Filmdreh während der Corona Pandemie © NDR

Corona-Krimi - die ständige Angst vorm Drehstopp

Stand: 20.10.2020 15:13 Uhr

Seit die Corona-Fallzahlen wieder massiv steigen, wird auch die Film- und Fernsehbranche zunehmend nervös. Was passiert, wenn es zu einem zweiten Lockdown kommt und wieder Drehstopps verhängt werden?

von Gudrun Kirfel

Seit Februar arbeiten die Produktionsfirmen schon unter Pandemie-Bedingungen. Täglich tüfteln Deutschlands Produzenten, Regisseure und Autoren an Drehbüchern, die an die neuen Abstands- und Verhaltensregeln angepasst werden. "Küssen verboten" ist eine der goldenen Regeln an den Sets.

Liebesszenen gelten als Hochrisiko-Szenen

Die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) hat Empfehlungen für Filmproduktionen herausgegeben: Auch vor der Kamera soll der direkte Kontakt zu anderen Personen auf ein Minimum reduziert werden. Nur in Ausnahmefällen soll es möglich sein, sich näher als 1,5 Metern zu kommen.

Christoph Hasse, Produktionsleiter der ZDF-Serie "Nord Nord Mord" © NDR
Es werde engmaschig getestet, so Christoph Hasse, Produktionsleiter der ZDF-Serie "Nord Nord Mord".

Christoph Hasse, Produktionsleiter der ZDF-Serie "Nord Nord Mord", erzählt, dass vor Kuss-Szenen die Schauspielerinnen und Schauspieler engmaschig auf Corona getestet werden: "Eine Woche vorher, dann noch mal drei Tage und am Tag vorher". Nur dann dürfe vor der Kamera geküsst werden. Liebesszenen gelten im Moment als Hochrisiko-Szenen.

Filmbranche beklagt hohe Ausfälle

Die gesamte Filmbranche beklagt hohe Ausfälle durch Drehabbrüche und -verschiebungen. Bis Mitte Mai hatte die Branche laut Erhebungen der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft mehr als 400 solcher Drehabbrüche oder -verschiebungen zu beklagen. Für die hohen Ausfälle hatten bisher die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender versprochen, anteilig Kosten zu übernehmen. Sowohl die ARD wie auch das ZDF hatten sogenannte Rettungsschirme aufgespannt, die 50 Prozent der Ausfälle übernehmen sollten.

Seit dem 11. September greift der Ausfallfonds I, den der Bund aufgespannt hat. Er soll die Übernahme von pandemiebedingten Ausfallkosten bei Kinofilmproduktionen und High-End-Serienproduktionen absichern, die zuvor vom Bund oder der Filmförderungsanstalt (FFA) gefördert wurden. Für eine Absicherung von Fernsehproduktionen, die das Gros der Dreharbeiten - etwa 80 Prozent - ausmachen, sind aufgrund der föderalen Struktur die Länder und Sender zuständig. Über diesen Ausfallfonds II wird seit Monaten verhandelt, bislang noch ohne Ergebnis. Jetzt, wo sich die Situation wieder verschärft, wird offensichtlich, dass unnötig viel Zeit verstrichen ist.

Greifen die Ausfallfonds?

Uwe Kolbe von der Hamburger Produktionsfirma Wüste Film © NDR
Weiß nicht, ob die Ausfallfonds für die Kosten aufkommen werden: Uwe Kolbe von der Hamburger Produktionsfirma Wüste Film.

Uwe Kolbe von der Hamburger Produktionsfirma Wüste Film, die unter anderem die Hamburger Tatorte mit Wotan Wilke Möhring produziert, berichtet ZAPP, dass "für einen 90-Minüter allein Gagen und Gehälter in einer Höhe von 900.000 bis 1 Millionen" anfielen. Wird so ein Dreh wegen Corona abgebrochen und später neu angesetzt, fallen die Gagen und Gehälter zumindest anteilig noch einmal an. Wüste Film musste einen Dreh in Schweden coronabedingt abbrechen. Für solche Auslandsdrehs wird aber wahrscheinlich weder der Ausfallfonds I noch II aufkommen. Die Produktionsfirma droht auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Alle jetzt wieder angelaufenen Produktionen leben mit dem Damoklesschwert einer zweiten Corona-Welle und eines erneuten Drehabbruchs. Die mehr als 100.000 Kreativen der Branche fürchten nichts mehr als das.

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ZAPP | 21.10.2020 | 23:20 Uhr

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