Weltbilder

Dienstag, 25. August 2020, 23:30 bis 00:00 Uhr

Schweden: Schulanfang trotz Corona

Stockholm morgens um acht - man könnte glauben, der Alltag ist zurück. Die Eltern fahren zur Arbeit, auch Adrian kommt aus der Tür. Und das sei gut so, sagt der Zwölfjährige. Für ihn ist es der erste Schultag nach den langen Sommerferien. Die Björngardschule im Stockholmer Stadtteil Södermalm war auch das ganze Frühjahr über offen - trotz Corona. Jetzt sind die Ferien vorbei und es gilt wieder: Hände desinfizieren, Handy abgeben. Ganz normaler Unterricht im Klassenraum - ohne Mundschutz. Die offenen Schulen gelten als großer Erfolg des schwedischen Sonderweges in der Corona-Krise. Mikael Kalmenstam ist der Rektor der Schule. Er selbst musste im Frühjahr fünf Wochen lang mit einer Covid-19-Erkrankung zuhause bleiben. So hart hat es nur ihn an seiner Schule getroffen. Trotzdem zieht er eine positive Corona-Bilanz: "Die Fehlzeiten bei Kindern und Lehrern waren insgesamt sehr viel niedriger als in früheren Jahren. Aber natürlich gab es auch bei uns unruhige Eltern, die ihre Kinder lieber zuhause lassen wollten." Über die offenen Schulen wird auch in Schweden viel diskutiert. Cecilia Naucler ist Professorin für Immunologie am Karolinska-Institut in Stockholm. Zusammen mit 25 weiteren Wissenschaftlern hat sie vor ein paar Tagen einen Artikel veröffentlicht. Die Schulöffnungen sehen sie kritisch - zumindest unter diesen Umständen: "Ich will, dass man zumindest das Tragen einer Maske empfiehlt, so wie in anderen Ländern auch. Im öffentlichen Leben, in Bussen und Bahnen, wenn man keinen Abstand halten kann." Mit ihrem Sonderweg haben die Schweden zumindest eines geschafft: Sie bieten der Welt einen anderen Blick auf den Umgang mit der Corona-Pandemie.
Autor: Christian Stichler

VIDEO: Schweden: Schulanfang trotz Corona (6 Min)

Belarus: Demonstrieren für den Wandel?

Auch auf dem Land sind die Demonstrationen in der belarussischen Hauptstadt Minsk das dominierende Thema. So auch in der Region um Soligorsk, etwa 140 Kilometer entfernt von Minsk. Die Stadt Soligorsk lebt vom Bergbau und von der Landwirtschaft. Karim, der Traktorfahrer, stammt aus Kasachstan, ist seit Jahrzehnten hier: "Lasst mich bloß mit den Protesten in Ruhe", sagt er: "Wir müssen unsere Familien ernähren, stehen jeden Morgen auf und arbeiten. In die Politik mische ich mich nicht ein. In der Landwirtschaft haben alle Arbeit, alle müssen ihre Kinder ernähren und kleiden." Pogost ist nicht weit entfernt, ein typisches Dorf in Belarus mit 570 Einwohnern. Einige haben Arbeit im nahegelegenen Bergbau, die meisten leben von dem, was sie auf ihren Feldern und in den Gärten anbauen. Alexandra Mohoreva steht zu Präsident Lukaschenko. Die Demonstranten, die jungen Leute in Minsk seien gegen das Gesetz. Diese Versammlungen seien doch alle illegal, sagt sie. Elfrida Klimets ist dagegen für einen Machtwechsel in Belarus. Alles sei verkrustet, erzählt sie. Sicher, die Arbeitslosigkeit sei gering. Doch die Menschen würden zu wenig verdienen. Und Chancen für junge Leute gäbe es auch nicht: "Die Jungen wollen studieren, eine bessere Ausbildung, wollen Geld verdienen. Wissen Sie, unser ganzes Leben haben wir Geld gespart für eine Wohnung für unsere Tochter. Das ist hart! Frischer Wind würde dem Land guttun, sagt sie. Darüber diskutieren sich auch in der Familie.
Autor: Jo Angerer

Griechenland: Deutsche trotz Corona auf Rhodos willkommen

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Blick von oben auf die griechische Insel Santorini. © picture-alliance Foto: Nicolas Economou

Quiz: Was wissen Sie über Griechenland?

