Weltbilder

Weltbilder spezial - Europa hat die Wahl

Dienstag, 21. Mai 2019, 23:30 bis 00:00 Uhr
Donnerstag, 23. Mai 2019, 01:45 bis 02:15 Uhr
Samstag, 25. Mai 2019, 12:50 bis 13:20 Uhr

Die Moderatorin Julia-Niharika Sen.

3,42 bei 12 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Die Wahlen zum Europäischen Parlament finden in politisch stürmischen Zeiten statt: Der Brexit und lautstarke Europakritik beherrschen die Stimmung. Die Europäische Union gilt weltweit immer noch als Vorbild, wie aus ehemals verfeindeten Nachbarländern Partner werden konnten, die in Frieden miteinander leben. Aber was halten die Menschen in Europa heute von dem Bündnis? Wie sehr steckt die EU im Würgegriff von Populisten? Wie funktioniert das Europäische Parlament eigentlich? Die ARD-Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten berichten in dieser Spezialausgabe der Weltbilder aus den unterschiedlichsten Winkeln Europas.

Frankreich: Schicksalswahl für Europäer Macron?

Emmanuel Macron war angetreten als Europäer: Mit einsamem Mut hatte er als einziger Politiker einen Pro-Europa-Wahlkampf geführt. Und gewonnen. Was ist geblieben? Macron hoffte auf Deutschland als Partner. Und blieb allein. "Renaissance", Neubeginn, heißt die Liste von Macrons Bewegung. Voller Leidenschaft arbeiten hier junge Aktivisten für Macrons Wahlerfolg. Alix Compin ist Deutsch-Französin. Für Politik habe sie sich vorher nicht sonderlich interessiert. Doch jetzt, wo es um Europa und Macron gehe, da wolle auch sie ihren Beitrag leisten. Sie fühle sich als Europäerin, weniger als Französin oder Deutsche, sagt sie: "Man sieht ja, dass Europa nicht mehr so gut funktioniert, dass es einen Neubeginn für Europa geben muss. So hat es auch Macron gesagt. Ich denke auch, dass es wichtig ist, dass Europa sich entwickelt. Und durch eine Entwicklung von Europa kann sich auch Frankreich entwickeln." Alle im Team fühlen sich als Europäer und wissen doch: Es heißt zwar Europa-Wahl, aber jetzt geht es erst mal um Emmanuel Macron.
Autor: Matthias Werth

Ungarn: Paradies für deutsche Rentner?

Seit fast zehn Jahren lebt er schon allein, mitten in der Puszta, knapp 100 Kilometer südlich von Budapest: Dieter Alfes, gebürtig aus der Nähe von Düsseldorf. Den 68-jährigen Rentner hat es vor allem aus einem Grund ins ungarische Kecskemét gezogen. 1.200 Euro Rente bekommt er. Nachdem sein Arbeitgeber - eine Bank - ihn in Frührente geschickt hatte, war schnell klar, das reicht in Deutschland gerade mal zum Überleben. Dieter Alfes beschloss: Ich gehe nach Ungarn. Hier verdienen die Menschen im Schnitt 400 bis 500 Euro und die Immobilienpreise auf dem Land sind vergleichsweise niedrig. Sein Einfamilienhaus am Stadtrand, 140 qm Wohnfläche,  hat gerade mal 70.000 Euro gekostet. Der politische Rechtsruck in Ungarn unter Viktor Orban ist für ihn kein Thema: "Für mich ist Politik eine Sache, die ich nicht so intensiv verfolge. Ich weiß es zwar auch, aber es ist ein Problem der Ungarn, wenn das Volk es zulässt, dann ist es ein Problem der Ungarn und nicht meines. Ich bin Gast in diesem Land, und deshalb füge ich mich auch dementsprechend."
Autor: Till Rüger

Dänemark: Großes Wahlkampfthema "Migration"

