Sportclub Story - Vom Stasi-Knast zum Trainer des Jahres

Die dramatische Fluchtgeschichte des Thomas Popiesch

Sonntag, 14. Februar 2021, 23:35 bis 00:05 Uhr

Seine Lebensgeschichte liest sich wie ein Märchen. Eine außergewöhnliche deutsch-deutsche Geschichte, pünktlich zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung.

Thomas Popiesch im Interview mit Michael Maske in der Gedenkstätte Bautzen. Nach seinem ersten Fluchtversuch vom Osten in den Westen 1982 wurde er als 17-jähriger zu vier Jahren Haft verurteilt. Dreieinhalb Jahre saß er im Stasi-Gefängnis in Bautzen. © NDR/Michael Maske
Thomas Popiesch im Interview mit Michael Maske in der Gedenkstätte Bautzen.

Thomas Popiesch wurde 1965 in Ost-Berlin geboren. Eishockey war schon als Kind seine Leidenschaft. Als Jugendlicher war er beim SC Dynamo Berlin aktiv, dem Lieblingsclub von Stasi-Chef Erich Mielke. Popiesch galt als großes Talent, auf dem Sprung in die DDR-Nationalmannschaft.

Der ausgebildete Stürmer konnte sich allerdings mit dem SED-Regime nie anfreunden, sondern wollte dem Arbeiter- und Bauernstaat entfliehen. Sein erster Versuch, als 17-Jähriger über die damalige CSSR und Österreich in die Bundesrepublik zu gelangen, misslang. Nach zehn Monaten Haft im berüchtigtem Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen wurde Popiesch zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Den Großteil seiner Haftzeit saß er im Stasi-Gefängnis in Bautzen ab.

Vom Eis auf die Trainerbank

Der Traum von einer Eishockeykarriere war beendet, denn nach seiner Entlassung durfte er nur noch in einer Hobby-Mannschaft spielen. Finanziell hielt er sich in dieser Zeit als Automechaniker und mit Schmuckverkauf über Wasser. Der damals 24-Jährige hatte keine Perspektiven in der DDR. 1989 unternahm Popiesch dann einen erneuten Fluchtversuch über Ungarn - diesmal mit Erfolg. Nach sieben Jahren ohne Leistungssport machte Popiesch dann doch noch seinen Traum als Eishockeyprofi wahr.

Thomas Popiesch in der Gedenkstätte Bautzen. Nach seinem ersten Fluchtversuch vom Osten in den Westen 1982 wurde er als 17-jähriger zu vier Jahren Haft verurteilt. Dreieinhalb Jahre saß er im Stasi-Gefängnis in Bautzen. © NDR/Michael Maske
Thomas Popiesch in der Gedenkstätte Bautzen.

Schließlich wechselte er vom Eis auf die Trainerbank und landete 2016 in Bremerhaven. Die Fischtown Pinguins, das Team mit dem kleinsten Etat in der Deutschen Eishockey Liga, führte er von da an in jeder Saison in die Play-Off's. 2018 wurde er sogar als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Thomas Popiesch hatte es geschafft! Sportclub Story Autor Michael Maske trifft Thomas Popiesch dort wo alles begann und erzählt die bewegende Geschichte.

Autor/in
Michael Maske
Produktionsleiter/in
Matthias Most
Redaktion
Maren Höfle

JETZT IM NDR FERNSEHEN

Markt 06:35 bis 07:20 Uhr