Sie kennen sich aus mit Themen über Griechenland? Testen Sie Ihr Wissen! Quiz

Takis Michailidis lebt dort, wo andere Urlaub machen: auf Rhodos. Er konnte in den vergangenen Jahrzehnten erleben, wie immer mehr Menschen hier Ferien gemacht haben. Davon profitierten er und seine Familie. Im März wollte Takis seinen neuen Job in einem Hotel antreten, dann kam Corona. Jetzt kann er jeden Tag baden. Takis ist arbeitslos. Unterstützung vom Staat gibt es nicht. Regelmäßig fährt Takis zum Arbeitszentrum. Vielleicht hat irgendjemand was von einer freien Stelle gehört. Wie ihm geht es 75 Prozent der Menschen auf Rhodos, die in der Tourismusbranche arbeiten. Und deswegen ist der Gewerkschafter Panagiotis Eglesos besorgt. Auf der Insel leben 90 Prozent der Menschen vom Tourismus, es gibt kaum andere Unternehmen. Die Regierung müsse helfen, sonst drohten auf Rhodos die Menschen zu verhungern: "Nach Ende der Saison werden noch mehr Geschäfte für immer schließen. Leider können kleine und mittlere Unternehmen diese Krise nicht bewältigen. Es sind oft Familienunternehmen, vor allem hier mit ein bis zwei Angestellten."
Autorin: Ellen Trapp

Italien/Schweiz: Grenzstreit im Gletscherland

Der Klimawandel hat globale Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Natur. In den Alpen kommt es aber sogar zu einer Verschiebung von Landesgrenzen. Nach einer alten Vereinbarung zwischen Italien und der Schweiz verläuft die Grenze beider Länder im Hochgebirge entlang von Wasserscheiden oder Bergflanken. Doch jetzt ist etwas passiert, womit niemand gerechnet hat. Aufgrund der schmelzenden Gletscher hat sich die Grenze bis zu 150 Meter zugunsten der Schweiz verschoben. Lucio Trucco, der Wirt der bisher rein italienischen Schutzhütte "Rifugio Guide del Cervino" fragt sich nun, ob er in Zukunft Rösti statt Spaghetti anbieten soll. Denn zu zwei Dritteln steht die Hütte jetzt auf Schweizer Territorium. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Das Treffen einer schweizerisch-italienischen Grenzkommission wurde aufgrund der Corona-Pandemie auf Ende des Jahres verschoben.
Autor: Wolfgang Wanner

USA: Jobs in New York dringend gesucht

Die 5th Avenue, Symbol für New Yorks Wohlstand, ist in diesen Wochen verwaist. Große Einkaufs-Ketten überlegen aufzugeben, es lohnt sich nicht mehr. Auch Restaurants und kleine Geschäfte kämpfen ums Überleben. Auf den Straßen immer mehr Wohnungslose. Selbst für die Taxifahrer in ihren Yellow Cabs lohnt sich der Job nicht mehr, nur noch etwa ein Viertel der Wagen sind auf der Straße. Viktor steigt zum ersten Mal seit fünf Monaten in sein Taxi. Er nimmt uns mit auf seine erste Fahrt durch Manhattan seit einem halben Jahr. Viktor ist schockiert über den Zustand seiner Stadt: Fast 3.000 kleine Unternehmen haben schon dichtgemacht. Auch in Manhattans wohlhabender Upper West Side nimmt das Elend zu: hohe Mieten, wenig Umsatz, wenig Kunden. Das Leben verändert sich. Wo Geschäfte schließen, ziehen Wohnungslose unter die Vordächer. Obwohl die Stadt 139 Hotels für die gestrandeten Menschen geöffnet hat, bleiben viele auf der Straße, ohne Perspektive. Auch auf dem Wohnungsmarkt gibt es derzeit 26 Prozent mehr Leerstand als im Vorjahr. Die Preise, besonders für größere Apartments, fallen um zehn bis 15 Prozent, selbst in erstklassiger Lage am Central Park. Immobilienmaklerin Kathy versucht, das Beste daraus zu machen. Sie behauptet, jetzt sei es ein guter Markt für Investoren, die Schnäppchen machen wollen. Bleibt die Frage, ob es potentielle Investoren derzeit auch so einschätzen.
Autorin: Christiane Meier

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