Weltbilder

Dienstag, 01. Dezember 2020, 23:25 bis 23:55 Uhr

Vereinigte Arabische Emirate: Marsmission der Frauen

Für die Vereinigten Arabischen Emirate ist es tatsächlich ein Aufbruch in neue Sphären: Die Marssonde Khalisfasat soll allen zeigen, dass es in den erzkonservativen Emiraten um mehr geht als um Öl. Seit im Juli eine japanische Trägerrakete die Sonde ins Weltall transportierte, wird die Marsmission mit dem Namen Hope von einem Kontrollzentrum am Persischen Golf gesteuert. Und über 80 Prozent der Beteiligten sind Frauen. Ayesha Al Sharafi hat den Antrieb mitentwickelt. Für sie erfüllt sich mit der Marsmission ein aufregender Traum: "Es gibt so viele Momente, in denen einfach alles schiefgeht. Und dann schaffen wir es immer irgendwie, das zu lösen. Es ist eigentlich ständig aufregend", sagt sie. Die Sonde soll im Februar den Mars erreichen, die dortigen Staubstürme erforschen, Gesteinsproben nehmen und zur Vorbereitung der Landung einer bemannten Mission eingesetzt werden. Dass so viele Frauen an diesem Hightechprojekt beteiligt sind, hat in den Emiraten anfangs für Irritationen gesorgt. Für die jungen Ingenieurinnen, die mit hervorragenden Ausbildungen ins Raumfahrtzentrum gekommen sind, bietet das Projekt auch die Möglichkeit, sich in der von Männern dominierten Gesellschaft der Emirate einen Platz zu erobern.
Autor: Daniel Hechler

China: Warum ist China frei von der Corona-Pandemie?

Am 1. Dezember 2019 wurde das Coronavirus erstmals bei einem Menschen in der chinesischen Stadt Wuhan nachgewiesen. Seitdem hat es über sich die ganze Welt verbreitet, lähmt den Alltag fast überall. In vielen Staaten verbreitet sich die Pandemie unkontrolliert. Im Ursprungsland China allerdings gibt es offenbar kaum neue Fälle und damit auch keine dramatischen Folgen für die Menschen dort. Wir gelingt es der chinesischen Führung, COVID-19 so effizient unter Kontrolle zu halten? Die Weltbilder berichten über die rigiden Maßnahmen in der Volksrepublik.
Autor: Daniel Satra

Indonesien: Corona und das Leben im Paradies auf Bali

Wer in Corona-Zeiten vom Tourismus lebt, hat es schwer. Die Branche ist der große Verlierer in der Pandemie, was gerade auf der Ferieninsel Bali zu beobachten ist. Auf der Insel wohnen über vier Millionen Menschen, die zu 70 Prozent vom Tourismus leben. Im August wurde auf Bali erlaubt, dass Inlandstouristen zurück auf die Ferieninsel durften. Sofort schossen die Infektionszahlen in die Höhe. Die Provinzregierung hatte die Grenzen monatelang selbst für Indonesier geschlossen. Eigentlich sollten im September auch Menschen aus dem Ausland wieder nach Bali reisen dürfen, doch dieser Plan wurde schnell auf Eis gelegt. Viele Inselbewohner müssen nun umsatteln, wie etwa Gede Darma. Er war vor Corona Tauchlehrer und hatte ein relativ gutes Einkommen. Jetzt ist er Seetang-Farmer. Das Geld reicht gerade mal zum Überleben. Doch auch viele der Ausländer, die auf Bali leben, müssen umdenken. Für manche ist das Traumleben als digitale Nomaden im Paradies plötzlich sehr viel härter geworden, während andere davon profitieren, dass das Arbeiten von zu Hause aus über Nacht normal geworden ist.
Autorin: Sandra Ratzow

USA:  Wahlkampf in Georgia geht weiter

Die Nachzählung der Ergebnisse zur Präsidentenwahl könnte sich noch Wochen hinziehen, weil jeder Wahlzettel auf Antrag der Republikanischen Partei per Hand überprüft werden wird. Noch-Präsident Donald Trump verbreitet weiter Vorwürfe der Wahlfälschung, obwohl es bisher keine Belege dafür gibt. In Georgia geht der Wahlkampf derweil weiter. Am 5. Januar sollen in einer Stichwahl die beiden Posten im Senat vergeben werden, die der Bundesstaat in der zweiten Kammer des Kongresses besetzen wird. Im ersten Wahlgang, der gemeinsam mit der Präsidentenwahl stattfand, konnte niemand der Kandidierenden die notwendige Mehrheit erreichen. Erstmals seit 1992 hatten die Demokraten bei der Präsidentenwahl in Georgia die Mehrheit der Stimmen erreicht. Die beiden Senatssitze des Bundesstaates sind wichtig: Wenn die Demokraten diese am Ende für sich gewinnen, herrscht im US-Senat zumindest ein Patt, das die Arbeit des neuen US-Präsidenten einfacher machen würde. Sollten die Republikaner gewinnen, könnten sie viele Projekte von Joe Biden blockieren.
Autorin: Claudia Buckenmaier

Großbritannien: Brexit-Parkplatz in Kent

Die große Mehrheit der Wähler in der Grafschaft Kent hat für den Brexit gestimmt. Nationalismus und stolzer Patriotismus gehören in der südenglischen Provinz zum guten Ton. Jetzt aber sind viele der Brexit-Unterstützer ernüchtert. Denn mitten in der schönen Landschaft entsteht ein riesiger Lkw-Parkplatz. Die Behörden wollen lange Schlangen am Eurotunnel und an den Fähranlegern verhindern. Dennoch sind auch nach dem endgültigen EU-Austritt der Briten Importe aus Europa nötig, um die Versorgung im Land zu gewährleisten. Und die müssen zukünftig von britischen Zöllnern abgefertigt werden. Die Abfertigung soll ab Januar auf dem Lkw-Parkplatz durchgeführt werden. Auch wenn die Nachbarn so viel Souveränität im unmittelbaren Umfeld gar nicht so attraktiv finden.
Autorin: Annette Dittert

Frankreich: Angst der Fischer vor hartem Brexit

Boulogne-sur-Mer ist der größte Fischereihafen Frankreichs. Von hier aus fahren die Trawler in die Nordsee. Ludvig Margollet sticht mit seiner 22 Meter langen "Saint-Jacques II" seit vielen Jahren in See. Er hat Angst vor einem harten Brexit, dann würde es keine Einigung über die Nutzung der Fischereigewässer in der Nordsee geben. "70 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Fängen in britischen Gewässern, das wäre dann weg", fürchtet er. Mehr als 5.000 Arbeitsplätze hängen an der französischen Fischindustrie an der Nordseeküste. Seit vielen Jahrzehnten können die Fischer auch in britischen Gewässern ihre Netze auswerfen. Wenn es keine Einigung über einen geordneten Austritt Großbritanniens aus der EU geben sollte und keine Lösung für die Fischer, müssten Ludvig Margollet und viele seiner Kollegen ihren Beruf wohl aufgeben.
Autorin: Friederike Hofmann

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