitzt in der Bundespressekonferenz und hört zu, welches Maßnahmenpaket die Bundesregierung im Kampf gegen die Coronakrise geschnürt hat.

Es bedeute Veränderungen für eine "atemberaubende Fülle" an Bereichen, erklärt Stempfle vor dem Haus: Krankenhäuser, Patienten, Unternehmen und Selbständige, Mieter und Vermieter. Die Aufgabe von Journalisten sei es, diese Reformen kritisch zu begleiten. Denn sie seien ja nicht nur dafür da, "zu erklären, was die Bundesregierung macht", sondern "sozusagen anzuspornen, Druck auszuüben, damit Dinge möglichst gut gemacht werden".

Wegen Corono wenige Journalisten bei Pressekonferenz

An diesem besonderen Morgen sind neben Stempfle nur wenige Journalisten zur Regierungspressekonferenz gekommen. Und so hält Regierungssprecher Steffen Seibert seine kleine Ansprache vor nur dünn besetzten Stuhlreihen. Er hätte den Journalisten "jetzt aus einer Kabinettssitzung zu berichten, wie es sie in der Geschichte der Bundesrepublik wohl noch nicht gegeben hat" - und das zu Beginn einer "Gesetzgebungswoche", wie es sie "wohl auch so noch nicht gab".

Fülle an Maßnahmen sorgt für weniger Tiefgang

In nur einer Woche sollen Bundstag und Bundesrat nun dieses Hilfspaket verabschieden. Das lässt nur wenig Zeit für Journalisten, diese Milliarden-Paket kritisch zu hinterfragen. "Im Normalfall", so Stempfle, hätten sie Monate Zeit, um "die Kritikpunkte" der Opposition und der Experten zu sammeln und zu verstehen: "Was sind die Vorteile, was sind die Nachteile" der Reform. "Das machen wir jetzt auch, aber bei der Fülle von Maßnahmen in so kurzer Zeit kommt am Schluss weniger pro Gesetz in die Berichterstattung." Es sei eigentlich mehr ein Erklären dessen, was da gerade passierte, "und vielleicht ein Tick weniger hinterfragen, was das Ganze auch ein bisschen problematisch macht".

Besondere Situation auch für Journalisten

In einer Krise wie dieser geht es vielleicht nicht anders. Während das ganze Land erstarrt ist, steht der politische Journalismus - das kann man in diesen Tagen in Berlin beobachten - unter Druck wie selten zuvor. Er fühle sich aber "nicht hilflos", so Stempfle, "im Gegenteil": "Es ist für Journalisten eine besondere Situation, bei der sie an vorderster Front dabei sein können, die Entscheidungen beobachten können."

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 01.04.2020 | 23:20 Uhr