Bei der letzten Europawahl war die Dänische Volkspartei mit ihrem Anti-EU und Anti-Ausländerkurs der große Wahlgewinner. Doch diesmal scheint es knapper zu werden. Denn mittlerweile haben selbst die Sozialdemokraten die harte Haltung gegenüber der Zuwanderung von der Volkspartei übernommen. Und mit den "Neuen Bürgerlichen" und dem "Strammen Kurs" gibt es gleich zwei neue Parteien am rechten Rand, auch wenn sie diesmal nur auf nationaler Ebene antreten. Mit ihren ausländerfeindlichen Parolen machen die rechten Parteien Stimmung gegen Menschen, die in Gegenden wie dem Mjølnerparken im Norden Kopenhagens leben. Eines von 29 offiziellen "Ghettos". Ein neues Gesetz hat Viertel, in denen hauptsächlich Bewohner mit nicht-westlichem Hintergrund wohnen zu "Ghettos" erklärt. Der Vorsitzende des Mietervereins dort ist Mohammed Aslam. Alle seine vier Kinder sind in Dänemark geboren und studieren mittlerweile. Das neue Gesetz grenze sie nun wieder aus. "Nur weil ich als Vater in einem nicht-westlichen Land geboren bin und als Kind meine ersten sieben Jahre in Pakistan verbracht habe, gelten alle meine vier Kinder nach dem neuen Ghetto-Gesetz als Negativkriterium. Das ist so diskriminierend, wenn man das zu Menschen sagt, die hier aufgewachsen sind, sich hier zuhause fühlen und sich prima  zurechtfinden." "Etwas ist faul im Staate Dänemark": Das berühmte Hamlet-Zitat ist Jahrhunderte alt. Doch manche Dänen glauben, dass dieser Satz von Shakespeare wieder eine erschreckende Aktualität bekommen habe.
Autor: Christian Stichler

Großbritannien: Europa-Wahlkampf in Brexit-Zeiten

Am liebsten hätte Theresa May die Europawahl wegverhandelt. Dass Großbritannien trotz des nahenden Brexits nun doch Abgeordnete für das Europa-Parlament wählen muss, erscheint vielen absurd. Großes Wahlkampf-Getöse gibt es aber trotzdem - allerdings nur von wenigen: der Gründer der Brexit Partei, Nigel Farage, zum Beispiel lässt keine Veranstaltung aus, um gegen die britische Regierung und gegen die Politik in Brüssel zu wettern. Für die großen Parteien aber droht die Wahl eine große Schlappe zu werden.
Autor: Sven Lohmann

Durch Europa mit dem Bus

Drei Hamburger Studenten sind einmal quer durch Europa gefahren, in alle 28 Länder der EU. Über 35.000 Kilometer haben sie zurückgelegt. Eine Herausforderung: Für neun Monate war ein alter ausgebauter Transporter ihr neues Zuhause - zu dritt, ohne Toilette und Dusche auf gerade mal acht Quadratmetern. Doch die Studenten hatten eine Mission. Sie wollten raus aus ihrer Blase, wissen wie und was andere über Europa denken. Ausgestattet mit einer Kamera haben sie die Menschen interviewt und ziehen jetzt Bilanz: "Bei den Interviews ist für mich auf jeden Fall die überraschende Erkenntnis gewesen, wie ähnlich doch die Leute ticken und jemand in Bulgarien genau das gleiche über die EU denkt, wie jemand in Belgien. Dass es beispielsweise viel zu bürokratisch ist", erzählt einer der Studenten. Die letzte Etappe der Europatour führte sie nach Dänemark, bevor sie pünktlich zur Europawahl zurück nach Hamburg kehren.
Autorin: Jennifer Lange

Fraktionen im EU-Parlament

EVP, S&D, ALDE, EKR, GUE/NGL - diese nicht ganz so geläufigen Abkürzungen stehen für die Fraktionen im Europäischen Parlament. Doch was steckt dahinter?
Autorin: Katharina von Tschurtschenthaler

EU-kritische Politik in Europa

Die Europäische Union hat keinen leichten Stand bei den Bürgern: Die Europawahlen gelten als Schicksalsentscheidung für die EU. In einigen Mitgliedsländern regieren die EU-Skeptiker bereits, in anderen bilden sie die stärkste Oppositionspartei.
Autorin: Katharina von Tschurtschenthaler

Moderation
Julia-Niharika Sen
Redaktion
Nicole Bölhoff
Christiane Justus
Redaktionsleiter/in
Clas Oliver Richter
Produktionsleiter/in
Tobias Jahn
NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/weltbilder/Weltbilder,sendung903280.html