Typisch!

Typisch! Konrad, der Fliesenkönig

Donnerstag, 07. März 2019, 18:15 bis 18:45 Uhr
Dienstag, 12. März 2019, 11:30 bis 12:00 Uhr

Jagderfolg: Konrad Schittek zeigt seinen Söhnen neue "alte" Fliesen für das Museum. © NDR/MfG-Film

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Ursprünglich wollte Konrad Schittek, der in einem der historischen Kapitänshäuser in Oevelgönne geboren wurde, in die Fußstapfen seiner Eltern treten und Maler werden. Nach dem Studium dann die bittere Erkenntnis: Damit kann man keine Familie ernähren. Aus Spaß hat er mal ein wenig Elbschlick vom Grund geholt, getrocknet, glasiert und Fliesen daraus gebrannt. Es hat funktioniert. Fliesen sind Konrad Schitteks Beruf geworden. Denn eines Tages bekam er die Anfrage, ob er nicht für eine alte Wohnküche in Hamburg-Eppendorf ein paar brüchige Fliesen ersetzen könne - neu gebrannt, aber mit alten Motiven bemalt. Das war anfangs nicht ganz einfach, aber das war die Geburtsstunde des Fliesenhandels Schittek in Hamburg-Sinstorf.

Bundesweit gibt es keine vergleichbare Firma

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Konrad Schittek an seinem Lieblingsplatz in der Fliesenwerkstatt.

Bis heute ist die Firma auf die Wiederherstellung alter Fliesen spezialisiert, egal ob für einen einzelnen Kachelofen, Bad, Küche oder ein ganzes Friesenhaus. Die großen Aufträge kommen von der Freien und Hansestadt, wenn zum Beispiel Schulgebäude oder Behörden saniert werden, die unter Denkmalschutz stehen. Auch Krankenhäuser brauchen hin und wieder große Mengen neuer "alter" Fliesen. Schon drei Mal musste das Unternehmen umziehen. Und auch der jetzige Firmensitz ist eigentlich schon wieder zu klein.

Bundesweit gibt es keine vergleichbare Firma. Daher gehen täglich mehr als 100 Pakete voller "alter" Fliesen auf die Reise, sei es für ein Friesenhaus auf Sylt oder eine Bauernstube auf der Alm. Fliesenhersteller veranstalten Kundenevents bei Schittek. Und ständig stehen Gruppen vor der Tür, die eine Führung durchs Museum wollen.

Bei jedem neuen Auftrag ist es Sisyphusarbeit, Farben und Glasuren exakt nach Vorbild zu treffen. Vor dem Brand bei 1.000 Grad sieht eine Fliese grundsätzlich ganz anders aus als hinterher. Jedes Motiv muss exakt von Hand gemalt werden. Korrekturen wie bei einem Bild sind unmöglich. Seine Mitarbeiterinnen sind so perfekt, dass sie ebenso gut Meissner Porzellan bemalen könnten.

An seinem Firmensitz unterhält Konrad Schittek auch ein Fliesenmuseum. Dort begibt man sich unter anderem auf Zeitreise durch die Bäderkultur vom 19. Jahrhundert bis heute. Amüsiert kann man dort emaillierte Kloschüsseln, alte Zinkwannen und monströse Badeöfen betrachten. Je nach Generation finden sich viele vertraute Dinge, sei es das himmelbau gekachelte Bad aus den 1950er-Jahren oder die Variante in grün-orange mit Blumendekor aus den 1970er-Jahren.

Privat ist Schittek passionierter Wassersportler und Naturkundler, für sein Museum Jäger und Sammler. Wo immer in Hamburg ein Altbau den Besitzer wechselt und saniert werden soll, ist er zur Stelle und versucht, ganze Bäder und Küchen vor dem Bauschuttcontainer zu retten. Hinweise dazu bekommt er von seinen zahlreichen Kunden. Als Dankeschön lädt er sie gern zu Events in seine Firmenräume ein. Da darf sich dann jeder selbst am Bemalen, Glasieren und Brennen von Fliesen versuchen.

Ein Generationswechsel steht an

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Die Söhne Konrad Schitteks sollen das Geschäft übernehmen.

2018 ist ein besonderes Jahr für die Familie Schittek: Ein Generationswechsel steht an. Konrad Schitteks Söhne Jan (35) und Felix (36), zwei seiner drei Kinder, sollen das Geschäft übernehmen. Sie sind mit dem Unternehmen groß geworden und kennen sich auch ganz gut mit den 50.000 verschiedenen historischen Fliesen aus, die sie auf Lager haben. Aber wenn es darum geht, alte Fliesen, die nicht mehr lieferbar sind, nachzubrennen, brauchen sie ihren Vater.

Bis Juli will Konrad all sein Wissen um Grundmassen, Farben, Glasuren, Muster und Brenngeheimnisse weitergeben. Anlass ist die Hochzeit von Jan. Parallel dazu will Konrad Schittek seinen Söhnen auch endlich den Schlüssel für die Werkstatt überreichen. Er will sich dann ganz den Reisen mit seiner Frau und dem Wassersport widmen.

Bis dahin wird er sich aber mehrfach in seiner Werkstatt einschließen. Als Hochzeitsgeschenk plant er ein großes Fliesenbild mit dem Porträt von Jan und seiner künftigen Frau Sandra. Keine leichte Aufgabe, es soll ihnen möglichst ähnlich sehen, und wer auf Fliesen malt, hat keine Chance, einen Fehler zu korrigieren.

Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Redaktion
Birgit Schanzen
Autor/in
Christine Weiland