Ein Kaffeebecher mit EU-Flagge © picture alliance / photothek.net Foto: Ute Grabowsky

Auf einen Kaffee mit Nordmazedonien

Stand: 05.12.2021 09:15 Uhr

16 Nachrichtenagenturen wollen in einem gemeinsam Newsroom zusammenarbeiten - die dpa koordiniert, die EU-Kommission unterstützt finanziell.

von Mandy Mülling

"EU-Kommission fördert Newsroom für Berichterstattung über Europa". Diese Meldung läuft am vergangenen Montag über den Agenturen-Ticker. Weiter heißt es darin: "Ziel der Kommission sei es, 'die Produktion mehrsprachiger Nachrichten zu finanzieren, die EU-Angelegenheiten abdecken, und die Debatte der europäischen Öffentlichkeit zu bereichern'". Über diese Meldung kann man sich mindestens wundern oder gleich empören. "Soll das für 'genehme' Berichterstattung sorgen?", fragt dann auch sogleich die FAZ.

Worum geht es hier eigentlich genau?

Unter der Führung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wollen insgesamt 16 Nachrichtenagenturen aus 15 Ländern in Brüssel eine gemeinsame Redaktion einrichten.

Finanziell unterstützt von der EU-Kommission mit 1,76 Millionen Euro für zwei Jahre. Mit dabei: die AFP (Frankreich), ANSA (Italien), Agerpres (Rumänien), APA (Österreich), ATA (Albanien), Belga (Belgien), BTA (Bulgarien), Europa Press und EFE (beide Spanien), FENA (Bosnien und Herzegowina), HINA (Kroatien), MIA (Nordmazedonien), STA (Slowenien), Tanjug (Serbien) sowie die TASR (Slowakei). Nun gehe es an den Aufbau, spätestens im dritten Quartal 2022 wolle man starten, so Projektleiter Peter Kropsch, Geschäftsführer der dpa, im Gespräch mit ZAPP.

VIDEO: Interview mit Peter Kropsch (1 Min)

Vorbild aus Sydney

"Es gibt schon so einen multinationalen Newsroom, der steht in Sydney, in Australien. Wenn da 9 Agenturen zusammensitzen, das hilft in der Erweiterung der Perspektive. Und wir haben uns gedacht: Das wäre doch auch eine Idee für Brüssel", meint Kropsch. Eine Redaktion mit gemeinsamer technischer Infrastruktur und Platz für etwa 20 Journalistinnen und Journalisten soll entstehen. "Die Demokratie in Europa und besonders in manchen Ländern in Osteuropa ist unter Druck. Freiheitlicher Journalismus ist unter Druck und da müssen wir einfach dagegenhalten, wenn es um Desinformation geht. Es ist ja ein ganz, ganz zentraler Punkt. Der beste Schutz gegen Desinformation und Propaganda sind einfach Fakten. Nüchtern, klar, genau wie wir es als Nachrichtenagenturen liefern, das ist unser Job."

Gegen Desinformation

Das dürfte auch im Sinne der EU sein. Nicht nur in Ländern wie Ungarn, Polen und Slowenien herrscht immer weniger Pressefreiheit. Dort sieht sich die EU immer häufiger mit Falschinformation über ihre Institutionen und ihre Politik konfrontiert. Ganz allgemein von "Bedrohungen für die Medienvielfalt und die Unabhängigkeit" durch "staatliche Einmischung, Politisierung öffentlicher Medien oder eine starke Konzentration von Medienkapital auf eine Handvoll Eigentümer" spricht der zuständige Binnenmarktkommissar Thierry Breton beim European News Media Forum am Montag.

Im Hinblick auf den neuen Europäischen Newsroom ergänzt die für Pressefreiheit und Medienpluralismus zuständige Vize-Präsidentin Věra Jourová: "Ich glaube auch, dass solche Netzwerke und Solidarität die Einmischung von Staaten erschweren."

Gleiche Interessen, aber völlig unabhängig

Dpa-Geschäftsführer Peter Kropsch will das gemeinsame Ziel, Faktentreue, aber nicht als Zeichen für Einflussnahme durch die EU auf den Newsroom verstanden wissen. "Das sind zwei Dinge, die nebeneinander stehen, die brauchen sich nicht zu beeinflussen." Die teilnehmenden Agenturen hätten sich zudem in einem Statut auf unabhängigen und faktentreuen Journalismus verpflichtet. Denn es gehe vor allem darum, die journalistische Arbeit besser zu machen. "Wenn ich heute in einem Newsroom sitze, daneben sitzt eine Kollegin oder ein Kollege aus Nordmazedonien, dann hilft mir das vielleicht eher, die Aufgaben und die Themen dieser Region besser zu verstehen, als ich es vielleicht selber aus meinem Blickwinkel könnte."

Ob das, was die Nachrichtenagenturen liefern, dann auch von nationalen Medien aufgegriffen und so letztlich zu den Bürgerinnen und Bürgern Europas gelangt, ist dann noch mal eine andere Frage.

Weitere Informationen
Die dpa in Berlin in Zeiten der Corona-Krise. © NDR

dpa: Einsam im Newsroom

Nur noch vier Mitarbeitende halten bei der Deutschen Presseagentur (dpa) in Berlin vor Ort die Stellung: Der Rest ist im Homeoffice - oder arbeitet von unterwegs. mehr

Blick von außen auf das ehemalige Gebäude der dpa. © NDR Foto: Screenshot
7 Min

Auf der Pirsch: Fact-Checking bei der dpa

Seit 70 Jahren beliefert die dpa Zeitungen sowie Radio- und Fernsehsender mit Nachrichten. Weiter für verlässliche Informationen zu stehen ist in Zeiten von Deepfakes eine Herausforderung. 7 Min

Twitter Logo

Wie Journalisten mit Twitter umgehen

Mitmischen oder raushalten? Robert Habecks Ausstieg aus Twitter löst eine Debatte aus: Was ist dran an der Blase und sind Journalisten bloß Transporteure oder schon Akteure? mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 15.12.2021 | 23:00 Uhr

JETZT IM NDR FERNSEHEN

Nordmagazin 09:00 bis 09:30 Uhr