Weltbilder

Dienstag, 22. September 2020, 23:30 bis 00:00 Uhr
Donnerstag, 24. September 2020, 01:15 bis 01:45 Uhr

China: Gemüseverkauf per Livestream vom Feld

Als ihnen im Februar aufgrund von Corona die klassischen Verkaufskanäle wegbrachen, mussten sich die Landwirte in China neu erfinden. Und das taten viele. Per Livestream läuft ihr Geschäft inzwischen wie geschmiert. Einer von ihnen ist Jung-Bauer Wu Xiansheng. Seine armen Jahre sind vorbei. Zwei Monatsgehälter haben gereicht, jetzt fährt er einen nagelneuen Tesla. Sein Produkt: Enteneier. Sein Schlüssel zum Erfolg: Er steht ständig per Livestream im direkten Kontakt  zu seinen Kunden. Über die chinesische App TikTok zeigt er seinen Arbeitsalltag live. Die potenziellen Käufer können jederzeit Fragen stellen - und Eier bestellen. "Dieser Verkaufskanal ist sehr gut. Viel besser als die traditionellen Wege mit den Agenten und Mittelsmännern, die dann auch alle Geld haben wollen", sagt Wu Xiansheng. Enteneier sind eine chinesische Spezialität - in Salz eingelegt und gedämpft. Auf das Vierfache haben sie jetzt die Produktion erhöht. "Jetzt verarbeiten wir 200.000 Eier an einem Tag. Und das ist auch die Zahl an Eiern, die wir an einem Tag verkaufen können", sagt Wu Xiansheng. Wu lebt in einem kleinen Fischerdorf ganz im Süden Chinas. Jeder kennt sich, alle arbeiten in der gleichen Branche - solange sie noch jung sind, fischen sie. Wenn die Kräfte ausgehen, züchten sie Enten. Das ist die Arbeitsaufteilung, seit Generationen. Seine Streaming-Idee kam anfangs nicht gut an, erzählt Wu: "Die Leute hier finden Livestreaming schamlos. Sie verstehen nicht was du tust, wenn du jeden Tag in deine Kamera reinquatschst und immer mit dem Telefon rumrennst. Sie haben auf mich herabgeschaut, weil sie es nicht verstanden haben." Doch der Erfolg gibt ihm Recht. Wu ist unterhaltsam und schafft Vertrauen. Im letzten Monat hat die Dorf-Kooperative so viel Gewinne eingefahren, wie sonst in einem halben Jahr. Früher hat er sich nicht vorstellen können, als Erwachsener im ländlichen China zu bleiben. Seit er das Livestreaming entdeckt hat, sieht er das anders: "Über diese Plattform können wir mit der Welt kommunizieren, unser Essen und unsere Kultur teilen und unsere Geschichte der Welt erzählen. Das ist sehr aufregend für uns."
Autorin: Tamara Anthony

VIDEO: China: Gemüseverkauf per Livestream vom Feld (6 Min)

Türkei: Kinderarbeit - Schuften statt Schule

Die Gesetzeslage in der Türkei ist eindeutig: Kinder unter 15 Jahren dürfen nicht arbeiten. Dennoch müssen nach offiziellen Schätzungen 700.000 Kinder regelmäßig Geld verdienen, damit ihre Familien über die Runden kommen. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus und fürchten, dass tatsächlich zwei Millionen Kinder schuften müssen. "Es geht vielen Arbeitgebern darum, möglichst billige Arbeitskräfte zu beschäftigen", klagen Gewerkschafter an. Eins von den arbeitenden Kindern ist der 13-jährige Serhat Kircan. Er sammelt Müll, damit seine Familie ihr Überleben finanzieren kann. Umgerechnet vier Euro verdient er pro Tag, das Geld geht für Lebensmittel drauf. Eine hoffnungslose Situation für den 13-Jährigen, denn einen Schulabschluss und eine gute Ausbildung wird er so nicht schaffen.
Autor: Oliver Meyer-Rueth

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Hafen und Skyline von Dubai © picture alliance/Zoonar Foto: Nikolai Okhitin

Quiz: Was wissen Sie über die Vereinigten Arabischen Emirate?

