Unsere Geschichte

Von Bausünden und Bürgerprotest

Samstag, 17. April 2021, 12:00 bis 12:45 Uhr

Norddeutschland lag nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend in Trümmern. Hamburg, Bremen, Kiel, Hannover, Hildesheim waren vom Bombenkrieg verwüstet. Leid und Kummer für die Bewohnerinnen und Bewohner.

Zerstörte Städte bieten Architekten Raum für Utopien

Doch Stadtplaner und Architekten sahen eine gute Gelegenheit, ihre Utopie von der neuen Stadt zu verwirklichen. Mittelalterliche Gassen und verwinkelte Höfe störten da nur. Licht und Luft sollte die Neubauviertel durchströmen. Wie Adern sollten breite Straßen den Verkehr durch die Stadt pumpen. Was der Krieg verschonte, opferten die Nachkriegsplaner allzu oft dieser Vision.

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Blick auf moderne Wohnhäuser und ein Wasserbecken in Neu-Altona (Holstenstraße) in den 1960er-Jahren. © Neue Heimat, Hamburgisches Architekturarchiv

Aus Bombentrümmern zur Vision der "neuen" Stadt

Zerstörte Städte bieten Architekten in der Nachkriegszeit Raum für Utopien. Historische Gebäude stören in ihren Plänen eher. mehr

Verkehrsmoderne schlägt Historie

Kinder und Jugendliche am Hamburger Hexenberg in den Nachkriegsjahren. © Radio Bremen
Was der Krieg verschonte, fiel dem Wiederaufbau zum Opfe, wie hier am Hamburger Hexenberg.

In Hamburg plante der renommierte Architekt Ernst May Neu-Altona und wollte für den neuen Stadtteil die letzten Reste des alten Arbeiterviertels Altona abreißen. In Hannover ging der energische Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht ans Werk und verordnete seiner Heimatstadt ein völlig neues Verkehrskonzept, dem viele historische Bauten zum Opfer fielen. In Bremen trennte man sich zugunsten eines Innenstadtrings emotionslos von alten Klöstern und prächtigen Gebäuden der Gründerzeit.

Doch die Utopie der neuen Stadt zeigte schnell ihre Schattenseiten. In den Neubauvierteln stellte sich selten eine gute Nachbarschaft ein. Die schöne neue Stadt von morgen wurde allzu oft zum Problemquartier der Gegenwart.

Proteste führen zu Wiederaufbauten

Innenstadt von Hildesheim vor dem Abriss des Hotels "Rose" in den 80er-Jahren. © Radio Bremen
Das Hotel "Rose" ist auch schon wieder Geschichte. Die Stadt Hildesheim ließ es in den 1980ern abreißen und rekonstruierte einen Fachwerkbau.

Zwischen den nüchternen Nachkriegsbauten und überdimensionierten Straßen rieben sich die Menschen die Augen und wollten ihre alte Stadt zurück. Gegen massive Widerstände der Fachleute wurden zum Beispiel in Hildesheim die Nachkriegsbauten am Marktplatz wieder abgerissen und im Stil des Mittelalters neu aufgebaut.

Greifswald trennt sich noch in den 80ern vom Mittelalter

Abrissarbeiten in der Greifswalder Hafenstraße Anfang der 80er-Jahre © Radio Bremen
Noch Anfang der 1980er-Jahre wurde in Greifswald in der Hafenstraße die mittelalterliche Stadt abgerissen.

In der DDR war die Entwicklung ähnlich, nur Jahre später. Greifswald wurde vom Krieg verschont, dennoch hat die alte Stadt einen Großteil der Bebauung aus dem Mittelalter verloren - abgerissen noch in den 1980er-Jahren.

Doch die Bürgerinnen und Bürger wehrten sich in Ost und West gegen den Kahlschlag. Zum Glück: Sonst hätte Norddeutschland so manche historische Innenstadt weniger.

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Redaktion
Michaela Herold
Autor/in (Drehbuch)