Weltbilder

Dienstag, 14. September 2021, 23:45 bis 00:15 Uhr
Donnerstag, 16. September 2021, 02:05 bis 02:45 Uhr

Australien: Ist die No-COVID-Strategie gescheitert?

Autorin: Sandra Ratzow

Einst war Australien das Vorzeigeland in Sachen Corona. Die No-COVID-Strategie mit strikten Lockdowns und geschlossenen Grenzen war erfolgreich, die Zahlen blieben niedrig. Der aktuelle Ausbruch der Delta-Variante lässt die Regierung nun über einen Strategiewechsel und ein Leben mit COVID 19 nachdenken. Doch nicht alle Bundesstaaten sind gleichermaßen betroffen. Während in Australiens dicht bevölkerten Bundesstaaten New South Wales und Victoria die Infektionszahlen täglich steigen und strikte Lockdowns umgesetzt werden, geht im Bundesstaat Western Australia mit der Hauptstadt Perth das Leben ganz normal weiter. No-COVID gilt hier auch weiterhin als Erfolgsmodell. Eine Öffnung der regionalen Grenzen wird sehr kritisch gesehen. Während sich also Millionen Australier, die des Lockdowns müde sind, Normalität und eine Öffnung der Grenzen wünschen, bestehen die direkten Nachbarn weiterhin auf Abschottung. Diese Uneinigkeit der Bundesstaaten spaltet das Land.

Russland: Putins Angst vor den Taliban

Autorin: Ina Ruck

Für den russischen Präsidenten steht fest: sein Land wird sich nicht in Afghanistan einmischen: „Die UDSSR hat ihre eigenen Erfahrungen mit diesem Land gemacht und wir haben unsere Lektion gelernt“, äußerte Wladimir Putin vor einigen Tagen. Fast zehn Jahre lang besetzten sowjetische Truppen Afghanistan, in einem blutigen Krieg verloren mehr als 26.000 sowjetische Soldaten bis zum Abzug 1989 ihr Leben. Die geschlagene Rote Armee zog sich am Ende zurück. Dass die hochgerüsteten westlichen Armeen das gleiche Schicksal ereilte, hat die russische Regierung anfänglich voller Häme kommentiert. Inzwischen treibt Putin aber die Angst vor islamistischem Terror in den asiatischen Provinzen Russlands um. Deswegen will er Flüchtlingslager in den asiatischen Nachbarstaaten Russlands verhindern.

Frankreich: Neues Leben als Salzbauern

Autorin: Friederike Hofmann

Die Destination Ile de Re liegt vor La Rochelle an der französischen Atlantikküste. Seit Jahrhunderten produzieren die Menschen dort Salz in großen Salzbecken. Lange drohte der Beruf der Salzbauern auszusterben, doch nach Corona kommen plötzlich immer mehr Interessenten auf die Insel, um den Beruf zu erlernen. Der Biochemiker Laurent Miccoli hat seinen Schreibtisch in Paris mit dem Holzschieber auf der Salzinsel getauscht: „Mich fasziniert, dass sich alles ständig verändert. Dabei machen wir die ganze Zeit das Gleiche. Aber die Natur ist großartig, jeder Tag ist anders“, sagt er. Die Alteingesessenen sind erfreut und ein wenig überrascht, weil die Leute aus den Städten auf ihre Insel kommen, um den Beruf zu erlernen: „Wir bilden lieber reifere Leute aus, die schon Berufserfahrung haben“, erläutert Hugues Leprince von der Kooperative der Salzbauern. Allen allerdings macht der Klimawandel Sorgen. Denn der Meeresspiegel steigt stetig, trotz neuer Dämme könnten die Salzbecken irgendwann überflutet werden.

Südafrika: Krokodile als Geschäft

Autor: Richard Klug

6000 Krokodile leben auf der Crocodile Creek Farm im Osten Südafrikas. Der 80-jährige Peter Watson und der 54-jährige Sean LeClus leiten diese Farm. Die Tiere dienen verschiedenen Zwecken. Zum einen der Zucht. Der zweite Geschäftszweig, die Wissenschaft, liegt seit Corona flach. Keine Studierende mehr, kein Einkommen. Es bleibt der Tourismus. Und dann ist da noch die Lederproduktion. Sehr umstritten. Anderswo laufen Tierschützer Sturm gegen Krokodilleder-Farmen, nicht aber in Südafrika.

Brasilien: Torwart zum Mieten

Autor: Matthias Ebert

Was tun, wenn beim Fußball keiner ins Tor will? Viele Freizeitkicker in Brasilien wollen lieber Tore schießen. Den Torwart kann man schließlich auch mieten, für umgerechnet weniger als zehn Euro pro Spiel, so wie Maçã Souza. Jeden Mittwoch geht er zum Betriebssport der Zentralbank von Rio. Die meisten hier sind oder waren mal bei Brasiliens Notenbank beschäftigt. Maçã ist ihr Miet-Torwart. "Wir Torhüter werden von der Gruppe gebucht, ebenso der Schiedsrichter. Ich spiele für Geld." Eine sinnvolle Investition für die Altherren der Betriebssportgruppe. "Wir suchen uns stets gute Torhüter aus", sagt Luis Henrique von der Betriebssportgruppe der Zentralbank Rio de Janeiro. "Dadurch bekommt unser Kick ein gutes Niveau. Durch junge Typen wie Maça ist das Spiel interessanter, spannender." In den Kasten will niemand, deshalb mieten sie Maçã. Er bekommt umgerechnet gerade mal 8,50 Euro für drei Stunden. Ein mickriger Lohn im Vergleich zu den Beamten, seinen Mitspielern.

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