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Emirate: Was die neue Freundschaft zu Israel bedeutet

Die kleine jüdische Gemeinde in Dubai wächst. Und nun nehmen die Vereinigten Arabischen Emirate diplomatische Beziehungen zu Israel auf - für viele Juden am Golf ein Befreiungsschlag. Ross Kreil genießt seinen Lieblingsstrand in Dubai  nach einem langen Tag im Büro. Seit sieben Jahren schon lebt der Anwalt in Dubai, bislang eher zurückgezogen. Heute trägt er zum ersten Mal öffentlich die Kippa und fühlt sich wohl dabei: "Das ist jetzt mein Zuhause. Wir haben gelernt, hier zu leben. Als Juden zu leben." Bewegte Tage liegen hinter ihm. Gerade erst war Kreil zu Gast im Weißen Haus. Ein historischer Tag, an dem die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel ihre Annäherung besiegelten. Gerade Dubai hofft auf neue Investitionen, Geschäfte und Touristen aus Israel. Die Handelsmetropole am Golf gibt sich gerne weltoffen und tolerant. Auch deshalb konnte hier eine jüdische Gemeinde Wurzeln schlagen. Ross Kreil ist ihr Präsident. Mit dem Washingtoner Abkommen öffnen sich neue Horizonte. Nun ist die Gemeinde auch von Staats wegen anerkannt. "Wir sind jetzt die Juden der Vereinigten Arabischen Emirate. Mich packt das emotional, wenn ich nur darüber spreche", sagt Kreil. Nicht überall aber stößt das Modell von Dubai auch auf Gegenliebe. Viele Araber halten die Annäherung an Israel für Verrat an den Palästinensern. In den sozialen Netzwerken ist darüber auch viel Wut zu spüren. Der Außenminister der Emirate, Anwar Gargash, hat offenbar damit gerechnet. Der Deal polarisiere die Gesellschaft weiter, sagt er. Doch Stillstand sei auf Dauer keine Alternative: "Wer die Emirate negativ beurteilt, fühlt sich in seiner Einschätzung bestärkt. Wer sie positiv sieht, bleibt ebenfalls bei seiner Einstellung. Nur die Lautstärke der Auseinandersetzung ist ein wenig höher geworden." Über alle Ressentiments hinweg Brücken bauen, das hat sich Ross Kreil vorgenommen. Eine Annäherung, die Zeit braucht. Ein Anfang immerhin ist jetzt gemacht.
Autor: Daniel Hechler

Albanien: Junge Menschen helfen den Armen

Für viele arme Frauen und Kinder in den ländlichen Teilen Albaniens ist die Freiwilligen-Organisation "Das andere Wochenende" die letzte Rettung. Denn wenn die Männer oder die Familien-Clans unliebsame Angehörige verstoßen oder sogar bedrohen, dann gibt es im armen Albanien so gut wie keine Unterstützung oder ein Sozial-System, das Hilfs- und Schutzbedürftige auffängt. Der Anwalt Arber Hajdai hat die Hilfsorganisation, die sich über Spenden finanziert, gegründet, inzwischen unterstützen ihn 12.000 Freiwillige, die alle ohne Bezahlung mitarbeiten. Über ein Notfall-Telefon melden sich Frauen und Kinder zumeist mit konkreten Bitten. Dann fahren die freiwilligen Helfer aufs Land, um mit Nahrung und Lebensmitteln zu helfen. Innerhalb von wenigen Tagen finden sie häufig auch eine Bleibe, damit verfolgte Frauen und ihre Kinder nicht in Kuhställen oder im Wald leben müssen. Außerdem baut die Hilfsorganisation gerade das erste Frauenhaus des Landes. Private Spender und viel Engagement vor allem von jungen Freiwilligen übernehmen so die Aufgaben, die der albanische Staat nicht leisten kann.
Autor: Dirk Schrader

USA: Zerstörerische Waldbrände an der Westküste

Mehr als 12.000 Quadratkilometer Fläche sind an der Westküste der USA bereits verbrannt. Noch immer wüten in Kalifornien 27 Waldbrände gleichzeitig. In diesem Jahr haben die Feuer hier bereits eine Fläche vernichtet, die zwei Millionen Fußballfeldern entspricht. Die Feuerwehrleute arbeiten oft 16 Stunden am Stück. Geschlafen wird meistens am Rande des Einsatzortes - in Zelten oder auf den Dächern der Löschfahrzeuge. Chuck Mills ist seit 22 Jahren Feuerwehrmann. Er hat eine Entwicklung beobachtet. "Die Feuer sind in den letzten Jahren heftiger geworden. Ich weiß nicht, ob es an der globalen Erwärmung liegt oder so, aber das ist auch ein politisches Ding. Meine persönliche Erklärung ist, dass es durch den Klimawandel bedingt ist." Die Frage nach der Ursache für die immer schlimmer werdenden Waldbrände ist in den USA auch zum Wahlkampfthema geworden. Der Demokrat Joe Biden macht vor allem den Klimawandel verantwortlich. Präsident Trump hingegen zieht schlechtes Forstmanagement als Erklärung heran. Die Feuerwehrleute vermeiden die große Politik in ihren Pausen als Gesprächsthema. Niemand will in Streit geraten. Schließlich ist Teamwork gefragt, wenn man gemeinsam gegen das Feuer kämpft.
Autor: Jan-Philipp Burgard

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