Unsere Geschichte - Grenzflieger

Als der Himmel noch geteilt war

Samstag, 02. November 2019, 12:00 bis 12:45 Uhr

Bis 1989 haben mehr als 400 westdeutsche Kleinflugzeuge unfreiwillig die innerdeutsche Grenze übertreten. Ausgelöst wurden die Irrflüge meist durch schlechte Sichtverhältnisse oder Wetterturbulenzen, wenn Piloten von grenznahen Flugplätzen in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein starteten. Die Dokumentation behandelt erstmals dieses bislang nahezu unbekannte Kapitel der deutschen Teilung.

Harmlose Fehlflüge - dramatische Folgen

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Am 13. August 1970 versehentlich über die Grenze geflogen: Hobbypilot Gerhard Littmann beim Aeroclub Lübeck.

Die harmlosen Fehlflüge wurden von der DDR als "Verletzung der Staatsgrenze" gewertet, oft mit dramatischen Folgen: monatelange Inhaftierungen der Piloten in DDR-Gefängnissen, Auslieferungsverhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR bis hin zum Häftlingsfreikauf und hohe Kosten für die Rückführung der Flugzeuge.

Auf einer breiten Basis von Stasidokumenten, Presseberichten und Unterlagen des Bundesgrenzschutzes dokumentieren die Autoren Anne Kathrin Thüringer und Hans-Jürgen Büsch die Schicksale von zwei Familien aus Bad Schwartau und Lüneburg, die von einem auf den anderen Tag in den Strudel des Ost-West-Konflikts gerieten.

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Belastung für die deutsch-deutschen Verhandlungen

Die beiden Grenzüberflüge ereigneten sich 1970, einem hochbrisanten Jahr in den deutsch-deutschen Beziehungen. Die Entspannungspolitik und der "Wandel durch Annäherung" von Willy Brandts sozial-liberaler Bundesregierung standen noch am Anfang und waren hoch umstritten. Im April fand das erste Treffen zwischen Brandt und dem Vorsitzenden des Ministerrates der DDR Willi Stoph statt. Im Sommer und Winter 1970 wurden mit dem Warschauer und dem Moskauer Vertrag die Grundlagen der Neuen Ostpolitik gelegt.

Politische Zeitzeugen wie Ludwig Rehlinger, ehemaliger Staatsekretär im Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen, und ein ehemaliger NVA-Generalleutnant äußern sich zu den Gefahren, die solche "Grenzverletzungen" für die brisanten Verhandlungen darstellten. Vor diesem Hintergrund zeigt der Film die politischen Gräben und das Misstrauen im Vorfeld der Ostverträge.

Jeder Grenzübertritt war hochpolitisch

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Hiltraut Raasch wartete im August 1970 am Flughafen Lüneburg vergeblich auf die Rückkehr ihrer erkrankten Kinder.

Es war eine Zeit, in der selbst ein unfreiwilliger Grenzübertritt hochpolitisch war, denn er fand am 13. August, dem neunten Jahrestag des Mauerbaus, statt. In dieser Zeit konnte ein defekter Kompass einen segelflugbegeisterten Textilkaufmann aus Bad Schwartau in eine Einzelhaftzelle in Ostberlin bringen und es war möglich, dass eine Cessna mit fünf an Keuchhusten erkrankten Kindern aus Lüneburg an Bord von sowjetischen MiGs mit Schüssen vom Himmel geholt wurde.

Darüber hinaus zeigt die Dokumentation, mit welcher Akribie die Stasi die sogenannten Luftraumverletzer und deren Familien selbst im Westen ausspionierte und mit welchen Traumata die Betroffenen bis heute leben. Ein Film, der zum 25. Jahrestag des Mauerfalls deutlich macht, wie unvorhersehbar die deutsche Teilung und der DDR-Unrechtsstaat selbst in das Leben westdeutscher Bürger eindringen konnten, als ein politisches System versuchte, Menschen nicht nur durch eine Grenze am Boden zu trennen, sondern auch noch den Himmel zu teilen.

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Autor/in
Anne Kathrin Thüringer
Hans-Jürgen Büsch
Redaktion
Sebastian Bellwinkel
Produktionsleiter/in
Eva-Maria Wittke