Stand: 08.02.2019 13:00 Uhr

"Bild Politik": 52 Seiten provokante Fragen

von Daniel Bouhs
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"Bild" probiert sich an einem Politikmagazin. Es setzt so stark es geht auf Emotionen. Ein Erfolg ist aber fraglich, wie ein anderer Test der Boulevardzeitung zeigt.

Schon der erste Titel ist eine Provokation: "Schrott-Armee, Diesel-Wut, Funklöcher: Warum versagt unsere Regierung?" Die neue "Bild Politik", die jetzt in Norddeutschland getestet wird, lässt gar nicht offen, ob die Regierung versagt. Es geht auf dem Titel nur noch um das Warum. So ist die Boulevardzeitung und so ist nun auch ihr neuer, wöchentlicher Ableger: 52 Seiten provokante Fragen. Meinungsmache?

Nikolaus Blome, der stellvertretende Chefredakteur der "Bild"-Zeitung und nun auch Redaktionsleiter des Wochentitels, wiegelt ab: Dass bei diesen Themen in der Regierung etwas schieflaufe, sei "unstrittig". Und sein neues Magazin, für das er mit seinen Politik-Redakteuren erst mal zusätzlich in die Tasten haut, wolle nun mal "ausschließlich über Fragen der Leser" zu den Texten kommen.

Emotionale Fragen als "Unterscheidbarkeit im Markt"

Genau dieser Ansatz mit den emotionalen Fragen sei "die Unterscheidbarkeit, die uns im Markt so positionieren soll, dass es eine eigene Leserschaft dafür gibt". Blome sieht jedenfalls einen Bedarf: "Ich glaube, es gibt keinen Zweifel daran, dass die Gesellschaft in Deutschland derzeit politisierter ist und emotionalisierter ist wie ganz lange nicht." Um dieses Publikum abzuholen, setzt "Bild Politik" nicht nur auf provokante Fragen, sondern auch ganz offiziell so stark es geht auf Emotionen.

Das Magazin ist nicht in die klassischen Ressorts wie Innen- und Außenpolitik oder Wirtschaft unterteilt. Die Ressorts bilden drei Gefühle: "Ärger", "Neugier", "Freude". Entsprechend finden sich dann - verknüpft mit Fragen - im Heft auch Themen wie "Ist die Bundeswehr der Kanzlerin egal?", "Brauchen wir jetzt neue Atomwaffen in Europa?", aber auch "Geht es der Welt wirklich so schlecht, wie wir denken?".

Geplant ist ein Mix aus Analyse und emotionalen Berichten

Die Idee für das Magazin soll Selma Stern gehabt haben, die als Vorstandsreferentin im Axel-Springer-Konzern arbeitet. Als Leserin soll sie selbst lange auf einen recht skurrilen Mix gesetzt haben: auf den britischen "Economist" und die Seite zwei der "Bild", auf der es um die große Politik geht - also eine Mischung aus intensiver Analyse und emotional aufgeladenen Berichten. Nun, wo "Bild Politik" vorliegt, sagt sie auf die etwas ungläubige Frage, ob das nun wirklich ein Mix aus "Economist" und "Bild"-Zwei sei: " Ich glaube, das ist es tatsächlich."

Stern ist nun "Objektleiterin" des neuen Magazins, das zunächst im sehr großzügig ausgelegten Großraum Hamburg getestet wird - bis nach Lüneburg und Lübeck. "Wir haben hier eine Großstadt mit sehr durchmischtem Publikum, kleinere Städte und ländliche Gebiete", erklärt die Magazinchefin. Es gehe nicht nur darum, herauszufinden, ob das Produkt "Bild Politik" überhaupt funktioniere, sondern auch beim wem. "Und dafür ist dieses Testgebiet sehr gut geeignet."

Der Test beginnt mit 20.000 Exemplaren zu 2,50 Euro wird getestet

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"Klug, klar und kantig" soll "Bild Politik" Antworten auf die Fragen der Menschen geben, so Nikolaus Blome.

Springer bringt zunächst jeden Freitag 20.000 Exemplare an die Kioske, für jeweils 2,50 Euro. In der Testregion leben grob 3,5 Millionen Menschen. Sie entscheiden, ob "Bild Politik" in einem nächsten Schritt in der ganzen Republik verkauft wird. "Bild"-Vize Blome geht davon aus, dass diese Entscheidung "eher nach Monaten als nach Wochen" fallen wird. "Aber ich glaube, dass wir in absehbarer Zeit ein Gefühl dafür bekommen, ob das ein ökonomischer Erfolg im Markt ist. Und dann gehen wir sofort bundesweit."

Doch auch falls es dazu kommen sollte, hieße das noch nicht, dass das Projekt ein Erfolg wäre. Das zeigte ein anderes Experiment: der Versuch des Springer-Konzerns, mit "Fußball Bild" in Deutschland eine tägliche Zeitung für Fußballfans zu etablieren - so wie es sie in anderen Ländern wie Italien und Frankreich seit Jahrzehnten gibt. Nach Testläufen in Stuttgart und München verkaufte der Konzern diesen Titel von 2017 an bundesweit. Im Dezember 2018 war mit diesem Projekt jedoch Schluss.

"Fußball Bild" als Special Interest floppte

"Da waren sich alle hundertprozentig sicher: Das wird der absolute Burner, das wird riesige Auflagen bringen, weil Fußball interessiert jeden", erinnerte sich Konzernchef Mathias Döpfner als er kurz vor dem Jahreswechsel "Bild Politik" ankündigte. Bei Politik hätten wiederum viele in seinem Umfeld von einem "Minderheitenthema" gesprochen. Mathias Döpfner aber sagte, er "liebe" dieses Konzept: "Schauen wir mal!"

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ZAPP | 13.02.2019 | 23:20 Uhr