Stand: 13.09.2017 20:40 Uhr

#BTW17: Wahlkampf im Netz

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Christian Lindner von der FDP weiß, wie man sich inszeniert. Der Wahlkampf ist voll auf ihn ausgerichtet - auch im Netz.

Das Naheliegende zuerst: Christian Lindner - mit oder ohne Hemd - ist so etwas wie der Star im Netzwahlkampf. Die FPD hat ihn auch bitter nötig. Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag 2013 fand die Partei sich über Nacht im medialen Niemandsland wieder. Da war Social Media manchmal die einzige Möglichkeit, sich ins Gespräch zu bringen.

Vier Bildschirme auf denen die Logos folgender Firmen zu sehen sind: snapchat, facebook, youtube und instagram

#BTW17: Wahlkampf im Netz

ZAPP -

In zehn Tagen ist Bundestagswahl. Zeit für die Frage: Wie schlagen sich eigentlich die Parteien im Netzwahlkampf, wer kann in Social Media die meisten Menschen begeistern?

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Eine Diskussion in einem schicken Münchener Café vor wenigen Wochen nutzt Lindner zum Beispiel für einen Aufschlag in Sachen Rauschmittel. Er postete:

Provokationen, das weiß der FDP-Chef, funktionieren im Netz. Journalisten der "Huffington Post" sehen die Meldung, kommen ins Café, befragen ihn und senden das Gespräch live auf Facebook. 2.200 Zuschauer sehen in Echtzeit zu - und Lindner ist begeistert. Im Nachgang waren es bis heute knapp 27.000. Bei mehr als 30 Millionen Menschen, die in Deutschland bei Facebook sind, ist das zwar eine vergleichsweise geringe Zahl. Aber das Leben in der außerparlamentarischen Opposition übt offenbar in Demut.

Digitalwahlkampf 2017

Noch nie waren die Parteien so aktiv im Netz. Wie viel sie dafür ausgeben, verraten die Grünen: eine Million Euro. Die Linken investieren insgesamt 650.000 Euro. Die anderen Parteien weigern sich, die Zahlen offenzulegen. Doch lohnt sich der Einsatz?

Robert Heinrich

Das Social-Media-Team der Grünen

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ZAPP durfte beobachten, wie die Grünen den TV-Schlagabtausch ihres Kandidaten Cem Özdemir mit Wolfgang Schäuble bei Anne Will mit Postings im Netz begleiteten.

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Das Social-Media-Team der Grünen ließ sich von ZAPP begleiten und in die Karten schauen - zumindest ein bisschen.

Zumindest die Anzahl der Fans auf den Facebook-Seiten der Parteien nehmen sich eher bescheiden aus. Die Linke hat heute knapp 220.000 Fans auf Facebook, es folgen die CSU (190.000), die SPD (170.000), Grüne (160.000), CDU (150.000) und die FDP (125.000). Eine neue Partei läuft den etablierten davon: Die Seite der AfD hat über 360.000 Fans und bekommt auf ihre Postings die mit Abstand meisten Interaktionen. Eine Protestpartei hat eben ganz andere Möglichkeiten, im Netz Aufmerksamkeit zu generieren.

Digitale Fettnäpfchen

Die Kanzlerin dagegen scheint jede zusätzliche Interaktion im Netz zu vermeiden - wie die meisten Politiker. Sie agieren zurückhaltend, posten nur Bilder, die zeigen, wo sie waren. Virale Hits entstehen in dieser Welt eher zufällig. Ein besonders übler Ausrutscher passierte dem CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Der twitterte Anfang Juli: "Vollbeschäftigung" ist viel besser als Gerechtigkeit. Ein Nutzer fragte nach: "Heißt das jetzt 3 Minijobs für mich?" Taubers Antwort: "Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine 3 Minijobs." Man kann sich vorstellen, wie viele Menschen diese flapsige Antwort zur Weißglut brachte. Tauber entschuldigte sich schließlich.

Netzwahlkampf heißt: Wähler mit Themen begeistern und mobilisieren, virale Hits landen, FakeNews entkräften, diskutieren und Fettnäpfchen vermeiden. Klappt nicht immer. Man könnte sagen, die Parteien bemühen sich redlich, aber es ist noch viel Luft nach oben - bei einige deutlich mehr als bei anderen.

Weitere Informationen
Link

Doku: Die Wahl und das Netz

Welche Rolle spielen Twitter, Facebook und Co. im Wahlkampf? Die Doku "Die Wahl und das Netz" vom BR gibt Einblicke in den Netzwahlkampf der Parteien. extern

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 13.09.2017 | 23:20 Uhr