Weltbilder

Dienstag, 10. April 2018, 23:30 bis 00:00 Uhr
Donnerstag, 12. April 2018, 01:45 bis 02:15 Uhr

Weltbilder vom 10.04.2017 mit Julia Sen.

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Schweden: 105-jährige Bloggerin

Gut hundert Jahre ist sie ohne ausgekommen: Dagny Carlsson aus Stockholm. Mittlerweile aber ist sie Besitzerin eines Computers. Die 105-Jährige ist die vielleicht älteste Bloggerin der Welt. "Neunjährige schreiben mir Nachrichten", erzählt sie,
"sagen, ich sei cool." Im Internet ist sie fast täglich unterwegs, chattet mit ihren Freundinnen - was zu ihrer Freude ja kein Porto kostet - und schreibt fleißig Blogeinträge. Für ihren eigenen Blog ist sie sogar mit einem Preis ausgezeichnet worden. "Wenn ich mal einen Tag nichts schreibe, denken alle, ich sei tot", berichtet die humorvolle alte Dame. Tatsächlich hat sie vor dem Tod keine Angst. Außerdem halte der Computer sie jung.
Autor: Clas Oliver Richter

Irland/Nordirland: Neue Ängste nach 20 Jahren Frieden

Am 10. April 1998 beendeten die irische und die britische Regierung den Bürgerkrieg zwischen irischen Nationalisten und protestantischen Unionisten in Nordirland. Beide Seiten unterzeichneten das sogenannte "Good Friday Agreement", das Karfreitagsabkommen. Alle paramilitärischen Gruppen wurden entwaffnet und Kämpfer beider Seite bekamen Amnestie. Nun, 20 Jahre später, hat sich ARD-Korrespondentin Hanni Hüsch auf Spurensuche in beide Ländern begeben, denn alte  Wunden drohen wieder aufzureißen. Wo früher Wachtürme, Kasernen und Zäune die Landschaft durchschnitten, sieht man heute nichts als Idylle. So als hätte nichts und niemand den Frieden je gestört. Aber Hanni Hüsch hat auf ihrer Reise entlang der Grenze erlebt, wie fragil dieser Frieden auch heute noch ist. Denn der Brexit könnte zu einer harten Grenze zwischen beiden Ländern führen und die alten Konflikte wieder aufleben lassen.
Autorin: Hanni Hüsch

Neuseeland: Immobilienkrise zwingt Familien in Garagen

Nur einem von zehn Obdachlosen in Neuseeland kann geholfen werden. So werden Garagen zu Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmern. Legal ist das nicht. Aber mehr als die Miete für eine Garage können manche Familien nicht aufbringen. Selbst mit Vollzeit-Jobs. Die Mieten sind in den vergangenen Jahren um 25 Prozent gestiegen, die Löhne nur um 14 Prozent. So ergeht es auch der Familie von Sera Kelamete. Sie lebt  mit ihrem Mann und den vier Kindern in einem Obdachlosenheim in Auckland. In zwei kleinen Zimmern türmt sich der ganze Hausstand. Vor einem Jahr mussten sie aus ihrer Wohnung raus. Die Miete wurde unbezahlbar. Sera arbeitet zeitweise als Sozialarbeiterin, ihr Mann schuftet 40 Stunden und mehr auf dem Bau. Sie haben versucht, wenigstens eine Zwei-Zimmer-Wohnung zu finden, die ins Budget passt. Keine Chance. Die Zusage vom Obdachlosenheim vor ein paar Wochen wie ein Sechser im Lotto: "Wir sind total glücklich, dass wir alles hinter uns lassen konnten und hier ein paar Quadratmeter für uns allein haben. Das ist nicht viel, aber doch besser als in einer überfüllten Wohnung zu übernachten." Das Obdachlosenheim für Familien kann sich vor Anfragen kaum retten. Denn es gibt viel zu wenig Sozialwohnungen. Für viele Familien mit kleinem Einkommen aber ist eine Wohnung auf dem freien Markt unbezahlbar.
Autorin: Sandra Ratzow

China: Die Babyretterin

Lily ist ständig unterwegs im Riesenreich der Mitte. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, schwer kranke Waisenkinder zu retten. Finanziert wird ihr Hilfsprojekt durch Spenden. Im Kinderheim in der Provinz Shanxii trifft Lily auf ihre Patienten. Alle Kinder hier wurden ausgesetzt, weil die Eltern wohl kein Geld für die teure Operation hatten. Denn die Basis-Krankenversicherung trägt auf dem Land höchstens 30 Prozent der Kosten, den Rest muss die Familie zahlen. Heute wartet schon das Frühchen Zhenlian auf Lily. Sie muss dringend zur Operation ins Kinderkrankenhaus nach Peking gebracht werden. Zhenlian kam bereits schwer krank zur Welt erklärt Lily: "Sie wird künstlich ernährt, bekommt nur ganz wenig Milch weil sie ein schwieriges Magenproblem hat, sie ist mehr als einen Monat alt, aber wiegt nur zwei Kilo." Zwölf Stunden dauert die Fahrt von der Provinz bis zum modernen Kinderkrankenhaus in Peking. Frühchen Zhenlian muss schnell in den OP.  Lily hat wieder einem Kind eine Chance gegeben, weiterleben zu können.
Autorin: Sascha Storfner

Brasilien: Sozialer Notstand wegen Flüchtlingen

Brasiliens Regierung hat angesichts des unkontrollierten Flüchtlingsstroms aus Venezuela in dem nördlichen Teilstaat Roraima den sozialen Notstand ausgerufen. Die humanitäre Krise in der Grenzregion wird immer größer. Mindestens 40.000 Venezolaner leben in der abgelegenen Region unter schlimmen Bedingungen. Und es werden immer mehr. Das Militär soll nun 200 Mann in die nördliche Amazonasregion entsenden. Sie sollen ein Feldlazarett an der Grenze sowie mehrere Kontrollposten errichten. Die Grenzübergänge zu Venezuela sollen jedoch weiter offen bleiben. Nachdem sich die Versorgungslage in Venezuela im letzten Jahr massiv verschlechtert hatte, flohen immer mehr Venezolaner nach Brasilien. Alleine in Roraimas Hauptstadt Boa Vista sollen derzeit mehr als 40.000 Venezolaner leben. Wie viele weitere Flüchtlinge sich insgesamt in der abgelegenen Urwaldregion aufhalten, ist nicht bekannt.
Autor: Michael Stocks

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